Energie Subventionen

Wenn die erneuerbaren Energien so rentabel sein sollen, wieso müssen sie, z.B. durch EEG-Umlage und CO2-Bepreisung, derart hoch subventioniert werden?

Der feine Unterschied besteht darin, dass PV und Wind NICHT vom Steuerzahler subventioniert werden, im Gegensatz zu Kohle und Atom.

Der Stromkunde trägt die Kosten der Einführung erneuerbarer Energien selbst und subventioniert gleichzeitig die Stromkosten der Industrie.
Zudem darf man nicht einseitig nur den Strompreis berücksichtigen, den der Endkunde zahlt.
Wer heute eine PV-Anlage auf das Hausdach oder die Garage baut, hat die niedrigsten Strompreise Europas.
Der Supermarkt-Kunde zahlt weniger für seine Tiefkühlprodukte, da die Supermärkte billig ihren Strom vom eigenen Dach beziehen.
Noch billiger wird es, wenn das Windrad und die PV-Anlage länger Strom liefert, als vorgesehen. Dann kostet der Strom so gut wie Null.
Muß man erst mal mit Kohle oder Atom hinbekommen.

Die EEG-Umlage von heute 6,8 Cent ist nunmal eine Investition, die einige Jahre getätigt wird, damit mittelfristig eine günstigere Energieversorgung möglich ist.
Und das völlig unabhängig davon, dass bei der Beibehaltung von Kohle und Öl gigantische Investionen nötig wären, um den CO2-Ausstoß minimal verringern zu können.

Entscheidend ist doch nicht das Preisschild von Eon und RWE, sondern zu welchem Preis in Deutschland der Kunde seinen Strom durchschnittlich bezieht und mit welchen Beträgen die Kohle- und Atom-Industrie den Staatshaushalt belastet.

Darf ich mal an den deutschen Kohlepfennig zur Subventionierung der Steinkohle erinnern.

Da steht aber auch drin, dass es nach stolzen fckng 21 Jahren als verfassungswidrig abgeschafft wurde. Etwas nicht als Steuer zu bezeichnen, was faktisch eine indirekte Besteuerung ist, ist mMn Trickserei am Bürger und Rosinenpickerei des Staatsapparates. Faktisch ist z.B. auch der Rundfunkbeitrag und der Sozialversicherungsbeitrag so etwas wie eine Steuer, da man kaum daran vorbei kommt es nicht zu bezahlen. Wieso etwas also nicht als Steuer bezeichnen, was sehr große Ähnlichkeit mit einer Steuer aufweist? Faktisch sind Beiträge sogar oft ungerechter als Steuern, da es Mindestbeiträge gibt und sie nicht nur prozentual vom Einkommen abhängen.

Und zum Strompreis: Ich habe gestern “Anne Will” laufen gehabt und da kam raus, dass die Bundesbürger im EU-Vergleich seit 20 Jahren die höchsten Strompreise im EU-Vergleich zahlen und sich der Strompreis seit 2000 verdoppelt hat, was vorallem Geringverdiener auf Dauer ziemlich zu schaffen macht.

Das geht so: Die Stromproduzenten haben Stromabnehmer (vulgo Kunden) .
Die Abnehmer sind Staatlich oder Kommunal, Privat oder privatwirtschaftlich.
Bei den privatwirtschaftlichen Kunden gibt es Kleinkunden und Großkunden.
Malermeister Klecksel ist Kleinkunde, Pixelschubser Frontline auch.
Audi oder BMW oder Kraus-Maffei sind Großkunden.
Jetzt teilt man die Stromkosten so auf, dass die Privaten -, Kommunalen - und Kleinkunden den größten Teil der Stromkosten tragen und die Großabnehmer den größten Teil des Stromes kostenlos bekommen. Das ist Win Win im real life. So wird man Exportweltmeister - das ist die lautlose Eroberung. Erst an dem Tag, wo die Troika kommt wird schlagartig klar, dass damit wirklich keiner rechnen konnte… so ein Zufall aber auch.

Oder irgendein Gericht 20 bis 40 Jahre später entscheidet, dass es rechts-/ bzw. verfassungswidrig gewesen ist…

und wen juckt das?
Die Vorteile die dadurch entstanden sind kann man nicht mehr rückgängig machen. Gambit

Auch das hat System. Bis zur Feststellung, dass es verfassungswidrig ist, läuft alles wie gewünscht. Die Verfassungsklage ist ja nicht mal eben schnell eingereicht und die V-Richter werden von den Abgeordneten des Bundestages und des Bundesrates selbst gewählt. Die Parlamente wählen also die Richter, die die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze die von Bundesrat und Bundestag verabschiedet werden …

Übertragen auf den Fußball: Die Heimmannschaft darf den Schiedsrichter auswählen.

Welche Vorschläge hatte denn Frau Will, dies zu ändern?

Sollen wir den Strompreis um 5 Cent/kwh senken und im Gegenzug möge der Staat 15 Cent an die Steinkohleindustrie zahlen, damit die wieder Bergbau betreiben können,
oder den Atommüll die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte einlagen können,
oder für die 15 Cent/kwh Bäume pflanzen?

Es ist doch völlig weltfremd behaupten zu wollen, wieviel denn eine kwh Atomstrom oder Kohlestrom volkswirtschaftlich kostet, wenn die Kosten für den Strom, den wir in den 70er/80er/90er erzeugt haben, noch gar nicht bezahlt ist und erst noch anfällt.

Es sollte ein erheblich größerer Beitrag in die Forschung und Entwicklung von Kernkraft, Kohlekraft etc. gesteckt werden und die Energiewende solange aufgeschoben werden, bis die Forschung und Technik soweit ist, möglichst umweltfreundliche Kraftwerke zu produzieren. Ich bin dagegen etwas auszubauen, dass besser investiert sein könnte, wenn mehr geforscht und entwickelt würde.

Ansonsten steckt man in eine bestimmte Technologie so viel Geld, dass es kaum mehr möglich ist, in etwas anderes zu investieren und sich somit anderer Möglichkeiten beraubt.

Zusammengefasst: Mehr Investitionen/Subventionen in die Forschung und Entwicklung und weniger oder keine Subventionen in die Energiewirtschaft.

Warum denn nicht?
Man muß dann nur den aktuellen Strompreis um weitere 20 Cent erhöhen, damit man die Schäden beseitigen kann, die durch die verzögerte Energiewende entstehen.

Wer neue Technologie in der Energiewende will, der muß sie halt auch bezahlen wollen und nicht auf den Steuerzahler abschieben.

Wer hindert die Industrie und den Stromkunden Milliarden in einen Top einzuzahlen, der etwas Neues erforscht, während parallel Wind, PV und Speicher ausgebaut werden, um die Stromentstehungskosten zu senken?

Der jetzige Zubau von Wind, PV und Speicher wird doch kaum mehr subventioniert.
Die EEG-Umlage wird doch in den nächsten Jahren kaum steigen, da die Einspeisevergütungen kontinuierlich zurückgehen.
Problematisch ist doch eher, dass viele ihre eigenen Strom erzeugen werden und sich dann weder an der Finanzierung der öffentlichen Stromversorgung beteiligen, noch an der Subventionierung der Kohle- und Atomindustrie, noch an der Finanzierung der Straßen.

Deswegen bin ich ja für die Subventionierung der Forschung und nicht für die Subventionierung der Wirtschaft. Eine Subventionierung der Wirtschaft führt in der Regel zum mehr Privatisierung, während die Forschung und Entwicklung die von öffentlicher Hand finanziert wird, meist der Allgemeinheit zu Gute kommt.

Außerdem vermischt du hier aus meiner Sicht Infrastruktur und Energiewirtschaft. Straßen und Stromnetze sind Infrakstruktur, Kraftwerke und Transport von privaten Gütern sind Privat.

Zusammengefasst: Die Energieanbieter sind bereits jetzt in der Mehrzahl private Unternehmen, wie RWE, E.ON, Vattenfall und NICHT öffentlich. Wieso sagst du nichts dagegen bzw. wieso macht es für dich einen so großen Unterschied, ob ein privater Haushalt seinen Strom mithilfe öffentlicher Subventionen selbst produziert oder ob ein privates Unternehmen den Strom für mehrere private Haushalte mit Hilfe von öffentlichen Subventionen erzeugt?

Mit Absicht, da die Infrastruktur mehr oder weniger von den Nutzern bezahlt wird.
Eine E-Auto zahlt keine Mineralölsteuer und beteiligt sich mehr oder weniger am Netzausbau und am EEG, je nachdem ob öffentlicher oder privater Strom verwendet wird.
Gleiches gilt natürlich auch für alle, die selbst erzeugten Strom nutzen.
Die Stromkosten sind für diese Unternehmen und Privatpersonen nunmal günstiger, als wenn sie öffentlichen Strom beziehen, dessen Preis Frau Illner als Vergleich herangezogen hat.
Gleiches gilt für Industriekunden, die Strom zum aktuellen Marktpreis an der Börse einkaufen.

Das EEG ist ein Umlageverfahren, an dem sich die Stromkunden solidarisch beteiligen, um Strom mithilfe erneuerbaren Energien dezentral erzeugen zu können.
Der Staat und danit der Steuerzahler hat sich an dieser Umlage nicht beteiligt, im Gegensatz zu Atom und Kohle.
Bei Atom und Kohle übernimmt der Staat sogar die Haftung für die Folgeschäden und wälzt sich auf alle Steuerzahler um.

Betrachtet man die beiden im Bau befindlichen neuen Atomkraftwerke in Frankreich und England, dann befindet sich das Unternehmen in staatlicher Hand und damit liegen alle Risiken, etwa bei Baukostenüberschreitung beim Staat und nicht beim Stromkunden.

Ansonsten ist dieser Atomstrom um ein Vielfaches teuerer, als etwa der Offshore-Windparkstrom in England.

Insofern liegt Frau Illner falsch, aus den Preisen der Vergangenheit auf die Entstehungskosten in der Zukunft schließen zu wollen.

Vergleicht man den Preis für die Pferde mit denen der ersten Lokomotiven und der Notwendigkeit der Verlegung der Schienen, kommt man natürlich zu dem Ergebnis, dass es günstiger ist, beim Pferdetransport zu bleiben.
Auf dem Niveau bewegt sich nunmal die Sendung der Frau Illner.

Der entscheidende Punkt ist doch, kann man Energie oder zu Lasten der Allegemeinheit erzeugen bzw. ohne das die Allgemeinheit irgendwelche Folgerisiken abdecken muss. Ob nun erneuerbar oder konventionell, meiner Meinung sind überall Risiken gegeben, welche die Allgemeinheit bzw. Solidargemeinschaft abdecken muss. Und der eigentliche Punkt ist doch, dass Geringverdiener weder von selbsterzeugten Strom profitieren, da sie sich kein Eigentum leisten können, noch von den hohen Strompreisen, welche zu den hohen Wohn- und Mietkosten mitbeitragen.

Meiner Meinung nach ist die Energiewende, indem die einzelnen Bürger die Risiken der Energieerzeugung selbst und eigenverantwortlich tragen sollen, ein stückweit neoliberal, denn die Solidargemeinschaft bzw. der Staat soll ja weniger Last tragen bzw. von der Last der Folgerisiken entbunden werden.

Zusammengefasst: Meiner Meinung nach ändert sich dadurch, dass mehr Bürger ihren Strom selbst erzeugen, nur insofern etwas das die Profite der Energieerzeugung breiter verteilt werden und nicht mehr nur einzelnen Aktienbesitzern von Großkonzernen zu Gute kommen. Die Risiken, ob die Stromerzeugung nun breit oder zentral verteilt werden, sind mMn nicht geringer, sondern nur breiter gestreut.

Die Beurteilung, ob Atom und Kohle höhere Risiken darstellen, als PV, Wind und Speicher delegiere ich an die Bevölkerung. Wer sich daran abarbeiten möchte der Bevölkerung zu erzählen, dass Atom und Kohle eine geringeres Risiko darstelle, der möge dies tun.

Fordert überhaupt niemand, es werden nur Anreize geschaffen privat in erneuerbare Energieerzeugung zu investieren, damit der Preis für diese Erneuerbaren fällt.
Die damit verbundenen Preissenkungen kommen allen weltweit zu Gute, womit man dann weltweit mehr CO2 einsparen kann, als nur in Deutschland.
Um mal das Argument zu entkräften, der Anteil Deutschlands am CO2-Ausstoß sei viel zu gering, um etwas weltweit verändern zu können.
Ein vietnamesischer Stromerzeuger rechnet nunmal aus, auf welche Art und Weise er am günstigsten Strom erzeugen kann. Wenn das Ergebnis Erneuerbare ist, dann baut er Erneuerbare, völlig unabhängig, welche historische Zahlen im deutschen Fernsehen verbreitet werden.

Er profitiert indirekt über die volkswirtschaftlich ausgelagerten Stromkosten bei ALDI, Lidl, Edeka oder den Bierbrauern.

Im Augenblick ist ja so, dass die Wohn- und Mietkosten über die CO2-Steuer steigen werden und der Öl- und Gaspreis hängt ja primär vom Wohlergehen der Frackingindustrie und der öl- und gasproduzierenden Länder ab.
Da würde ich jetzt mal nicht davon ausgehen, dass aufgrund der Klimasituation es eine gute Idee ist, darauf die Zukunft aufbauen zu wollen…

Ich habe mal die Beiträge, welche sich mit den Energie-Subventionen beschäftigen in ein neues Thema verschoben, scheint ja von Interesse zu sein.

Gruß
Andi
Moderator