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Die (Nicht-) Digitalisierung der Schulen - Zusammenfassung vom Vortrag vom 12.7.2018 in der LGS

bildung

#1

Vorwort

Ich zwinge mich endlich mal dazu die Zusammenfassung von meinem Vortrag zu schreiben. Ich habe es lange genug vor mir her geschoben und endlich habe ich mal Zeit dafür.
Wobei das Ganze eher als präsentationsgeleitete Diskussion benannt werden muss.
Es sind teilweise Inhalte ergänzt, die nicht genannt wurden.
Der politischen Korrektheit wegen sei gesagt, dass ich im generischen Maskulinum schreibe. Natürlich sind alle Geschlechter gemeint

Wer ich bin

Moin. Inzwischen bin ich Informatik-Student aus Karlsruhe und Teil der PiratenIT und Admin in meinem Wohnheim mit Fokus auf Infrastruktur und Mailserver. Von der 6. bis zur 12. Klasse war ich erst AG-Mitglied, dann ehrenamtlicher und später noch hauptverantwortlicher Systemadmin bei mir in der Schule. Zwischen der Schule und dem Studium habe ich noch ein Praktikum in der IT meiner alten Stadt absolviert und den WLAN-Vollausbau und die Umrüstung auf Gigabit netzintern unterstützt.

Rechtliche Grundlagen

Für das Bildungswesen und die öffentliche IT sind die Zuständigkeiten klar geregelt. Diese sollen hier eimal aufgeführt werden.

Bildungswesen

  • Die Kultusministerkonferenz (KMK) beschließt Bildungsstandards
  • Die Kerncurricula werden von der entsprechenden Kommission beschlossen und beinhalten z.B. auch den Einsatz von Medien
  • Die Schulen erstellen z.B. in Fachkonferenzen Anstaltspläne, wo Programme und Geräte spezifiziert werden, welche im Unterricht eingesetzt werden sollen

Öffentliche IT

  • Der Schulträger für die technische Ausstattung der Schulen verantwortlich
  • Der Schulträger stellt Mitarbeiter an, welche für die IT der Schulen verantwortlich ist
  • Die Kommune stellt für ihre eigene IT Mitarbeiter an
  • Das Land fördert die Stellen in der städtischen IT mit Geld

Die Probleme

Aus diesen Verantwortlichkeiten resultieren, besonders bei der Umsetzung, viele Probleme, die für den schlechten Stand der IT in Deutschlands Schulen zumindest teilweise ursächlich sind. Die Probleme werden auch noch durch die verfügbare Software für die Administration der Geräte verstärkt.

Personell

Die beteiligten Personen, sind einer sehr hohen Belastung ausgesetzt. Die Lehrer, welche an den Anstaltsplänen arbeiten, haben unter Anderem nicht die Zeit einer Evaluation von existierender Software für bestimmte Anwendungsfälle. In der Mathematik wird häufig Geogebra eingesetzt um computergestützte Geometrie zu betrieben, aber in anderen Fächern wird meist das verwendet, was man mal von Kollegen gehört hat.

Im schlimmsten Fall muss der Schulträger, meistens die Kommune, an jeder Schule in seinem Umfeld andere Software bereitstellen und die Kompetenzen für die Verwaltung oder zumindest die einfache Fehlerbehebung besitzen. Man kann von den Mitarbeitern in der IT der Stadt nicht erwarten, dass ein extrem breites Wissen für die verschiedenste Software angeeignet wird.

In der Bereitstellung liegt ein zusätzliches Problem. Es wird meistens gefordert, dass die beschlossene Software zeitnah verfügbar ist, was eine weitere logistische Hürde darstellt. Wenn man Glück hat, kann man die Software automatisiert ausrollen. Manchmal sind diese Möglichkeiten nicht vorhanden. Dann muss einzeln installiert werden und das frisst Zeit. Das Vorbereiten für das automatische Verteilen häufig auch.

Viele Mitarbeiter in den Verwaltungen sind zeitgleich auch noch für die IT in der Verwaltung selbst verantwortlich, was die Belastung steigert und die Verfügbarkeit für größere Projekte senkt.

Es wird versucht Lehrer in die Verantwortlichkeit zu bekommen, aber die verhältnismäßig geringe Entlöhnung dafür (maximal 2 Entlastungsstunden) macht die Position unattraktiv, besonders weil der zeitliche Aufwand nicht der “Entlöhnung” übereinstimmt.

Finanziell

Das Betreiben von IT verursacht Kosten durch Lizenzen, Mitarbeiter und Geräte. Von den Ländern kommt nur sehr wenig Geld für die Mitarbeiter und entsprechend sehen die Bugets aus. Die Abteilungen sind meistens unterbesetzt und stark ausgelastet. Ein weiteres Problem ist das Beantragen von Subventionen.
Meistens sind diese an bestimmte Vergabeverfahren gekoppelt und es lohnt sich meistens finanziell und zeitlich nicht, diese zu beantragen. Dadurch werden diese Bugets bei weitem nicht ausgeschöpft.

Software

Um die IT in Schulen möglichst automatisiert zu verwalten und zusätzlich noch eine pädagogische Plattform bereitzustellen, wird diverse Software eingesetzt. Im Vortrag wurden einige Beispiele genannt und unter anderem die in Niedersachsen überwiegend eingesetze Software IServ aus Braunschweig diskutiert.

Das Ergebnis hierbei war, dass die verfügbare Software nicht den Ansprüchen der Schulen genügt, teilweise stark fehlerhaft ist, Probleme mit der Performance hat und wartungsintensiv ist.
Großes Problem ist zum Beispiel auch, dass für viele alltägliche Aufgaben ein gewisses Maß an technischem Wissen vorhanden sein muss. Dadurch bleiben viele Dinge am Fachpersonal hängen und können nicht von Lehrern selbst gemacht werden.

Generell ist freie Software nicht weit verbreitet in den Schulen und die Administration von Netzwerken mit Windows ist meistens aufwändiger, auch weil der Update/Installationsprozess viel länger ist und zum Beispiel Imaging von keiner bekannten Software umgesetzt wird um Zeit zu sparen.

Zeitlich

Aus den oben genannten Gründen, bleibt den Mitarbeitern in der IT der Kommunen keine Zeit um Konzepte für den WLAN-Ausbau, Netzausbau, Digitale Klassenzimmer o.Ä. zu erarbeiten. Es wird nur Zeit darauf verwendet historisch gewachsene Strukturen zu erhalten und seltenst um neue Strukturen zu schaffen.
Es gibt auch Beispiele von Städten, welche Firmen beauftragt haben, komplette Schulgebäude mit WLAN auszuleuchten. Diese Firmen haben total überteuerte Hardware verkauft, welche für den Anwendungsfall Schule sogar extrem ungeeignet gewesen ist.

Lösungsvorschläge

  • vorgegebene Software in den Bildungsstandards, welche unabängig evaluiert und auf Praxistauglichkeit gestestet wird
  • Freie Software für die Verwaltung von Rechnern, Software und angeschlossene pädagogische Plattform. Möglichst wartungsarm und einfach zu benutzen
  • Einfachere Subventionen für die Digitalisierung
  • Größerer Etat für Personal in der städtischen EDV
  • Mehr Entlastungsstunden für Lehrer, welche sich der IT annehmen

Schlusswort

Sollte ich irgendwas vergessen haben, bitte ich das in den Antworten anzumerken, damit ich das nachtragen kann.
Inhaltliche Diskussion können wir auch gerne unten führen, genau so können auch gerne Fragen besprochen werden.
Vielen Dank nochmal an alle, die am 12.7. in der LGS gewesen sind, um mir zuzuhören und mit mir zu diskutieren.
Der Abend war extrem spannend, aufschlussreich für mich und hat tierisch Spaß gemacht!
Viel Spaß im neuen Jahr und auf frohes Diskutieren!


#2

Hallo,
Kann ich den Beitrag auf meinen Blog verwenden und welchen Link und welchen Namen (Autor) soll ich angeben?

Danke für eine Antwort.

LG von Richter169


#3

Hi,

kannst du gerne machen. Ich habe da kein Problem mit.
Mir würde es reichen, wenn du meinen Nick als Verfasser nennst und hier aufs Forum verweist.

LG Promasu


#4

Hallo
mit den Nick habe ich kein Problem, aber auf das Forum verweisen, da habe ich meine Bedenken. Ich bin jetzt 10 Jahre dabei und habe da einiges erlebt.

Bis dann
LG von Richter169


#5

Gut. Dann lassen wir das.


#6

OK,
das ich das richtig verstehe, zur Vorsicht: Dein Nick nennen ohne das Forum.

Nur zur Rückfrage aus Vorsicht.

MFg Richter169


#7

Ist korrekt!


#8

Auf Blog erst mal Veröffentlicht

Hallo,
ich habe es erst mal in meinen Blog geschrieben, auf den werde ich verweisen. Die Kommentarfunktion ist eingeschränkt Aktiviert.

Ich glaube das ist eine lösung für alle. Falls du damit nicht Einverstanden bist, lösche ich den Beitrag.

Bis dann
MFG Richter169


#9

Jetzt brauche ich dein OK.


#10

+1 ist gut so


#11

Könnten Euch dann noch die Vorschläge für die Verbesserung der (digitalen) Bildung mit dazuliefern.


#12

Sehr interessant der Vortrag!
Deckt sich so grob mit meinen Erfahrungen:
Sitze als Stadtrat in Münster im Betriebsausschuss der stadteigenen IT-Firma und gleichzeitig als Vater in der Fachkonferenz Informatik eines Gymnasiums.

Mein Fazit ist etwas weitreichender:
Alle Probleme liessen sich lösen, wenn man ENDLICH beginnt, darauf hinzuarbeiten, dass ALLE benötigte Software innerhalb eine Internet Browsers läuft.

Perfekt wäre, wenn Land und/oder Bund eine Rahmenanwendung dafür bauen würden.
In die könnten sich dann freie Programmierer oder Unternehmen einklinken.


#13

Danke und schön (naja traurig), dass es bei euch auch so ist.
Ich habe Kontakt zu einigen Admins/Schüleradmins/Schüler, die mir von deren Netzen berichten und du bist einer mehr, der mir das bestätigt.

Das mit der Software im Browser ist eine extrem gute Sache und ich erachte das auch als sinnvoll. Man ist unabhängig von den Geräten, kann sich z.B. die Lizenzen für ein Windows sparen und kann komplett auf Linux laufen. Das Konzept verfolgt zum Beispiel der Univention App Server, aber der ist aus anderen Gründen auch nicht optimal für den Schulbetrieb.

Eine Rahmenanwendung durch Bund und/oder Länder wäre extrem gut und es gibt zum Beispiel mit Eduport aus Hamburg schon probiert, aber da wurde leider auch an einigen Stellen versagt. Wie auch in München mit LiMux, wird sich mit Softwareentwicklung in öffentlicher Hand, nicht die Zeit genommen, bis eine Software komplett ausgereift und Feature-Complete ist, sondern es wird live weiterentwickelt, was die Akzeptanz und die Zahl der Bugs extrem steigert.

Dann gibt es ja noch aus BW die Ella, wo auch auf voller Linie versagt wird. Das Konzept wäre aber mal ein erster Ansatz, ist aber trotzdem komplett an den Anforderungen im Schulalltag vorbei.

Das Problem einer solcher Plattform ist, dass man dann auch die Verwaltungsaufgaben mit integrieren müsste, weil sonst Schnittstellen zu einer Vielzahl von Programmen notwendig werden.

Wenn ich mal überlege, was wir an Software für die Verwaltung hatten und was für ein extremer Aufwand das Synchronisieren immer war…
Niedersachen… DaNIS (Schuldatenbank), Untis (Stunden+Vertretungsplan), Intranet (Eigenentwicklung mit Raumbuchungen, Online-Vertretungsplan, etc.), Webuntis (löst das Intranet irgendwann ab), Winzep (Zeugnisprogramm), IServ (pädagogische Plattform)

Man bräuchte halt irgendwas, was alles abdeckt, also Schuldatenbank, Stundenplan, Vertretungsplan, Raumbuchung, Zeugnis, uvm.

Wenn man erstmal in öffentlicher Hand einen Anforderungskatalog erarbeiten muss, dieser dann umgesetzt wird, dann gehen erstmal nen paar Jahre ins Land, bis nen Grundgerüst steht und es wird elendig teuer. Das macht keine Verwaltung mit, weil “das, was wir haben funktioniert ja irgendwie”

Aber mir haben Vögelchen gezwitschert, dass es evtl bald Leute gibt, die sich in den Softwaremarkt einmischen werden


#14

Ich habe dazu mal eine Frage, wie wollt ihr das so abgrenzen das es da keine unberechtigen Zugriffe gibt. Ich gehe davon aus, das die Schüler damit auch Arbeiten sollen, wegen Lernen mit der EDV. In den sogenannten EDV Klassen.

Wir haben damals mit ein Elternschulsprecher rüber gesprochen wie das geht, bzw was das soll. Das war damals 2009 oder 2010. Die Schulle bekommt ihr eignes Wlan, nur in den Klassen die mit der EDV Arbeiten sollen. Es gibt einen Zentralrechner in der Schule. Bei Rechtschreibung und Mathearbeiten werden die entsprechenden Funktionen auf den Laptop abgschaltet.

Die Eltern sollen den Läppi über die Firma kaufen die den Zentrallrechner bereitstellt. Der Läppi war doppelt so teuer wie ein Normaler Läppi. Der Elternschulsprecher kannte sich aber mit EDV aus, so konnten die Eltern Normale Läppis kaufen und nur das Programm für die Schule wurde extra aufgespielt. Aber das erst nach langen Verandlungen.

Bis dann
LG von Richter


#15

Rechtemanagement in Software ist nicht schwer. Es muss dann halt Berechtigungsstufen für die einzelnen Module geben und der Spaß ist nach Vorgaben des BSI getrennt. Geht sehr gut.

Sehr interessant. Natürlich ist BYOD (Bring your own device) und so in der Hinsicht ein Thema.
Wenn man von einer Webbasierten Plattform ausgeht, dann reicht für den Schulserver jedes internetfähige Gerät mit modernem Browser.

Falscher Ansatz, wegen mangelnder Flexibilität. Wenn WLAN, dann überall. Also wenn man Digitalisierung ernsthaft betreiben will.

Das verstehe ich zum Beispiel nicht. Wenn man in der Schule ist, dann kann man auch Arbeiten auf Papier schreiben. Nur, weil man nen Rechner hat, soll das nicht heißen, dass man kein Papier mehr verwenden sollte etc. IT sollte unterstützen.

Also ich persönlich bin gegen komplette iPad/Tablet/Laptop Klassen. Natürlich muss man den Umgang mit Technik lernen, trotzdem gibt es oft genug Situationen, in denen Technik für Schüler nicht sinnvoll ist.

Beamer/Bildschirme/Rechner für Lehrer sind häufiger sinnvoller als Technik alle Schüler.
In der Oberstufe haben wir mal Google-Docs oder so benutzt um mit mehreren Personen zusammen an einem Text oder einer Präsentation gearbeitet. (Rechnerraum, Laptop oder Handy)
Oder mal Rechnerraum für mathematische Modellierung.


#16

Hallo,
diese Laptopklassen konnten damals 35% des Unterrichts mit den Laptop machen. Mehr wahr nicht drin. Es gab zuwenige Lehrer die sich mit der EDV auskannten. Vielleicht 2-3 pro Schule.

Das war 2009 oder 2010 und da war das noch nicht so auf den Vormarsch. Es kammen nur die rein, die eine bestimmte Schulleistung gebracht haben. Diese Laptopklassen sollten die EDV vorranbringen. Die Idee war nicht schlecht. Wir brauchten damals Leute die sich mit der EDV auskannten.

100% Laptopklassen, wo alles über den Laptop läuft halte ich auch nicht für gut. Aus vielen Gründen. Nicht jeder kann mit der EDV umgehen. Die Arbeiten lieber mit ihren Händen, wenn sie gern gebastelt haben. Die sind nicht gern in Büro.

Wir sehen heute wo uns das hingebracht hat, nur die EDV als das alles gute hinzustellen.

Ich bin gespannt wann ein Handwerker mehr bekommt wie ein EDV Kaufmann. Die Zeit kommt. Leider.

Bis dann
LG von Richter169


#17

Damals sollten die Schüler noch Denken und nicht der EDV das Denken überlassen, besonders in der Rechtschreibung (Kein Fehlerprogramm beim Rechtschreiben) und das Rechnen (keine Mathefunktionen) haben. Sie sollten aber Lernen mit der EDV umzugehen. Wer hat damals ein Computer oder Läppi sich geleistet. Es gab einen pro Familie meistens. Auch war die Datenleitung nicht so gut, wie heute.

Dieser Läppi für die Schüler sollte 1000 Euro kosten, die einfache Version. Die etwas bessere 1200 Euro. Das waren Amerikanische Armee Läppis, wie wir dann raus bekommen haben.

Der Elternschulsprecher war da etwas klever, der wusste das es schon günstigere gab.

Das Wlan für die Klassenzimmer hatte einen Vorteil (naja ob das ein Vorteil war?) der lehrer konnte sehen was auf den Läppis während des Unterrichts gemacht wurde. Deswegen das Wlan für die einzelnen Klassenzimmer. Zuhause konnten sie dann machen was sie wollten. Da waren die Eltern verantwortlich.

Was solls, heute werden Leute für das Handwerk gesucht. Irgendwann haben wir keine Leute die uns Häuser bauen können.

Bis dann
LG von Richter169