"Die westliche Gesellschaft bietet weder Sinn noch Sicherheit"

Ist die These zu provokant?

Ne, provokant wäre es zu sagen, dass große Koalitionen verboten gehören. Es sei den eine der Volksparteien wolle keine Volkspartei mehr sein. Zwei Volksparteien in der Regierung sollte eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein. Da hat es genauso wenig Geltung zu sagen, dass die SPD in der Regierung im Sinne einer vorgestellten Arbeitsteilung aus sozialen und wirtschaftlichen Fragen notwendig wäre. Das ist Humbug. Jede Volkspartei muss in der Lage sein ein vollständiges Programm anzubieten, welches ausreichende Antworten auf die drängensten gesellschaftliche Fragen gibt.

Zum Thema Sinn: Den Sinn des Lebens zu finden oder zu leben sollte jedem einzelnen Individuum selbst √ľberlassen werden oder Gemeinschaften, wie z.B. Religionen. Das ist aber keine Aufgabe von Staaten oder Gesellschaften. Insofern waren liberale Gesellschaften immer sinnvoller als diktatorische Regime, wie der Staatssozialismus. Denn es gibt Religions- und Meinungsfreiheit.

Naja, das es nicht die Aufgabe des Staates ist zu entscheiden was Sinnvoll ist und was nicht ist klar. Dennoch, das was vom Staat vorgelebt wird ist ja im grunde das vor allem wirtschaftlicher Erfolg und Konsum erstrebenswert sind. Im grunde existiert kein allgemeines Staatsziel mehr das sich an echten Idealen ausrichtet.

Gerade in Deutschland fehlt mir bei den Volksparteien SPD/CDU doch ganz erheblich die Bekentniss und Wille zum Fortschritt. Sowohl Sozial als auch Technisch. Im grunde lässt sich das doch alles auf ein es soll so bleiben wie es immer war reduzieren. Das hat dann aber eben die Folge das es den Menschen immer schwerer fällt sich mit diesem politischen System welches scheinbar nichts tut um der Verbesserung der Verhlätnisse vorschub zu leisten zu identifizieren.

Gerade den frustrierten, von denen gibt es im Osten (Verständlicherweise) eben mehr fällt es schwer sich mit einem Staat zu identifizieren welcher keine klaren Ziele verfolgt welche ihm einen höheren Sinn geben. D.h auch die flucht in das Nationalistische. Ist ja nicht nur in Deutschland so, siehe Bolsonaro, Trump, Salvini usw usw.

Das einzige Land ohne nennenswerte rechtspopulistische Kräfte ist Portugal, aber da gibt es eben eine Progessive Regierung die klare Visionen verfolgt.

Menschen sind eben im Grunde widerspr√ľchliche Wesen, einerseits brauchen Sie Freiheit und Individualit√§t aber andererseits auch Identit√§t √ľber ein Gemeinwesen. Das im Einklang zu bringen ist nat√ľrlich schwierig. Aber wenn ein Staat es vers√§umt den Menschen die M√∂glichkeit f√ľr eine positive Identifizierung mit dem Gemeinwesen zu geben, dann suchen sich die Leute diese eben in anderen kollektiven und das sind dann eben oft eher authorit√§re bzw. Rechte/Linke usw welche sich gegen das System an sich stellen.

Der zunehmende Rechtspopulismus ist also somit eine Folge der im grunde Sinn entleerten Ideologie des Neoliberalismus.

Ich denke im Osten k√∂nnte es auch daran liegen, dass es weniger religi√∂se oder kommunale Gemeinschaften gibt, da der Staatssozialimus keine Dogma neben sich duldelte. Religi√∂se Gemeinschaften sind immer noch ein wichtiger Kern der Zivilgesellschaft und des Zusammenlebens, da sie viele Aufgaben √ľbernehmen, welche f√ľr ein Wohlbefinden der lokalen Gemeinschaft sorgen. Das k√∂nnte eine von mehreren Ursachen sein, warum die Leute im Osten so pessistisch gestimmt sind.

Das hingegen gilt f√ľr Gesamtdeutschland, im Osten weil schlicht nicht die strukturellen Gegebenheiten da sind und im Westen, da bestimmte strukturelle Gegebenheiten zu verfestigt sind. Eigentlich k√∂nnte im Hinblick auf den Fortschritt der Osten sogar einen leichten Vorteil haben. Den verkrustete Strukturen sind mMn schwerer aufzubrechen, als einfach neue Strukturen aufzubauen. Das Silicon Valley hat sich ja auch nicht an der Ostk√ľste gebildet, sondern an der Westk√ľste.

Was unterscheidet eine Volkspartei von anderen Parteien?

Eigentlich ein gewisses Maß an Populismus und die Stimmenanzahl, sowie die klare Verordnung zu bestimmten Wählerschichten.

Warum ist die SPD dann eine Volkspartei und die AfD angeblich nicht?

Weil die SPD noch nicht alles verspielt hat und die AfD zum Gl√ľck nur im Osten derma√üen stark auftrumpft. Au√üerdem ist die AfD reaktion√§r, d.h. keine wirkliche Konkurrenz f√ľr die SPD, sondern tendenziell eher f√ľr die CDU.

In welchen Bundesländern kann man die SPD anhand ihrer Stimmenanzahl noch als Volkspartei bezeichnen? Brandenburg - und sonst?

In den Bundesländern in denen die SPD noch mindestens 20 Prozent hat.

Die SPD ist immer noch eine Marke, dass darf man nicht vergessen. Daimler, VW oder Siemens verschwinden auch nicht von heute auf morgen in der Versenkung. Die FDP war eigentlich auch schon weg vom Fenster konnte jedoch wieder eine Klientel finden, die sie wählt und konnte auch mit ihrem etablierten Markennamen punkten.

Au√üerdem darf man nicht die Ableger bzw. die K√ľcken der SPD, wie Linkspartei, Gr√ľne und Teile der FDP vergessen. Diese K√ľcken sind ja mittlerweile auch durch die Koaltionen von der SPD gro√ügez√ľchtet worden. Die Gr√ľnen sind fast schon zu gro√ü gem√§stet und etabliert, so dass sie √§hnlich unbeweglich geworden sind, wie die SPD.

Alles ab 10 Prozent ist Volkspartei? Das macht den Begriff der Volkspartei noch nutzloser als eh.

Urspr√ľnglich war eine Volkspartei dann eine Volkspartei wenn sie in sich weite Teile der Bev√∂lkerung abdeckt. (und mindestens 20% hat)

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