Die Schwierigkeit über Politik zu diskutieren ohne persönlich zu werden

POLITIK!

Wahrscheinlich habe ich es vor Jahren schon mal “erzählt”:

Ich habe mal ein Forum mitbegründet und administriert, bei dem es um das Urlaubsland Kroatien ging.
Trotz hoher 5-stelliger Nutzerzahlen und täglich 3 stelliger Threaderstellungen war das Forum mehrere Jahre lang mit einer handvoll Moderatoren gut zu handeln.
Dann kam die Diskussion über den “EU-Beitritt” und es wurde gewünscht im Forum ein Themengebiet “Politik” einzurichten, da es ja wichtig sein.

Leider sind wir diesem Wunsch nachgekommen…

Es gingen innerhalb von ein paar Monaten so viele Risse durch das Forum, selbst auf großen Forumstreffen war die jahrelang gute Stimmung weg, Menschen die sich sonst sogar besucht haben waren plötzlich Feinde, usw. - Moderation war so gut wie unmöglich!

Nach 2 Jahren war das Forum Geschichte und lebt nun (trotz Umbenennung, andere Admins, anderes Layout, usw.) nur noch unbedeutend vor sich hin.

Es ging halt um POLITIK!

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Hört sich so an als hätten die Moderatoren ihre Arbeit nicht getan.

Ein Moderator (von demselben lateinischen Wort mit der Bedeutung ‚Mäßiger‘, ‚Lenker‘, ‚Handhaber‘, ‚Regierer‘; abgeleitet vom Verb moderare ‚mäßigen, in Schranken halten, regeln‘)[1][2] ist eine Person, die ein Gespräch lenkt oder in einer Kommunikation vermittelt.

ja, war bestimmt ein Grund, aber es waren Menschen!

Ich hab Moderator extra in kursiv gesetzt, weil die moderierende Wirkung nicht die Aufgabe eines handelsüblichen Forummoderators ist, sondern z.B. des Foruminhabers, dass er sich mit den Anführern der jeweiligen Gruppen an einen Tisch setzt und versucht einen Hausfrieden auszuhandeln.

Die Lösung des POLITIK-Problems ist Politik. Dass das aber nicht die übliche Herangehensweise ist, sieht man ja auch in dieser Partei.

Das Problem ist doch das viele gar nicht verstehen das man sich in Online Diskussionen niemals durchsetzen kann. Je härter man gegen jemanden Argumentiert desto unwahrscheinlicher ist es irgendjemanden zu überzeugen oder was zu erreichen. Ok, man kann es erreichen das sich die Gegner zurück ziehen weil Sie auf aggressive Endlosdebatten keinen Bock mehr haben. Dann ist man am Ende eben alleine im Forum, überzeugt hat man dann immer noch niemanden. Ergo: Verschwendung von Lebenszeit.

Irgendwelche Kapitalismus vs. Sozialismus oder Antifa vs Nicht Antifa Diskussionen sind doch das beste Beispiel dafür. Nix erreicht aber alles sind gefrustet.

Ist vielleicht auch so eine Art Inkompetenz im Umgang mit digitalen Medien. Wenn Leute die so einsetzen anstatt produktiv etwas zu machen, das zu präsentieren und somit mehr durch das eigene Tun zu überzeugen. Todlabern hat noch keine politische Bewegung oder Idee zum Erfolg gebracht sondern stets nur aktives Handeln.

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Das hat mit online tatsächlich wenig zu tun - ich erinnere mich an mindestens zwei Bundesparteitage mit genau dieser Konsequenz.

Wenn dann deshalb, weil es früher diese Diskussionen höchstes mal Sonntags am “Stammtisch” gab, ansonsten von einer kleinen Gruppe der Weg vorgegeben wurde.
Heute redet jeder mit.
Einerseits gut, andererseits benötigt dies, besonders in einer demokratischen politischen Partei klare Regelungen, zum Beispiel wie mit Abstimmungen umgegangen wird!
Und da läuft bei der Piratenpartei mit dem absoluten Freiheitsgedanken (auch für JEDE Meinung) halt mehr aus dem Ruder als bei anderen Parteien.

Wie gerade schon gesagt, dies ist nur durch klare Regelungen möglich. Denn Politik besteht nun mal aus verschiedenen Sichten und Meinungen die nur sehr schwer unter einen Hut zu bekommen sind, auch wenn die Piratenpartei glaubt dies zu schaffen.

(Um auf das Forum zurück zu kommen - ja, es hätte funktioniert wenn man z.B. die EU Gegner massiv ausgeschlossen hätte, aber wie gesagt, es war ein Urlaubsforum! - Und selbst der nachträgliche Versuch Politik wieder komplett zu löschen (Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründe ich… :wink: ) ist gescheitert, es wurden strittige politische Themen immer wieder “herein getragen”.
Der Fehler war, politische Themen überhaupt in ein (Urlaubs-) Forum zu lassen!)

Übrigens erachte ich die Überschrift für nicht ganz korrekt!.
Es geht gar nicht um das “persönlich werden” - als Streitpunkt. Es gibt einfach klare unterschiedliche politische Meinungen, und die sind vorhanden. Dafür gibt es viele Gründe. Natürlich braucht man beim Diskutieren über verschiedene Sichtweisen nicht persönlich werden, aber wenn es keine Lösung gibt (und das ist bei unterschiedlichen politischen Ansichten nun mal nur die demokratische Abstimmung) ist es ein kurzer Weg zum politisch, persönlichen Angriff.
(Ich fand übrigens den jahrelangen politischen Disput zwischen z.B. Strauß und Wehner nicht unbedingt Demokratie schädlich, sondern bei mir wurde genau dadurch Interesse an der Politik geweckt.)

Das sind doch alles autoritäre Methoden, die im Gegensatz zu dem stehen, was ich gesagt habe (Leute an einen Tisch bringen und moderien/mäßigen/verhandeln).

Und wenn die versagen? Was dann? Ein Bällebad?
In der Politik gibt es sehr oft unterschiedliche Meinungen die sich eben nicht “mit Verhandeln” unter einen Hut bekommen lassen.
Genau deshalb gibt es eben Demokratie mit Abstimmungen und Wahlen!
Und ja, das ist autoritär!
(sorry für Nachtrag)

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Dann müssen natürlich die Konsequenzen ausgepackt werden, um das Wohl der Gemeinschaft nicht zu gefährden.

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Gute Einschätzung, das stimmt alles.

Und die Überschrift dieses Threads stimmt schon: Die Probleme
treten immer dann auf, wenn einer persönlich wird - und das
geht meistens ganz schnell. Genau dann, wenn einer emotional
ergriffen ist, sagt er schnell sowas wie:

“Du hast keine Ahnung” oder "Bei Deinem Vorwissen … "

Von dieser Stelle an ist keine Diskussion mehr möglich. Eigentlich
müsste jeder Teilnehmer eines Threads ein Training durchlaufen,
in welchem er lernt, NICHT PERSÖNLICH ANGREIFEND zu
werden. Man kann ja persönlich werden, wenn man den anderen
lobt usw.

Und man muss lernen, auch mal den Satz zu sagen: “Wir sind
an dieser Stelle verschiedener Meinung - und das wird wohl auch
erstmal so bleiben.”

Es ist wirklich eine Frage der sozial-rhetorischen Kompetenz, und
die ist bei fast allen Forenteilnehmern (außer vielleicht Tensor)
unterirdisch.

Ein ähnliches Problem habe ich im Moment auf in meinem Reisemobilforum. Ich bin wohl das einzige Forum, dass eine Diskussion über Reisethemen die Corona betreffen zulässt. Politische Diskussionen habe ich nach einer ausufernden Diskussion eigentlich ausgeschlossen. Trotzdem es alle eigentlich akzeptieren, muß ich alle paar Tage noch eingreifen, um doch noch Diskussionen nach politischen Statements zu stoppen.

Es gibt wohl nichts schwierigeres zu händeln, als online geführte politische Diskussionen. *

Gruß
Andi

  • eventuell kommen noch Diskussionen über Betriebssysteme oder Plattformen an den Schwierigkeitsgrad ran. :wink:
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Und wie machst du dies dann bei einer Partei?

Die Piratenpartei ist heterogen.

Ich bin jetzt mal brutal!
So ein Text ist natürlich immer schön und fordert natürlich zu Herzchen auf, aber eben nicht zu tatsächlich umsetzbaren Lösungen!
Noch genauer:
Der Text fordert Ratio und Konstruktivität, liefert aber eine Aneinanderreihung von Feel-Good Buzzwords.
Passt aber IMMER wenn es um Probleme geht und liest sich sehr gut!

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Haha, “bei einer Partei” sollten (1) rote Linien vereinbart sein,
die nicht überschritten werden dürfen. Und wenn sie
überschritten werden, ob im Forum oder auf einem Parteitag
oder in irgendeinem öffentlichen Statement, dann braucht
man ein schnelles, effektives (2) Ausschlussverfahren.

Beides, (1) und (2), ist bei den Piraten nur unzureichend -
deshalb gibt und gab es Riesenprobleme - und das ist
sicher ein Grund, vielleicht der Hauptgrund, warum die
Piraten in die Bedeutungslosigkeit driften.

Eine “Mitmachpartei”, die für alle offen ist, zieht leider
auch alle möglichen bizarr ausgerichteten Leute,
früher auch viele Ex-FDPler usw. an. Und nur mit
(1) und (2) kann der Kern einer Partei erhalten bleiben.

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Klar, so kommt es Dir vor.

Aber wie willst Du denn ein Forum in gesittetem Fahrwasser
halten, ohne eine große Heerschar an Moderatoren? Du
musst es wieder schließen.

Deshalb: Meine Buzzwords deuten m.M.n. die Zielrichtung
für die Zukunft, wie man Foren dennoch offen und interessant
halten kann. Das geht halt nur, wenn die einzelnen Teilnahmer
einen Lernprozess durchmachen, wenn sie sozial-rhetorische
Kompetenzen aufbauen. Ohne die geht nix!

Das sind ja quasi “religiöse Diskussionen”, wobei sie, im Gegensatz zu wirklich religiösem Disput, hier intrakulturell ausgetragen werden, weshalb sie derart heftig ausarten.