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Gendergerechtigkeit


#83

Auch die Erziehung unterliegt dem gesellschaftlichen Wandel.

In den letzten Jahrzehnten sind die Umgangsformen zwischen Eltern und Kindern egalitärer geworden. Gleichzeitig ist die Wahrnehmung der Elternrolle anspruchsvoller und schwieriger geworden. Bei allen Varianten nach sozialer Schichtzugehörigkeit und Bildungsstand der Eltern äußert sich dies in einer generellen Zurücknahme elterlicher Strafpraktiken, einer geringeren Aufsicht der Kinder und Jugendlichen sowie in einem steigenden Einfluß der Jugendlichen und Heranwachsenden auf innerfamiliale Entscheidungsprozesse (vgl. Peuckert 1999, S. 137 f). Insgesamt ist im Erziehungsbereich ein Rückgang konventioneller Normen der Einordnung, wie Disziplin, gute Umgangsformen und Achtung, festzustellen. Auf der anderen Seite nehmen Autonomiewerte, wie persönliche Selbständigkeit, eigene Urteilsfähigkeit und Selbstbewußtsein, zu. Zum Ausdruck kommt dabei ein Schwinden des prämodernen Wertes der Autorität. Das erzieherische Verhältnis verliert sein hierarchisches Gefälle und tendiert zu einer zunehmend partnerschaftlichen Beziehung (vgl. Herzog, Böni & Guldimann 1997, S. 60). (Stangl, 2019).

https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/ERZIEHUNG/Wertewandel-Erziehung.shtml (2019-02-11).


#84

Das ist eine Annahme, dass dieses Prinzip aufgeht. Nicht nur Eltern und Schule erziehen Kinder, auch das soziale Umfeld.

Aber okay, wenn die Kids von heute mal selbst AG sind, oder der Mann der sich um Familie und Kids kümmert, dann ist die Quotenregelung sowieso obsolet, weil nicht mehr soundsoviel Frauen in gehobenen Positionen sein müssen, sondern viel mehr sein werden. ( Falls das so kommen wird)
Bis dahin ist die Quotenregelung doch eine akzeptable Zwischenlösung.


#85

Und genau das sehen viele hier eben anders. Das Problem ist dabei sich von selbst zu lösen. Warum sollte man jetzt noch eine Quotenregelung einführen, die wieder neue Probleme schafft? (Benachteiligung von kleinen Parteien / Gruppen, betonieren des 2-Geschlechtersystems)

Glaubst du man wird diese Quotenregelung in 20 Jahren einfach wieder abschaffen? Nein, dann wird genau die gleiche Diskussion noch einmal geführt werden und man muss darum kämpfen die nicht mehr benötigte Regelung wieder loszuwerden. Und Menschen wie ich, die keinen Bock haben sich auf eine Männer- oder Frauenliste zu schreiben, sind keine Gruppe, die ~50% der Bevölkerung ausmachen. Wenn wir Pech haben, werden unsere Interessen auch da wieder als “kleine Minderheit” abgetan, wie es so oft passiert.

Ich will keine unnötigen EInschränkungen, die einer fairen, gleichberechtigten Gesellschaft im Wege stehen und genau das sind Quotenregelungen.


#86

Na gut, die Quotenregelung gibt es schon lange, und das Paritätsgesetz ist ne andere Baustelle.
Schreibt es doch keine Quote vor, sondern Parität auf den Wahllisten.

Es ist in einer “perfekten Zukunft” , wo nicht nach Geschlecht unterschieden wird auch nicht nötig die Quotenregelung abzuschaffen, da sie dann obsolet ist. D.h. es werden sowieso keine Quoten mehr erfüllt, weil Frauen ohnehin auf mehr Plätzen sitzen als die Quotenregelung vorschreibt. Gleiches gilt auch für das 3. Geschlecht, gebe aber zu, dass jedes Gesetz bisher darauf keine Rücksicht nimmt, was ich persönlich verurteile.


#87

Lassen wir doch die Experten entscheiden. Ich habe es gerade getwittert.
https://verfassungsblog.de/parite-gesetz-in-brandenburg-kein-sieg-fuer-die-demokratie/


#88

Warum müssen die Quoten denn überhaupt erfüllt sein? In einer “perfekten Zukunft” spielt es keine Rolle welches Geschlecht ein Mensch hat. Dann kann ein Aufsichtsrat zu 100% aus Frauen bestehen, zu 100% aus Männern oder zu 100% aus Trans*/Inter*. Es sollte schlicht keine Rolle spielen. Solange es eine Quote zu erfüllen gibt, wird es Fälle geben in denen eine Person den Job aufgrund der Quote und nicht der Leistung bekommt. Und auch wenn das ein Fall von 1000 ist, es ist immernoch eine blöde Situation die so nicht sein sollte.

Und das ist eine Nebenwirkung, die jede Quotenregelung mit sich bringt. Eine (meistens) kleine Nebenwirkung, die gerne ignoriert wird. Ich weiß, dass das Zukunftsmusik ist und dass es heute noch durchaus Probleme gibt. Aber wie bereits gesagt: Die Probleme lösen sich gerade selbt und in 20-30 Jahren wird das Thema hierzulande vermutlich irrelevant sein. Und dann wird die Quotenregelung immernoch da stehen und unnötige Probleme verursachen und für extra Bürokratie sorgen. Das Paritätsgesetz ist da lediglich die Spitze des Eisbergs.


#89

Die feministische These ist, das wenn die Quote nicht existiert Jobs teilweise nicht aufgrund von Leistung vergeben werden, sondern auch aufgrund von Geschlecht. Die feministische These ist, das heute aufgrund von Machstrukturen inkompetente Männer die Jobs bekommen. Also: Keine Quote ist quasi eine informelle Schutz-Quote für Männer in ihren Seilschaften. Diese These kann man nur folgen wenn mensch in Betracht zieht das gesetzliche Norm und Realität voneinander abweichen können.


#90

Ich weiß das und ich kann den Punkt auch nachvollziehen. Ich sage nur warum die Quote in der “perfekten Zukunft” ein Problem darstellt.

Das tatsächliche Problem, dass Menschen zu sehr in Geschlechtern denken und dadurch Entscheidungen treffen, wirst du aber nicht mit einer Quote lösen, sondern durch Bildung, Erziehung und mit gutem Beispiel vorangehen.


#91

Jo, es gibt sicher bessere Mittel als die Quote. Es ist aber imo ein spürbarer Unterschied, ob man die Quote ablehnt, weil man andere Mittel und Wege bevorzugt oder für besser oder umfassender hält (darüber streiten ja auch feministische Frauen hefitg untereinander) oder ob man die Quote ablehnt, weil man behauptet es existiere überhaupt kein Problem, bzw. sogar das ganze umdrehen will und Männer zum eigentlich unterdrückten Geschlecht stilisiert. Das wir in der Piratenpartei beides haben, erschwert die Debatte um (Gender-)Gerechtigkeit enorm.


#92

Das stimmt natürlich. Vor Allem da die Leute die irgendwo in der Mitte stehen leicht in eins der beiden Extreme geschoben werden. Ich versuche in Diskussionen oft erstmal die Basics zu klären, damit jeder weiß wo die Anderen stehen. Fakten sammeln, grundsätzliche Probleme klären. “Worum gehts eigentlich?”

Und im Zuge dessen mal meine klar formulierte Position:

  • Ja, es gibt eine Ungleichbehandldung nach Geschlecht.
  • Nein, eine Quote ist nicht die richtige Lösung (zu viele Nebenwirkungen).
  • Bildung, Erziehung und mit gutem Beispiel vorangehen bringen mehr.

Mich würde interessieren, wie ihr dazu steht.

Erfahrungsgemäß hilft dieses Runterbrechen der Position auf die Basics sehr bei der Diskussion, weil man sich eben nicht dauernd an Details und Formulierungen aufhängt.


#93

OK, vielleicht hast du Recht. Das kann nur die Zukunft zeigen.
Aber heute ! Haben wir die Ungleichbehandlung und Benachteiligung. Ich finde man sollte heute was gegen die Probleme von heute unternehmen.
Es ist Fakt, dass diese existieren, es ist Spekulation ob diese jemals von alleine verschwinden.


#94

Dann bekämpf die Ursachen, nicht das Symptom. Ja es wird Zeit brauchen, wir werden nicht von jetzt auf gleich alles ändern können, aber dafür wäre diese Änderung nachhaltiger.

Zum Thema Spekulation: Der Anteil der Frauen im Deutschen Bundestag ist bis 2017 stetig angestiegen. Bei der letzten Wahl gab es zum ersten mal einen signifikanten Abfall, der sich quasi vollständig durch die AfD begründen lässt. Dadurch lässt sich zumindest, dass wir auf einem guten Weg sind - sobald wir die AfD wieder los sind. :wink:


#95

Also Gesellschaftliche Veränderungen gehen in der Regel von Eliten aus.
Eine dieser Eliten sind die demokratisch gewählten Repräsentanten der Bürger in den Parlamenten.
Dies führt zu dem Weg den Wandel per Gesetz zu unterstützen.
Gesellschaftlicher Wandel ist etwas langsames und dauert in der Regel mehrere Generationen.

Tatsache ist, dass stand heute die Gleichberechtigung noch nicht in der gesamten Gesellschaft akzeptiert ist. Ob eine Quote hier hilft kann man diskutieren, in moderneren Parteien funktioniert die Frauenförderung auch ohne Quote. Das greift aber erst wenn die Frauen in der Politik angekommen sind. Die Mitgliederzahlen von Frauen bei den Parteien zeigt das Defizit deutlich.


#96

Ja, wie gesagt, ich sage nicht das du falsch liegst. Die Bekämpfung der Ursachen dauert Jahrzehnte. Die Quotenregelung greift sofort.
Sehe es doch als Ergänzung deiner ( eurer ) Überzeugung, nicht als Feind eurer Überzeugung…
Manchmal muss man die Symptome zusätzlich zu den Ursachen bekämpfen.
Gerade dein Beispiel mit der AfD zeigt, dass es durchaus noch erhebliche Strömungen für ein traditionelles Rollenbild gibt.
Und so leid es mir tut, als bekennender anti Afd’ler, ich glaube die bekommen wir nicht mehr los. Populismus Rules, leider


#97

Da stimme ich zu, aber man muss auf die Nebenwirkungen achten. Beim aktuellen Paritätsgesetz sind die zu hart, da waren wir uns glaub ich einig.

Es gilt immer den Nutzen vs. die “Kosten” abzuwägen. Vor 100 Jahren wäre ich absolut für eine Quote von sagen wir 33% Frauen in der Politik gewesen. Da war das Problem groß genug um einen derartigen Eingriff zu rechtfertigen.

Bei 40% Frauenanteil im Brandenburgen Landtag sehe ich zwar immernoch ein Problem, aber keines, dass einen derartigen Eingriff in das Wahlrecht rechtfertigen würde. Auch bei 30% (35% vor AfD) im Bundestag sehe ich es kritisch.

Ich versuchs mal mit einem Vergleich: Antibiotika gegen eine heftige Grippe ist sinnvoll. Antibiotika bei einem Schnupfen ist overkill. Da ist mit Ruhe uns Tee mehr geholfen. So ähnlich sehe ich die aktuelle Situation.


#98

Also ich bin selbst kein Fan von Quoten, aber du kannst die Zahlen meines Erachtens nur bedingt dafür heranziehen, dass man auf einem guten Weg sei.
Die SPD hat eine interne Quote und die Grünen und die Linken ebenso.
Das hat die anderen Parteien (CDU und FDP) in gewisser Weise auch unter Zugzwang gesetzt, verstärkt Frauen zu fördern, um nicht als Männerclub zu gelten.
Inwieweit sich dies ohne die Quote in der SPD (seit 1988) den Grünen (seit 1983) und DieLInke so entwickelt hätte, ist meines Erachtens reine Spekulation.


#99

Sorry wenn das jetzt ein wenig Off-Topic wird.

Echte Grippe und Schnupfen sind Virenerkrankungen da sind Antibiotika wirkungslos.

Durch Bakterien hervorgerufene grippale Infekte, könnten mit Antibiotika behandelt werden, es ist aber außer bei Risikogruppen unnötig.


#100

Schlechtes Beispiel meinerseits, danke für die Korrektur ^^


#101

:roll_eyes: Ich bin offen für Kritik über falsche Kausalitätsanahmen oder Logikfehler. Ich finde aber irwelche metaphysischen Diskussionen über Gendergerechtigkeit nicht zielführend. Das müssen die Individuen selbst aushandeln bzw. in jeder Beziehung wird das doch neu augehandelt.

Politische Systeme, wie eine repräsentative Demokratie, können weitgehend logisch und kausal strukturiert werden. Menschliche Beziehungen und Identitäten sind jedoch WECHSELWIRKUNGEN, welche nicht kausal erklärt werden können. Wie soll man also über ein Thema diskutieren, welches nicht kausal erklärt werden kann? Der Mensch will doch nicht, dass seine Beziehungen kausal erklärt und festgelegt werden, dass wäre doch eine Einschränkung der Freiheit, Zu was führt also diese ganze Diskussion?


#102

OK. Welches Medikament würdest du vorschlagen um jetzt ! Nicht in Jahrzehnten etwas gegen die Benachteiligung zu unternehmen.
Quote ist es nicht, was schlägst du vor ?
Ich meine jetzt nur die Quotenregelung, nichts von wegen Paritätsgesetz.