Hat das "freie" Internet noch eine Zukunft?

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Mich beschleichen immer mehr Zweifel daran ob ein völlig freies und unzensierbares Internet tatsächlich noch wünschenswert ist. Also ein Internet in dem einfach so alle völlig unreguliert Videos und Inhalte auf Plattformen wie Facebook oder Youtube einstellen können.

Nicht erst der Sturm auf das US Kapitol hat ja gezeigt das es eine wachsende Zahl von Verschwörungstheorie Extremisten gibt welche sich mit ihrem selbst produzierten Content gegenseitig in ihrem Wahn aufhetzen und sich als Kollektiv zunehmend gegen die Demokratie und ihre Institutionen stellen. Die Entwicklung zeigt ja sehr deutlich das es sich dabei eben nicht mehr nur um ein paar isolierte Einzelfälle handelt sondern um einen leicht manipulierbaren Mob welcher sich leicht aufwiegeln lässt bzw. sich selbst radikalisiert.

U.a wurde ja auch der Amokläufer von Halle durch Verschwörungstheorien im Internet radikalisiert, die ungehinderte Verbreitung solcher Informationen kann somit durchaus auch zu Gewalt führen. Oder anderes Beispiel, wenn “Querdenker” im Internet empfehlen Chlorbleiche als Heilmittel gegen Corona zu Trinken und so weiter… Nicht zuletzt betreiben ja auch anti Demokratische Akteure wie Russland im Internet massiv Fake Propaganda gegen unsere Demokratie verbreiten die von vielen, egal ob Links oder Rechts leichtfertig geglaubt wird.

Ich zweifle daher immer stärker daran ob es noch Sinnvoll ist das es mit den Social Media Konzernen Plattformen gibt die es jedem gescheiterten Dorftrottel erlauben seinen Mist einem Millionenpublikum vorzustellen. Für die Medien der alten Welt galt immerhin noch ein Pressekodex und Redaktionen usw. haben als Filter agiert welche den gröbsten Mist aussortiert haben.

Ich denke daher, das es zunehmend klar wird wie Alternativlos eine wesentlich strengere Regulierung von Plattformen mit Massenmedialem Charakter geworden ist. Zudem müsste hier auch die juristische Grundlage geschaffen werden welche das erfinden und Verbreiten von Fake News strafrechtlich verfolgbar macht.

Zumindest müssen Mechanismen geschaffen werden welche die Integrität der verbreiteten Informationen sicherstellen können sobald diese auf Kanälen verbreitet werden welche ein großes Publikum erreichen können. Ich bin mir sicher das sowohl von Seiten der neuen US Regierung als auch von der EU da noch einiges an härteren Regulierungen kommen wird um genau das sicher zu stellen. Vermutlich wird es auch gar nicht anders gehen um das Funktionieren der Demokratie auch in Zukunft sicher zu stellen.

Wäre sehr traurig, wenn solche Leute auch noch mehr für elende Zensur sorgen würden/könnten!!

Echt krasse Fakenews/Hetze sollen strafbar sein und fertig. Das Seehofer-PseudoAntiHate-Gesetz ist schrecklich, da darf es nicht hingehen.

Wir brauchen aber viel mehr Bürgernähe und Bürgerbeteiligung der Institutionen, dann werden die Leute auch ruhiger.

Ich bitte um etwas mehr Präzision.

Im freien Internet musst du einen Server haben eine Leitung zu diesem Server und du musst hoffen, dass sich irgendjemand für deine Seiten im Netz interessiert und sie findet. Das verursacht Kosten, braucht Grundwissen und viel Arbeit.

Auf Plattformen brauchst du das alles nicht und hier ist der Plattformbetreiber in einer Mitverantwortung für die Dinge, die auf seiner Seite veröffentlicht werden. Auch weil die Inhalte nicht einfach nur da sind, sondern weil sie zwischen Konsumenten und Produzenten von Content vermitteln. Dies tun sie im Moment so, dass man immer mehr von demselben kriegt was man schon hatte. Funktioniert manchmal oft aber auch nicht und es hat die Nebenwirkung, dass es Leute von gegenteiligen Meinungen/Fakten fernhält. Da muss in der Tat mehr reguliert werden.

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Du möchtest Lügen verbieten? Puh, das wird teuer für die meisten Menschen.

Oder nur politische Lügen? Das wird teuer für alle Parteien im Wahlkampf… :wink:

Auch und gerade auf „Plattformen“ brauchst du Inhalte und Auffindbarkeit. Denn da gehst du sonst im weißen Rauschen unter.

Nur die Empfehlungsmechanismen zu ändern wird da vermutlich nicht den Durchbruch bringen… z.B. hat ja selbst ein Attilla Hildmann 115 Tausend Abonnenten auf Telegramm… (Das ist nix im Vergleich zu anderen Irssinigen wie Steve Bannon (mittlerweile von Twitter gelöscht da er Mordphantasien geäußert hat) oder Donald Trump.

Die Idee der Konzerne man müsse nur ein wenig die Such und Empfehlungs Algorithmen anpassen wird der Sache daher kaum gerecht. Das lässt sich dann nur einschränken indem gelöscht wird und Accounts gesperrt werden. Dazu gibt es in vielen Fällen aber (noch) keine Rechtsgrundlage.

Im Grunde wird im Moment nur etwas Zeit gewonnen indem der Content von Facebook und Youtube gelöscht wird. Aber es wird nicht lange dauern bis die auf andere Plattformen wandern (Hildmann => Telegramm usw) und die Radikalisierung dann woanders weiter geht wo die Plattform Betreiber dann noch weniger dagegen unternehmen wollen.

D.h wird das wohl noch deutlich strengere gesetzliche Einschränkungen/Regulierungen unumgänglich machen.

Nun man könnte z.B. die Zahl der Abonnenten auf 1000 beschränken.
Wer mehr will muss gewisse journalistische / wissenschaftliche Standards einhalten oder muss von den Plattformen stärker kontrolliert werden.

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Das wäre schonmal denke ich ein guter Anfang. So in die Richtung muss es gehen. Anonyme und Verschlüsselte Kommunikation muss in einem kleinen privaten Ramen erlaubt sein sobald aber eine größere Masse von Empfängern angesprochen wird müssen da dann höhere Standards eingefordert werden. Von den Plattform Betreibern.

Die Diskussionen darum dürften spannend werden und noch viel Sprengstoff für weitere Konflikte bieten !

“Hat das freie Internet noch eine Zukunft?”

Es muss…! Auch beim Aufkommen der Druckerpresse und damit des Buch und Zeitungsdrucks, gab es Stimmen, das sofort wieder zu verbieten. Auch da gab es sicher Hetze und Fake News von den Zeitungsmachern.

Das halte ich für das eigentliche Problem. Und sollte schlicht verboten werden.
Das mir Beiträge zu “meinen Themen” angezeigt werden, OK. Aber dass mir dann gezielt nur noch Themen und Beiträge zu “meiner Meinung” präsentiert werden, geht eben dann gar nicht.

Gruß
Andi

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Ergo - Plattformen abschaffen? Also ich könnte damit leben.
Oder halt so:

Strengere Regulierung und deutlich höhere Steuern für große Plattformen. Foren/Plattformen mit mehr als 10.000 täglich aktiven Nutzern zur aktiven Echtzeit Moderation aller (politischen/religiösen) Inhalte verpflichten damit VT Inhalte und Extremismus in der Reichweite eingeschränkt werden. Gleiches sollte für Messenger gelten die öffentliche Gruppen bzw. Abbo Funktionen haben wie z.B. Telegramm.

Kleinere Foren/Anbieter sowie nicht kommerzielle Dienste könnte man ja davon ausnehmen um mehr Dezentralität zu fördern.

Klar würde das die Konzerne einiges Kosten, dann müssten Sie die Plattformen wie Facebook halt dicht machen oder eine Abo Gebühr verlangen um den Aufwand zu decken. Beides wäre für mich vollkommen akzeptabel.

Was mich stört, ist das man die virtuelle Welt genauso sieht, wie die analoge Welt. Dabei laufen im Internet ein paar Sachen anders, als in der analogen Welt. In der analogen Welt hätten z.B. nie so rießige Plattformenunternehmen wie Facebook oder Amazon entstehen können. Auch sind die Opportunitätskosten ein Unternehmen zu gründen in der analogen Welt viel größer. Wieso wird das in der Diskussion überhaupt nicht beachtet? Und wieso wird von Dezentralität bei zentraler Regulierung gesprochen? Mir ist es lieber, wenn es ein paar große Plattformenunternehmen gibt, als wenn alles zentral reguliert wird. Egal ob die Struktur des Internets dann dezentraler ist, die zentrale Regulierung bleibt ja dann trotzdem.

Zusammengefasst: Mir sind ein paar oligopole Plattformenunternehmen lieber, als eine zentrale Regluierungsbehörde, die das Internet überwacht und reguliert. Zweiteres finde ich nämlich noch unfreier, als Ersteres.

Gibt es die heißen Franchise McDonalds, SubWay etc …

Das war vielleicht mal so aber heute brachst du ja ohne Ende Patentanwälte …

Monopole und Oligopole sind am Ende immer schlecht für alle.

Naja, McDonalds bietet der Pizzaria von nebenan nicht die Möglichkeit an ihre Pizzen über die McDonalds-Filalen weltweit annzubieten und nocht gleizeitig bei sich selbst in der Pizzaria… Also da werden jetzt auch wieder Birnen mit Äpfeln verglichen.

Trotzdem braucht es weniger Gebäude etc. Also selbst mit den ganzen Patentanwälten ist es noch günstiger als in der analogen Welt. Ich meine Facebook hat etwas mehr als 30.000 Mitarbeiter und hat eine Plattform geschaffen, die mehrere Milliarden Menschen nutzen. Das wäre in der analogen Welt unvorstellbar. McDonalds hat allein schon im Franchise in der BRD mehr Mitarbeiter, als Facebook für den gesamten Globus, nämlich mehr als 60.000.

Zusammengefasst: Plattformunternehmen sind etwas anderes als Franchiseunternehmen. Plattformen ermöglichen Sachen ohne andere Sachen auszuschließen. Plattform- und Internetunternehmen brauchen zudem wesentlich weniger Personal und räumliche Infrastruktur, als Unternehmen in der analogen Welt. All diese Vorteile werden bei der Diskussion über mehr Regulierung meist ausgeblendet. Es stellt sich mir also die Frage: Führt am Ende nicht die Regulierung des angeblich “unfreien” Internets zu mehr Unfreiheit?

Solches Schreien nach Zensur finde ich ebenfalls sehr bedenklich, denn die Politik könnte auch sehr schnell weiter nach rechts driften und dann haben solche Leute leichtes Spiel. Wir müssen hier vor allem einiges aushalten und die Bürger so gut informieren, dass sie diesen Rattenfängern nicht auf den Leim gehen!!

Habe nicht den Eindruck, dass Piraten für mehr Zensur stünden.

Doch, völlig unreguliert jenseits Straftaten.
Es ist ein wichtiger Lernprozeß Inhalte nicht blind zu konsumieren.

Doch, die vorhandenen sind nur sehr schlecht, da sie auf maximale Werbeeinnahmen getrimmt sind, wie BiLD auch. Der Inhalt ist irrelevant.

Dieser Mechanismus führt genau dazu, dass Menschen alles glauben.
Irgendwann versteht man schon, dass Menschen einem höflich und freundlich den Weg erklären, obwohl sie den Umkreis von 30 km nie verlassen haben. Das sind Kulturtechniken, die man nach einigen Tagen durchschaut.

Lesekompetenz !!

Es ging in dem Beitrag, auf den du geantwortet hast nicht um Zensur (konnte ich im ganzen Thread noch nicht entdecken, das es darum geht) sondern um die Anzeige von Beiträgen, die durch Algorythmen ausgewählt werden. Die derzeitige Auswahl verstärkt das Phänomen vom “nicht mehr aus der eigenen Bubble herraus kommen oder von außen Nachrichten erhalten.”
DAS wurde kritisiert und gefordert diesen “Filter” (den der User selbst nicht beeinflussen kann)nicht mehr in der aktuell verwendeten Form einzusetzen.

Wo da Zensur drin steckt wissen die Götter !

Das Löschen von Beiträgen, die “irgendjemand” in SM für Hetze usw. hält, ist Zensur und genau darum geht es mir bezügl. “freies Internet”. Bitte auch meine Beiträge vor voreiliger Kommentierung aufmerksam lesen!

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Habe ich den Eindruck erweckt, ich wäre für Zensur, oder ist dein Beitrag eher allgemein auf die hier zur Diskussion gestellte Zensur gemünzt?

Um das noch einmlal klar zu stellen: Ich bin dafür, dass sozialen Netzwerken verboten wird, ihre Mitglieder künstlich in einer Blase zu halten.

Gruß
Andi

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Nein, nein, ich wollte nur die damit einhergehende Zensur und Meinungsmache kritisch aufs Korn nehmen. Also gar kein Widerspruch zu Ihrem Beitrag (deshalb schrieb ich auch “ebenfalls”)!