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Gendergerechtigkeit


#41

Fortschrittlich war das so um 1970.
Inzwischen sind wir doch schon viel weiter.

z.B. da:

Auch heute noch sind die Formen der politischen Arbeit, also die Organisationsstrukturen sowie die Versammlungs- und Kommunikationsstile, männlich geprägt, und über die Definition politischer Probleme bestimmen gleichfalls vorrangig Männer. Wenn Frauen sich in diesem Politikfeld engagieren, dann müssen sie sich folglich nach Regeln richten, die ihnen weitgehend fremd sind und die mit ihrer Lebenswirklichkeit nur wenig zu tun haben.[17]

Insofern kann es nicht verwundern, dass Frauen im Vergleich zu Männern den Parteien eher fern bleiben, sondern darüber hinaus auch eine geringere Bereitschaft zur Übernahme eines politischen Amtes zeigen (Frauen: 14 %; Männer: 24 %)[18] und zudem stärker als Männer eine völlig neue Partei zur Vertretung ihrer Interessen begrüßen würden (Frauen: 34 %; Männer: 26 %).[19] Alarmierend ist zugleich, dass diese Geschlechterdifferenzen in der jungen Generation der unter 35-Jährigen jeweils noch wesentlich ausgeprägter ausfallen. Die Parteien stehen hier vor der zentralen Aufgabe, Frauen - und gerade auch junge Frauen - für ein parteipolitisches Engagement zu motivieren und ihren jeweiligen Partizipationswünschen organisatorisch wie inhaltlich entgegenzukommen.
Angesichts der Tatsache, dass in allen Parteien der politische Nachwuchs nahezu völlig fehlt, ist diese Aufgabe umso dringlicher.
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#42

Ich schlage vor du machst einen entsprechenden Vorschlag für die Satzung der Piratenpartei Brandenburg. Die darf sich eine Quote geben oder Regeln wie sie Listen aufstellt.

Der Gesetzgeber ist da weniger flexibel.


#43

Wenn etwas schwach ist kann man es durch aufbauende Verbesserungs-Vorschläge besser machen. Man muss dann keine Energie verschwenden. Und sich gegenseitig zu nerven.


#44

Jo, steht zwei Posts drüber.

Darüberhinaus hast du vergessen deine Behauptung “die Wahlrechtsgrundsätze einer freien, allgemeinen und gleichen Wahl aufzuheben?” irgendwie zu stützen.

Zum Rest: Wenn du dazu nichts hören willst, fang halt erst garnicht damit an.


#45

Nimm einfach zur Kenntnis, dass die Veränderungen so rasant sind, daß Menschen im Alter von 100 Jahren, 90, 80, 70, 60, 50, 40, 30, 20 eine andere Erfahrung mit patriarchalischen Traditionen in Deutschland gesammelt haben.
In der Regel wird dieses Bild von den Eltern geprägt.
Wenn man dann auch noch bedenkt, welches veränderte Schulsystem diese Eltern durchlaufen haben, kann es, je nach Alter und Bildungshintergrund, zu völlig unterschiedlichen Wahrnehmung des patriarchalischen Modells kommen.
Es gibt da auch sehr unterschiedliche Ausprägungen.

Früher war die Ohrfeige vom Lehrer oder Pfarrer hinzunehmen, 5o Jahre später bewegt sich das auf einem ganz anderen Niveau.
Sinnvolle Veränderungen nicht wahrzunehmen und auf numerische Größen zu reduzieren, funktioniert nicht.
Bleibt die Frage, ob diese Veränderungen durch Quoten herbeigeführt wurden.


#46

Ich nehme an, da war irgendwo ein Bezug zum Thema, oder zu meinem Post, der die aktuelle Ungleichbehandlung von Mann und Frau betrifft, versteckt.

Wenn nicht, ist es mir aber auch egal.


#47

Die Brandenburger benötigen keine Vorschläge von mir. Wenn sie meine Kritik verstanden haben und im Kern akzeptieren, können sie das Umsetzen selbst leisten. (Soviel Vertrauen muss sein)


#48

Interessanter Vorschlag mit der Arbeitsgemeinschaft „Frauen in der Piratenpartei“. Da würde sich manches ändern. In der Satzung kann noch so oft stehen „alle Mitglieder der Piratenpartei sind „Piraten“; solange die Grammatikregeln der deutschen Sprache gelten, sind Frauen in der Piratenpartei keine Piraten, sondern Piratinnen. Denn DER Pirat und DIE Piraten, sind rein maskulines Genus, im Gegensatz zu DIE Piratin und DIE Piratinnen. Neutral ist lediglich die Bezeichnung DAS Mitglied.

Man kann Postgender beschwören oder beschließen, das ändert die Lebensrealität nicht. Und die ist nunmal zu weiten Teilen durch den Geschlechterkampf bestimmt.


#49

Na gut, wir haben unser Programm noch nicht ganz umgesetzt, aber wir haben kund getan, wohin wir wollen. Schadet ja mal nichts, zumindest im persönlichen Umfeld damit anzufangen.


#50

Diese Aussage ist schlicht und ergreifend falsch. Gerade wenn Du nach der deutschen Grammatik gehst, in welcher die Stammform Plural alle Menschen bezeichnet, sind sowohl alle Frauen, alle Männer, alle Inter* und alle Non-Binary Mitglieder der Piratenpartei Piraten.

Lieber ujo lese Dir mal bitte diesen Artikel durch, um Dein sprachwissenschaftliches Verständnis auf den Stand der Zeit zu bringen:


Mit der “Stammform Plural”/“Multiples Utrum”/“generisches Maskulinum Plural”/“Standardgeschlecht Plural” oder welche Bezeichnung Du für die grammatikalische Form des Wortes “Piraten” auch immer verwendest, sind stets alle Geschlechter gemeint. Sowohl Frauen, Männer, Trans, Inter*, Non-Binary, alle sind mit dieser Form gemeint.

Ich zitiere mal aus dem Artikel(Welchen Du dir hoffentlich so oder so ganz durch ließt):

Eine Endung zur Bezeichnung weiblichen Lebendigens hatte man selbst im Althochdeutschen noch nur in ganz besonderen Spezialfällen angehängt, zum Beispiel bei „Freund-in“, wenn es sich um eine ganz besondere Freundschaft handelte, eine Liebschaft zu einer Frau. Diese erweiterte Form des Grundwortes erweitert die Bedeutung des Wortes auf die besondere Bedeutung, dass es sich explizit um jemanden weibliches handelt (und dass Liebe im Spiel ist). Nach und nach wurde diese Endung auch auf mehr Worte übertragen.
Der Umkehrschluss ist jedoch falsch. Das urspüngliche Rumpf-Wort „Freund“ behält seine Bedeutung bei und lässt weiterhin keinen Rückschluss auf das Geschlecht der Person zu (durch die Erfindung des Wortes „Autos“ ändert sich die Bedeutung des Wortes „Auto“ nicht). Wollte man ein Wort, das explizit einen männlichen Freund beschreibt, so müsste man wohl eher auch eine speziell männliche Endung einführen und dem Stammwort anhängen. Also zum Beispiel „Freund-us“ oder so. Das ist bisher nicht geschehen.

Kleine Anmerkung zum letzten Satz: es gibt tatsächlich vereinzelt altdeutsche Texte, in welchen, dem Lateinischen und dem Germanischen folgend, eine explizite männliche Form von Worten mit der Endung -us enthalten sind. Also Bäckerus, Freundus, Schusterus et cetera um explizit auf ein männliches Geschlecht hinzuweisen. (Das ist zumindest die Aussage von einem Sprachwissenschaften Professor an meiner Universität, welchen ich dazu gefragt habe.)


#51

Was ich bei solchen Aussagen immer nicht verstehe. Glaubt ihr wirklich dass es keinen Männerkampf gibt, sprich, dass sich Männer nicht gegenseitig bekriegen?

Und wenn ich so auf meine Lebenserfahrung zurückschaue, ist es bei Frauen untereinander auch nicht anders.

Gruß
Andi


#52

Genau, das ist der Punkt. Ich würde sogar behaupten, dass die Geschlechter untereinander mehr konkurrieren, als gegeneinander. Deswegen war mir dieser ganze extreme Feminismus, welcher künstlich einen Geschlechterkampf erzeugt, schon von Beginn an ziemlich suspekt.

Man kann das glaube ich am Besten unter die Stichworte Handel und Wettbewerb fassen. Wenn zwei Anbieter mit dem selben Produkt auf dem Markt sind, gibt es einen Wettkampf bzw. einen sog. “Verdrängungswettbewerb”. Wenn zwei Anbieter mit unterschiedlichen Produkten auf dem Markt sind, gibt es Handel. Übertragen auf die Geschlechter bedeutet das, zwei Personen des gleichen Geschlechts tragen einen Wettkampf aus, zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts betreiben Handel.


#53

Also ich freu mich ja das es sowas mal wieder zu lesen gibt. Ich empfehle zur ergänzenden Betrachtung:


#54

danke, Jona_Bab für den sprachwissenschaftlichen diskurs. sehr interessant und nachdenskenswert! eine frage stelle ich mir trotzdem:

warum hilft mir der elfenbeinturm der wissenschaft so wenig, wenn es um (sprach-)gesellschaftliche realität und (sprach-)politisches handeln geht?
sprich: ein wissenschaftliches seminar ist etwas anderes als gesellschaftliches wirken durch eine politische partei… oder liege ich da falsch?


#55

“Geschlechterkapmf” ist eher wie “Klassenkampf”.

Dag gehts nicht um “Hahnenkämpfe”…
Ist vllt bißchen wie “Wetter” und “Klima”…


#56

Kommt auf das Niveau der Partei an.
Manche Parteien ignorieren wissenschaftliche Ergebnisse und Unteruchungen komplett.
Die wirken dann zwar, aber das Ergebnis …


#57

Ich denke, die Piraten handeln genau richtig.
Ich bin, zumindest sehe ich das so, eine fortschrittlich denkende Frau. Und ich bin entschieden gegen Quotenregelungen. Und das hat auch gute Gründe. Mein Arbeitgeber hat sich schon weit vor der Aufsichtsratsquote eine Quote für weibliche Führungskräfte selbst auferlegt. Es wurden Spezialschulungen nur für Frauen eingeführt, etc. pp…
Die Folge ist: Ja, wir haben jetzt vor allem auf der untersten Führungsebene deutlich mehr Frauen. Aber alle diese Führungskräfte müssen jetzt gegen das Klischee der Quotenfrau ankämpfen. Auch die, die es ohne Quoten bereits geschafft hatten.
Wichtiger als irgendwelche übergestülpten Quotenregelungen sind meines Erachtens Maßnahmen, die den gesellschaftlichen Wandel weiter voranbringen. Dazu gehört für mich, dass gängige Rollenbilder immer wieder hinterfragt und aufgebrochen werden müssen. Hier sehe ich vor allem Schulen und Kindergärten in der Pflicht. (Die Eltern selbstredend auch, aber auf deren Erziehungmethoden hat der Staat keinen Einfluss)
Bei meinen beiden Kindern (beide im Kindergarten) erlebe ich aber das Gegenteil. Meine kleine Tochter ist von ihrem Wesen her ein typisches Mädchen und wird in genau diesem Rollenverhalten extrem bestärkt.
Die große ist vom Wesen her völlig anders. Mit 2 Jahren war ihr bester Freund ein Roboter :grinning:, sie liebte Fußball und Autos und interessierte sich nicht die Bohne für ihre Kleidung. Dann kam der Kindergarten und seitdem wird sie umgepolt. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich. Wenn alle Mädels, die mit einem Kleid oder Rock in den Kindergarten gehen, doppelt so freundlich begrüßt werden und genau dafür besonders viel positive Aufmerksamkeit bekommen, wollen die irgendwann nur noch im Kleid dorthin gehen.
Da muss angesetzt werden.


#58

Ich halte von dem Verweis auf wissenschaftliche Ergebnisse sehr viel. Sie sind fundamental für die Meinungsbildung.

Wenig halte ich jedoch davon, den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu setzen um Meinungen zu manipulieren.
Nehmen wir mal den von @jona_bab mit folgenden Worten zitierten

Blog.

Wenn man sich den Blog und die Vita des Autors anschaut, wird man schnell feststellen, dass er sich nach seinem eigenen bekunden beruflich nicht mit Sprachwissenschaften beschäftigt.
Also ist es scheint es wohl eher eine Hobby oder Leidenschaft für Sprache zu sein.
Der Artikel könnte dann zumindest noch Zusammenfassung des Stand der Wissenschaft enthalten
Die dortigen Ausführungen sind sicherlich interessant zu lesen, verweisen leider auf fast immer nur auf eine einzige Quelle, die ebenfalls keine weiteren Quellen angibt - und Videotutorials darstellen.
Weder der verlinkte Blog noch die Primärquelle können ein sprachwissenschaftliches Verständnis auf den Stand der Zeit bringen. Dazu bedarf es Auseinandersetzung mit der verschiedenen sprachwissenschaftlichen Ansätzen.
Es ist also keineswegs der Stand der sprachwissenschaftlichen Ansätze zum Thema geschlechtergerechter Sprache. Wo wir wieder bei dem alten Thema Medienkompetenz zu sein scheinen. Aber das ist hier off topic

In Hinblick auf die Verwendung von geschlechtergerechter Sprache halte ich mich persönlich gerne an die Vorgaben des Rechtsreibrates, der die Fortentwicklung der deutschen Sprache im deutschen Sprachraum beobachtet und aufnimmt.
Hier die Stellungnahme des Rechtschreibsrates aus November 2018 bezüglich der geschlechtergerechten Sprache.

http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf
http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_2018-11-28_anlage_3_bericht_ag_geschlechterger_schreibung.pdf


#59

Die Genderforschung hat gezeigt, dass es ohne Quoten nicht geht. Das hat sich mittlerweile herum gesprochen. Es gibt mittlerweile etliche Spitzenfrauen, die mit Stolz von sich sagen: ohne Quote hätte ich mich gegen die Männseilschaften niemals durchgesetzt, wie gut ich auch gewesen wäre. Es geht nämlich wie in der Kita auch nicht um Qualität, sondern um Macht.


#60

Nun, ich gebe dir insoweit Recht, dass aus der Vita des Bloggers nicht hervorgeht, ob er einen sprachwissenschaftlichen Background besitzt. Falls doch, gehe ich davon aus, dass sich dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit relativ am Anfang seines Studiums befindet, sonst hätte er seine Aussagen sicher stärker mit Studien, Arbeiten, Büchern und Querverweisen belegt.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass die angesprochenen sprachwissenschaftlichen Konzepte, wie u.a. die Ikonizität in der Sprache, in jedem sprachwissenschaftlichen Standardwerk zu finden sind.

Ich habe mich mit einem Professor aus der sprachwissenschaftlichen Fakultät meiner Uni ausführlich über diesen Blogtext unterhalten, welcher bis auf den einen Punkt

keine inhaltliche Kritik zu äußern hatte und mit den Aussagen des Blogartikels übereinstimmte.

Das erste Dokument bildet einen offiziellen Beschluss des Rechtschreibrates ab und dieser ist in meinen Augen begründet und sinnvoll. Des Weiteren widerspricht er in keinster Weise sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen.
Aus besagtem ersten Dokument zitiere ich einmal folgendes:

Geschlechtergerechte Texte sollen

  • sachlich korrekt sein,
  • verständlich und lesbar sein,
  • vorlesbar sein (mit Blick auf die Altersentwicklung der Bevölkerung und dieTendenz in den Medien, Texte in vorlesbarer Form zur Verfügung zu stellen),
  • Rechtssicherheit und Eindeutigkeit gewährleisten,
  • übertragbar sein im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts-und Minderheitensprachen,
  • für die Lesenden bzw. Hörenden die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen.

Das sind alles Punkte in welchen die Ikonizität der Sprache begründet liegt; denn eine Verlängerung der Standardform und eine Verkomplizierung dieser:

  • macht Sprache weniger verständlich,
  • macht Sprache schwerer und langsamer lesbar,
  • zerstört den Sprachfluss und die Sprachgeschwindigkeit
  • verwirrt in der Umgangssprache
  • macht Schrift schwerer vorlesbar
  • vermindert die Eindeutigkeit der Sprache,
  • erschwert das Lernen der Sprache für Fremdsprachler deutlich
  • kontradiktiert für die Lesenden bzw. Hörenden die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen

Das zweite Dokument ist kein offizieller Beschluss des Rechtschreibrates, sondern Teil einer gesonderten Arbeitsgruppe namens AG „Geschlechtergerechte Schreibung“. Diese ideologisch geprägte Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit, wie Sprache nach ihren Vorstellungen angepasst werden könnte, um den Bedingungen ihrer Ideologie gerecht zu werden. Das ist zunächst einmal weder abzulehnen noch zu befürworten. Es gibt in der Bundesrepublik tausende Arbeitsgruppen, welche sich zusammenfinden, um irgendetwas ihren Ideen entsprechend zu erarbeiten. Mit Sprachwissenschaft selbst, hat das allerdings wenig zu tun.