Die Twitterisierung Amerikas: Blaupause für unsere Partei und Gesellschaft

Die amerikanische Gesellschaft ist irreparabel gespalten. Das ist nicht die Meinung von irgendwelchen Feuilletonisten, sondern das Ergebnis akademischer Forschung. Wesentlich für die Entwicklung sind algorithmische Filterblasen, sowie frakturierte Gruppen, die im Internet nur untereinander kommunizieren, ferner die Clickbaitisierung der Medien, was zu fake news-esken Phänomenen führt.

Die zwei hyperaktiven Flügel, “progressive” und “conservative”, überschatten die tatsächliche Mitte, stellen alles so dar, als gäbe es nur zwei Wahrheiten und abseits derer nur apokalyptische Optionen. Wir müssen - als IT Experten, als Gesellschaftserneuerer, als Reformer mit einer optimistischen, positiven Vision - diese offensichtliche Dummheit sowohl in dieser Partei, als auch in der Gesellschaft und Europa verhindern! Aber lest selbst: https://hiddentribes.us/ / https://hiddentribes.us/pdf/hidden_tribes_report.pdf

Irreparabel gespalten…
Die amerikanische Gesellschaft lebt Demokratie. In einer Demokratie ist nicht alles Konsens, da wird gestritten und versöhnt, gestritten und versöhnt, gestritten und versöhnt. Nennt sich auch Dialektik der Aufklärung. Da braucht es zwei klare Positionen und keinen Einheitsbrei.

Eine Mitte wird immer wieder hergestellt, aber die besteht doch nicht dauerhaft. Das ist Bullshit. Wir sind ja hoffentlich keine Ständegesellschaft mehr. Hoffentlich.

In der Ära der sozialen Medien und der parteipolitischen Nachrichten sind Amerikas Unterschiede zu einem gefährlichen Stammeszugehörigkeitsgefühl geworden, das von einer Kultur der Empörung und des Anstoßes angetrieben wird. Für die Kämpfer kann die andere Seite nicht mehr toleriert werden, und kein Preis ist zu hoch, um sie zu besiegen.

Diese Spannungen vergiften persönliche Beziehungen, verbrauchen unsere Politik und gefährden unsere Demokratie.

Sobald ein Land tribalisiert ist, werden die Debatten über umstrittene Themen von Einwanderung und Handel über Wirtschaftsmanagement, Klimawandel und nationale Sicherheit von größeren Stammesidentitäten geprägt. Die politische Debatte weicht Stammeskonflikten.

Polarisierung und Tribalismus sind selbstverstärkend und werden sich wahrscheinlich weiter beschleunigen. Die Arbeit am Wiederaufbau unserer fragmentierten Gesellschaft muss jetzt beginnen. Sie reicht von der Wiederverbindung von Menschen über die Grenzen der Teilung in den lokalen Gemeinschaften hinweg bis hin zum Aufbau eines erneuerten Gefühls der nationalen Identität: eine größere Geschichte von uns.

Unsere Polarisierung ist nicht einfach, aber auch nicht unlösbar. Wir müssen es verstehen, damit wir es in Ordnung bringen können. More in Common hofft, dass dieser Bericht dazu beitragen kann, diese dringende Arbeit zu informieren und zu inspirieren.

So ein Quark. Ich finde das super. Die Amerikaner lieben alle ihre Verfassung, egal ob Demokraten oder Republikaner. Das gefährdet nicht die Demokratie, sondern belebt. Der Merkelismus hat der Demokratie mehr geschadet als Trump. Merkel hat die Bundespräsidentin (außer 2015) gespielt, obwohl sie die Bundeskanzlerin ist. Möglichst neutral und alle Postitionen in sich vereinigen. Bloß nicht anecken.

Was soll sich beschleunigen, wenn man zwei klare Positionen einnimmt? Und was hat eine klare Position mit Tribalismus zu tun? Der Begriff ist doch da völlig fehl am Platz.

So ein Bullshit. Die Amerikaner sind Verfassungspatrioten und keine Nationalisten.


Wer sagt denn, dass sie es seien? Das Problem ist, dass sie zur Zeit überhaupt kein Zusammengehörigkeitsgefühl jeglicher Art haben.

Hier auch ein Artikel, der zeigt, was durch die Twitterisierung passiert:

Das ultimative Ziel hinter diesem neuartigen Verschwörungstheorismus, so Rosenblum und Muirhead, sei nicht weniger als die schleichende Delegitimierung demokratischer Institutionen wie der freien Presse, von Universitäten und Regierungseinrichtungen. Oder um es anders zu formulieren: Attackiert wird gezielt die Glaubwürdigkeit all der Menschen und Institutionen, die tragende Rollen für das Funktionieren von Gesellschaften übernehmen, mit einem speziellen Fokus auf diejenigen, die Wissen und Fakten kreieren, bewerten und korrigieren. Auch im Falle von Notre-Dame zeigt sich dies: «Traut nicht den Behörden, der Presse und schon gar nicht der Regierung», so die übergeordnete Botschaft.

Immer häufiger sind es jedoch nicht nur einzelne radikale Aktivisten, die sich dieser Methodik im Internet bedienen. So verkündete auch Glenn Beck, ein einflussreicher konservativer US-Talk-Radio-Moderator, nach dem Brand, dass, «falls dieser von Islamisten gestartet wurde, wir es vermutlich nicht erfahren werden, denn das würde das gesamte Land in Brand setzen». Und während eines Interviews mit dem US-Sender Fox News behauptete auch der französische Kommentator Philippe Karsenty, dass das Feuer in der Kathedrale gelegt worden sei und man, wenn alles vorbei sei, wieder nur «eine politisch korrekte Geschichte» hören werde, «die sagt, dass es wahrscheinlich ein Unfall war». Selbst Fox News, der Sender, der dafür bekannt ist, immer wieder Verschwörungstheorien zu verbreiten, ging dies zu weit. Moderator Shep Smith wies den Gast zurecht und betonte, dass er keine haltlosen Spekulationen dulde.

Mit schuld, wenn auch nicht verantwortlich für den neuen Verschwörungstheorismus sind die sozialen Netzwerke. Hier können solche Behauptungen besonders gut florieren und sich verbreiten. Und was auf den Messageboards von 4chan und 8chan entsteht und auf Twitter und Co. geteilt wird, bleibt nicht dort, sondern wandert mit der Zeit, tritt in Austausch, multipliziert sich. Nicht selten greifen alternative Medien wie Breitbart und Gateway Pundit in den USA oder PI News in Deutschland die Themen und Ideen auf, speisen sie erneut in den Kreislauf ein und verbreiten sie so weiter. Es entstehen digitale Gegenöffentlichkeiten, die es wiederum ermöglichen, die «Gatekeeper» – also traditionelle Medien – zu umgehen und sich somit einen Weg in die öffentliche Arena zu bahnen. Gelegentlich helfen Politiker und bekannte Persönlichkeiten dabei mit, wenn es zu ihrer Agenda passt.

Eben, wie oft durfte ich schon in traditionellen Medien lesen, dass die Russen Trump an die Macht gebracht hätten, ohne das es dafür handfeste Belege gibt. Sind das etwa keine Verschwörungstheorien?

Ich habe gehört, dass fast jedes Kind in den Staaten die Verfassung auswendig kennt. Wer kann das von sich in Deutschland behaupten?