Die Piratenpartei braucht eine "Vision" für die zukünftige Gesllschaft

Hallo Fulleren,

vielen Dank für deine interessante Anregung. Ich stimme dir voll und ganz zu. Sie ist uns abhanden gekommen.

Um den Weg zu bestimmen, wenn das Ziel verloren scheint, schlage ich vor, wir blicken zunächst zurück in die Finsternis, aus der wir gekommen sind. Was waren unsere Werte?

Transparenz, Privatsphäre, und Partizipation.

Kaum war der erste große Achtungserfolg errungen, kaum zogen die ersten 15 Piraten (samt einer Frau) ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, da wurde schon bei Wikipedia behauptet, diese drei Grundwerte seien ja eh nicht vereinbar (Friedrich-Ebert-Stiftung). Der geneigte Leser fragt sich nun, wieso postet ausgerechnet die SPD einen Werbe-Beitrag auf der Piratenpartei-Beschreibung? - ah ja, Produktpiraterie. Bei wem die Verzweiflung am größten ist, der greift nach dem letzten Strohhalm. Aus Transparenzgründen sei angezeigt, dass der Widerspruch bei Wikipedia von mydarkstar eingesetzt wurde. Das war eine meiner ersten Aktionen für die Piraten, ich denke so um das Jahr 2015, also 2 Jahre nach meinem Eintritt in euren Verein, zur Zeit von Katharina Nocun, also kurz vor Snowden. Learning by doing. Und ihr hattet mich überzeugt. Was sollte ich da noch bei den Grünen meine Zeit verschwenden, die eh grade noch auf ihrem Fukushima-Hoch herumsurften? - die Piraten hatten eine verdammt gute Idee, und diese Menschen brauchen Hilfe, denn so kommen sie nicht weiter - das war mein Gedanke.

Zurück zum Thema:
ihr seht schon, zu viel der Worte, was bringt uns das. Ich würde von daher vorschlagen, wir vereinfachen erst einmal unser eigenes Konzept, damit es besser verständlich ist. Nehmen wir mal an, dass über die Hälfte der Menschheit in diesem Land inzwischen glaubt, die paar Verrrückten mit den 3 Werten, das bekommen die eh nicht mehr hin - wie können wir aufzeigen, dass das geht. Das wäre dann wohl die Kernfrage. Also wenn wir das noch nicht mal hinbekommen, kein Wunder dass weiter unten keiner mehr gelesen hatte.

Insofern schlage ich folgende einfache Wertordnung vor.

  1. Partizipation. Teilhabe.
    (jeder gute Pirat ist zunächst gerecht, fair, zivilisiert, und er tötet nicht ohne verdammt guten Grund).
  2. Transparenz. Ehrbarkeit. Rechtschaffenheit.
    (jeder gute Pirat ist zunächst ehrlich, und selbsterklärend, also ehrbar, integer, und rechtschaffend, bevor er sich anmaßt, jemals auch nur ansatzweise eine neue Wertordnung postulieren zu können ,)
  3. Privacy Protection. Schutz und Familie.
    (jeder gute Pirat und jede gute Piratin darf trotz Postulat 1. und 2. durchaus auch eine Familie gründen, Respekt vor anderen zeigen, und er oder sie erkennt die Freiheit des Andersdenkenden an, eine grundlegend andere Ansicht zu haben, auch und sogar wenn es Autokratie oder Selbstsucht im Einzelfall ist. Die Gedanken sind frei, und was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, das muss keiner wissen. Auch Kinder wurden schon so geboren, und wir sind ja keine Unmenschen hier).

Im Rahmen dieser 3 Grundwerte versuchen wir maximal zu erfüllen, und schon sind wir gute Piraten.
Ich für meinen Teil habe es hier weiter ausgefüllt, andere können gern ihre eigene Wahrheit posten.

Vielen Dank! - Euer Martin Bernhardt, @mydarkstar, der fernste Stern am Horizont, und seines Zeichens nun eben auch einmal der Gründer von Dynamic Applications (auch das noch). So.

PS. jetzt hat sich der verdammte … [Pirat] auch noch nen Backlink gesetzt. Tja ja. Gleiches Recht für alle, oder was? - Macht’s richtig, oder lasst gleich bleiben, sag ich immer. Bin gespannt auf eure Antworten. just my 2 ct… ich sag’s nur, wie’s geht, den Weg müsst ihr schon selber gehen :wink:

Irgendwie stehst Du Dir manchmal selbst im Wege.

Du definierst 2 Grundwerte und merkst dann schon auf halben Wege, dass es unter diesen Voraussetzungen.
sehr schwer wird, Grundwert 3, das mit der Familie, umzusetzen.

So genial scheint diese Werteordnung nicht zu sein, darüber sollte mydarkstar mal nachdenken.

Akzeptiere einfach, dass jeder Mensch mehr oder weniger viele Macken hat, das macht ihn menschlich.

Gerecht, fair, zivilisiert sind Überlebensstarategien und für das Töten, nein dafür gibt es überhaupt keinen verdammt guiten Grund.

Und die Idee, guter Mensch ist, wer im Mainstream mitschwimmt und anderen das Einhalten von Prinzipien vorgaukelt, ist doch auch ein wenig irreal.

Hallo GG79,

vielen Dank für dein konstruktives Feedback! Ich schätze dies sehr. Bzgl. des Tötens, absolut, da bin ich ganz bei dir. Man muss das Leben leben, wie es kommt, solange man lebt. Dann ist es vorbei. Und wie du schon zurecht angemerkt hast, gibt es in meiner (unserer) Piraten-Philosophie nun wirklich keinen Grund für‘s Töten. Denke seit einiger Zeit über ein Positionspapier zum Thema „der gute Soldat“ nach, denn wenn das Konsens ist, dann sind wir an der Stelle weiter.

Zum Thema Grundwerte, touché, aus Transparenzgründen gebe dir sofort recht, im Einzelfall wie im Allgemeinen.

Manch gute Idee ist in der Praxis nicht ganz so einfach, wie es klingt.

Aus meiner Sicht muss man sich da halt entscheiden. Wir machen es doch alle, so gut wir‘s können. Alles ist nichts. Also versuche ich halt erstmal in der Reihenfolge vorzugehen, die mir selbst logisch bzw. am besten erscheint. Wenn du dann abends nach Hause kommst und jemand zu dir sagt, nun lüg doch mal für mich, nur für mich, was machst du dann? - so oder so, schon biste in deinem eigenen Wertesystem gefangen.

Aber ganz ehrlich:

ich find‘s immer noch besser, du hast Werte, als wenn du gar keine Werte mehr hast. So sehe ich das, und von daher, ich sag mal soviel dazu:

      1. geht, ist gar nicht so schwer, ziemlich fair ist es auch, man macht es halt so gut man kann, was soll man auch sonst tun. Und was immer du tust, Learning by doing, das ist nun mal die stärkste Form des Lernens. Also wird man ja nicht schlechter darin. Insofern denke ich mal, bin ich für meinen Teil ganz gut darin. Aber ich würde nun auch meine Wertordnung nicht jedem anderen Menschen aufzwingen, oder gar Piraten aus der Partei schmeißen lassen, weil die auch mal was falsch gemacht haben, wenn ich selbst nicht besser bin. Das wäre ja Hochverrat, sozusagen :wink:

Insofern versuche ich halt für meinen Teil mit gutem Beispiel voranzugehen, und wenn Leute meinen, da nun gleich wieder drüber herfallen zu können, ich leb damit.

Insgesamt bin ich nicht unzufrieden.

Ich befasse mich nun mal beruflich mit Werten, Wertordnung, Verteilunsgerechtigkeit und Startup- und Wirtschaftsplanungs-Programmen, also wär‘s ja auch verdammt dämlich (um nicht zu sagen gemein), wenn ich das nicht auch bei den Piraten einbringen würde. Wieso auch nicht? - Bisher gab‘s so gut wie keins, jetzt haben wir wenigstens einen Verrückten, der schon mal an der Sache arbeitet. Ich find‘s super, es macht verdammt viel Spaß, weil es halt auch Sinn macht, was ich tue, davon bin ich überzeugt, Aber wenn andere was anderes machen wollen, wieso soll ich das nicht auch als letztlich gleichwertig akzeptieren? - ich argumentiere gen klar und präzise, aber ich versuche da auch tolerant zu sein. Für mich hört die Freiheit des Einzelnen halt an der Stelle auf, wo‘s nur noch darum geht, die Person als Ganzes zu schädigen, damit man sich dann nie mehr mit ihren Argumenten herumschlagen muss. Das ist schlecht und billig, und man muss das auch nicht gut finden. Und das darf man dann auch sagen, sonst wäre man ja nicht mehr rechtschaffen.

Insofern leb ich mit Kritik und denke mir, nur wer nie was macht, macht gar keinen Fehler.

Und so muss ich mir nicht jede Woche die Kante geben, aber ich mache mein Ding da schon ganz gern, das lass ich mir auch nicht wegnehmen, und versuche zufrieden zu sein mit dem wenigen, was ich erreichen konnte.

Insgesamt eine verdammt gute Idee.

Gruß Martin Bernhardt.

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Snowden - das war 2013 …

Na ja. Die eine Sache ist, Kompromisse zu finden. Die andere, Fakten und Argumente zu ignorieren. Aber dazu müsste man mal miteinander reden. Aber ich denke, wir sprechen vom selben Problem.

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Zu dem Thema liegt zur Zeit vieles in der Partei im Argen und es gibt viel Substantielles zu sagen. Hat hier jemand Lust eine “AG piratige Visionen” aka AG Wahnvorstellungen zu gründen?

Dann können wir da Grundsatzdiskussionen führen, Ergebnisse zum Wesen des Piratentums und seiner Rolle in der Gesellschaft notieren, sowie eine Sammlung an interessanten und wichtigen Texten generieren.

Achso, es müssen also “die richtigen” Menschen die Visionen formulieren und den A* in der Hose haben dies bei PArteitagen einzubringen?
Spannend.