Digitaler Wandel aus Sicht der Psychologie

Spannender Artikel, auch wenn ich vieles nicht ganz korrekt finde.

1 Like

Ja, da kann man gleich mehrere Dinge draus ziehen.

Erst mal eine Anekdote: Mein Vater, der 1982 gestorben ist, versuchte in seiner damaligen Firma, die Brennöfen baute, die Nutzung von Rechenleistung zu motivieren. Es wurde damals mit Rechenschieber, Millimeterpapier und Zirkel etc. gearbeitet. Mein Papa war einer der Ältesten, Ende 50, und hatte einen Fortran -IV-Kurs gemacht. Es eröffnete sich die Möglichkeit, Programme (mittels Lochkarten) in einem Rechenzentrum in der Nähe berechnen zu lassen. Alle Kollegen waren dagegen, nach dem Motto, so was haben wir ja noch nie gemacht. Die waren alle jünger als er. Die Firma gibt es übrigens schon lange nicht mehr. So viel zum Thema Ältere und Jüngere.

Der Artikelschreiber hat trotzdem recht, nur sind es nicht immer die Älteren, die sich gegen Digitalisierung sträuben. Ich erlebe auch Widerstände am Arbeitsplatz, und ich gehöre dort inzwischen auch zu den Ältesten.

Den einleitenden Satz des Artikels kann man auf sehr viel übertragen: “Bedenkenträger bremsen in Deutschland agiles Arbeiten aus und der Wunsch nach Stabilität verhindert stetige Veränderungen. Dieses falsche Denkmuster müssen wir rasch korrigieren und vor allem ältere Menschen mitnehmen.”

Wir sollten aufpassen, dass dieser Satz nicht auch auf die Piraten zutrifft.

3 Likes

Dem Interviewten kann ich nur zustimmen. Ich sehe das in so gut wie jedem gesellschaftlichen Feld, dass sich zuerst einmal gegen Veränderung gesträubt wird, versucht wird etwas auszusitzen, gleich komplett reaktionär zu werden und die Zeit zurückdrehen zu wollen oder Horrorszenarien an die Wand zu malen um seine eigene Position zu verteidigen und den Wandel kontrolliert in seine eigene Richtung zu gestalten. Und dann wird Deutschland seit zwei Jahrzehnten von einer konservativen CDU gesteuert. MMn beeinflusst so etwas auch das Verhalten der Menschen.

Das Deutschland nicht sehr wandel freundlich ist, ist offensichtlich. Liegt doch aber auch an der “German Angst”. Also diesen unsäglichen Sicherheitsbestreben. Wenn es nach vielen Leuten ginge würden Sie am liebsten ihr ganzes Leben den exakt gleichen Job beim gleichen Arbeitgeber machen, ist ja viel sicherer so. Andere Kulturen haben da den Vorteil das Sie Unsicherheit eben nicht primär als Gefahr sehen sondern auch als einen Raum für neue Chancen.

Das zweite wäre das in Deutschland der Anpassungsdruck sehr hoch ist. Wer mal aus der Reihe tanzt gilt schnell mal als “Bunter Vogel” usw. Da schön konform zu bleiben ist eben “Sicherer”. Beide Faktoren im Zusammenspiel sorgen dann eben dafür das nur wenig Willen zu wirklich radikaler Veränderung vorhanden ist. Sieht man dann auch an den Wahlergebnissen und daraus erwachsenden Regierungen SPD/CDU stehen ja geradezu dafür das sich nix ändert und noch sehr viel mehr die AfD die Veränderungen die passiert sind wieder rückgängig machen wollen.

Daher ist das gar nicht mal nur mehr ein politisches Problem, sondern viel mehr ein sehr tief verankertes Kulturelles Problem.

1 Like

FĂĽr mich ist das alles lauwarmes BlaBla und voller Vorurteile.

Viele Dinge der digitalen Welt sind nunmal aufgrund “Trial and Error” einfach Schrott.

Während früher Technikfeindlichkeit primär in der Angst bestand, nicht mithalten oder das Neue nicht verstehen zu können, dem die Tüftler gegenüberstanden, ist es heute die berechtigte Sorge, ein mangelhaftes Produkt vorsetzt zu bekommen, bei dem der Kunde zum Versuchskaninchen wird.
Zum Beenden den Startschalter anklicken.

Wieso soll etwas “aufgrund von” Trial und Error Schrott sein? Nur durch Trial and Error wird doch etwas besser. Es müsste wenn dann heißen, dass etwas “trotz” Trial and Error Schrott ist. Was eigentlich auch nicht sein kann, da die Fehler auch erst mal gemacht werden wollen.

Zusammengefasst: Wenn man keine Fehler machen will, wird sich auch nichts verbessern und es bleibt Schrott.

Wie lange gibt es jetzt Microsoft Windows und wieviel Geld wurde damit verdient?

Es stellt sich doch die Frage, warum so ein Konzern nicht in der Lage ist, ein funktionstaugliches Betriebssystem zu bauen.

Gleiches Google und Android.

Die ständigen und fehlerbehafteten Updates sind eine einzige Belästigung und Vernichtung volkswirtschaftlicher Ressourcen.

Nur weil jemand meint, er mĂĽsse Millionen Menschen mal was testen lassen?

Wie kann man denn Software von Microsoft oder Google in ein Auto einbauen oder Industrieprozesse damit steuern?
Es liegt doch nur daran, dass viele Amerikaner keine ordentliche Ausbildung haben und jeder mal an der Hauselektrik herumschrauben darf. Ein kleiner Sturm und es werden dank Trial und Error mal eine 100.000te vom Netz genommen.
Das ist doch in weiten Teilen Entwicklungslandstatus, der plötzlich die Norm sein soll.

Die ganze Welt schätzt europäische Produkte, eben weil sie funktionsfähig sind und nicht eine einzige Kette von Versuchen darstellen.

Ich würde dann aber sagen, dass Microsoft nicht “aufgrund”, sondern “trotz” Trial and Error keine guten Systeme entwickelt. Und das liegt vielleich auch daran, dass es kein offenes System ist.

Ich hätte nicht gedacht, dass dir ein so traditionsverhafteter Geist inne wohnt. Wenn man das weiterspinnen würde, dann dürftest du auch nicht selbst an deinem Haus oder deinem Auto rumbasteln, da du keine Handwerkersausbildung oder Kfz-Ausbildung hast. Ich habe da ein anderes Denken und bin näher am amerikanischen Modell.

Ich frage mich dann aber umgekehrt, wieso in den Medien dann meist vom “Westen” gesprochen wird und dabei der komplette europäische Kontinent inkludiert wird. Denn in diesem liberalen Sinn des Wirtschaftens unterscheiden sich die Amerikaner und auch die Engländer fundamental von den Bedenkenträgern aus Zentraleuropa.

Microsoft hat an die Softwareentwicklung lange Zeit Leute frisch von der Uni gelassen. Die haben erst bei Microsoft gelernt wie man wirklich Programme schreibt. Steve Maguire von Mircrosoft schrieb aufgrund der Erfahrung das Buch “Writing solid code”.

NatĂĽrlich kann man auch Software ohne Fehler entwickeln, aber dass kostet halt mindestens 10 mal so viel.

Aber wenn man keine Fehler machen möchte, beraubt man sich um sein Potenzial. Mir geht es um die Einstellung: “Fehler machen ist gut, nur nicht immer wieder den gleichen Fehler.” Die Einstellung der puren Fehlervermeidung ist mMn selbst ein Fehler. Dadurch, dass man immer wieder neue Fehler macht, vermeidet man alte Fehler und nicht dadurch, dass man keine Fehler zulassen möchte.

Bsp. Wenn man in einem Raum ohne Licht vorankommen will, muss man davon ausgehen, dass man sich irgendwo anstößt. Die einzige Möglichkeit in einem Raum ohne Licht nicht anzustoßen, ist wenn man nicht vorankommen möchte und einfach stehen bleibt.

Bei “Trial und Error” geht es nicht darum Fehler zu machen. Ob eine Geschäftsidee funktioniert oder nicht, weist du erst, wenn es ausprobiert wurde. Trotzdem überlegst du vorher, wie viele “Kunden” du täglich brauchst, und wenn du die nötige Menge nicht erreichst, dann gibst du das Geschäft halt wieder auf.

Ob deine Geschäftsidee von den Kunden angenommen wird oder nicht, kannst du nur raten oder ausprobieren. Aber es geht eben nicht um Fehler.

Ich habe “ausprobieren” mit “Fehler machen” gleichgesetzt und verstehe auch nicht, was der Unterschied sein soll. Denn wenn die Geschäftsidee von den Kunden nicht angenommen wird, dann war entweder die komplette Idee oder deren Umsetzung ein Fehler. Meißt ist es dann nicht die komplette Idee, sondern deren Umsetzung. Dies merkt man vorallem daran, dass man selbst nach wie vor von der Idee überzeugt ist.

Liegt daran, dass ich meine Hobby-Fachfirma erst nach 3 Monaten an die frische Luft gesetzt habe und die Hobby-Fachfirma nun mehr an mich zahlen muĂź, als sie Leistung erbracht hat.
Trial & Error kann auch zu irreparablen Schäden führen.
Hat also mit traditionsverhaftetem Geist nichts zu tun, sondern mit Schadensminimierung und FĂĽrsorge fĂĽr die Handwerker.

Jeder Software-Entwickler verifiziert und falsifiziert.
Der feine Unterschied ist, dass man inzwischen sich die Testphasen spart, weltweit Programme ausrollt und dann nur die größten Fehler nachflickt.

Ist in der Politik auch so.

Gleiches bei den Handwerkern. Man kann ja zweimal nachbessern. Ist die Wand schlechter als im Schweinestall verputzt, putzt man einfach nochmal drĂĽber.
Wenn man es aber nicht kann, putzt man dann noch einmal drüber bis der Batz so dick ist, dass man alles wieder wegfräst.

Wie geschrieben, in der Politik ist das auch so inzwischen.

Eben, das nennt sich Prosumenten. Da in der Testphase sowohl getestet wird ob das Produkt ankommt, als auch Modifizierungen angeregt durch den Nutzer durchgeführt werden. Deswegen ist Konsument ja nicht einfach nur mehr ein Konsument der ein fertiges Produkt vorgesetzt bekommt, sondern selbst Produzent der Dienstleistung und des Produktes. Im Internet bzw. bei Apps sind die Zeiten längst vorbei, als der Konsument ein fertiges Produkt vorgesetzt bekommen hat. Meine These ist, dass das in Zukunft auch mehr Auswirkungen auf die Dienstleistungen und Produkte außerhalb des Netzes haben wird.

Deswegen drängt sich ja auch so stark ein Grundeinkommen auf, da Konsument und Produzent mehr und mehr verschmelzen.