Die Fehler Linker Eliten

Ja ich habe mich da so mal gefragt warum es denn immer mehr Rechtspopulismus und Verschwörungskulte weltweit gibt. Ich glaube kaum das es da eine so gute Erklärung ist einfach nur zu sagen das liege an den Fake News, an Trump oder Asylfeindlichen Stimmungen. Da muss man doch auch mal genauer hinschauen denn alles hat ja auch tiefer liegende Gründe.

Wenn man mal so die ganze irre Propaganda, der VTler und Rechtspopulisten anschaut dann ist da immer das Feindbild der “Linken Eliten” welche sich gegen das Volk verschworen total im Vordergrund. Also der Rechtspopulist als Freiheitskämpfer der für den “kleinen Mann” eintritt um diesen gegen die Übergriffigkeit der Linken “Meinungsdiktatur” zu schützen. Ja, diese Argumentation wird dann noch schön mit Rassismus verquirlt und raus kommt dabei jede Menge braune scheiße.

Nun denn, ja aber vielleicht ist an dem was die Rechten da an Propaganda verbreiten ja doch ein kleiner Funken Wahrheit enthalten ?

Ich denke ja schon so. Wenn man mal in die Geschichte guckt, dann war es ja so das es früher einmal die Linken waren welche für die Rechte der Menschen gegen die Rechte/Kapitalistische Elite gekämpft haben. Also Arbeiterbewegung, Gewerkschaftem, Sozialistische Parteien und so weiter. Also die kleinen Leute gegen die Reichen und Mächtigen.

Irgendwie hat sich das ja geändert, die meisten Progressiven die ich kenne (In Linkspartei und auch bei den Piraten) die sind ja eher so bestens studierte Menschen die sehr gut verdienen. Also Kopfarbeiter, Bildungsbürgertum somit nicht mehr wie früher die tatsächlich sozial benachteiligten. Sondern die Bildungselite, die Bildungselite die Links ist aber gleichzeitig dennoch total priveligiert.

Fabrikarbeiter, Landwirte, Köche, Bauern, Hilfsarbeiter und so findet man da kaum oder überhaupt gar nicht mehr. Wenn doch dann sind diese schon so bei den Linken Gruppen an den Rand gedrängt weil die können ja nicht intellektuell mithalten, bei den Debatten. Werden also kaum mehr gehört, ignoriert und an den Rand gedrängt. Aus dem Frust bei den Linken nicht mehr dazu gehören zu dürfen entwickelt sich dann das Wutbürgertum das pöbelnd und schreiend den Rechten hinterher läuft.

Ja und dann kommen so die Linken Bildungseliten und wollen dem kleinen Arbeiter dann aus ihrem Gefühl der eigenen Überlegenheit heraus die richtige Moral beibringen. Also der kleine Mann soll sich nach der politischen Korrectness ausrichten die die Akademiker in ihren priveligierten Elfenbeintürmen so theorethisiert haben. Nur der “Kleine Mann” versteht das dann eben nicht, was diese überhaupt von ihm wollen und warum.

Der Kleine Mann darf keine Frau mehr Anflirten weil er sonst ein Sexist ist, er muss Klos fürs dritte Geschlecht toll finden und mit seinen Steuern finanzieren weil er sonst ja so der extereme Reaktionär ist. Er darf nicht den Islam kritisieren weil er sonst ein Nazi ist. Er soll gefälligst hart Arbeiten gehen, mehr Steuern zahlen um Linke Genderwissenschaftler zu finanzieren die ihm dann vorschreiben wie er genderkonform zu schreiben und zu sprechen hat. Dann sieht der kleine Mann das die moralischen Regeln des Feminismus die die Linken von ihm einfordern nicht für den Islamgläubigen Nachbarn gelten der weiterhin seine Frau zum Kopftuchtragen zwingen darf und man das nicht kritisieren soll denn das wäre ja sonst so intolerant und Ausländerfeindlich.

Jaja, ich weiß ich habe diese Beispiele jetzt schon etwas zu arg krass polemisch formuliert, aber Polemik ist ja dafür da um Mißtände durch übertriebene Überspitzung zu entlarven. Nicht alles was Linke/Progressive wollen ist falsch, ganz im Gegenteil es stecken ja teils gute Absichten dahinter. Nur es kommt eben fast immer irgendwie so oberlehrerhaft und Elitär rüber, als Moralgebot von oben das befolgt werden muss damit unser “kleiner Mann” kein Schlechter Mensch ist. Ein guter Mensch ist nur jener welcher die Regeln der Linken Akademikerklasse befolgt. Sich dieser also beugt und sich selbst unterwirft. Also bereit ist die Entscheidung über gut und böse allein den besser gebildeten zu überlassen.

Ich habe ja selbst mal in einer Fabrik malocht. Bis schluss war wegen Corona. Da hat sich in den letzten Jahren schon ein Rechtsrutsch vollzogen. Also das immer mehr auf die Herrschenden Linken daoben und so geschimpft und gewettert wurde…

Anstelle des Linken Gewerkschaftsführers oder Sozialdemokratischer Arbeitergruppen welche sich gemeinsam organisiert haben um “gegen die da Oben” zu mobilisieren und bessere Bedingen zu erstreiten. Also anstelle dieser alten Linken und Progressiven Strömungen aus der Mitte der Arbeiterschaft ist ein neuer Linker Zeitgeist getreten der Elitär und zutiefst Arrogant ist. Der von bestens bezahlten NGO Funktionären, Parteikadern und einer sich intellektuell überlegen fühlenden Akademikerkaste angeführt wird. Nicht mehr mehr von Arbeitern und Angestellten.

Da hat es so eine Entkopplung gegeben. Also ich sehe das ja bei meinen Arbeitskollegen, wo immer mehr die Linken als Unterdrücker gesehen werden die bekämpft werden müssen. Dann wird AfD gewählt… Die Reichsbürgerfahne an den Balkon gehängt und so weiter.

Ja ich finde auch der Trump ist schon so ein gutes Beispiel. Er wurde vor allem von der Arbeiterschicht gewählt, also jenen die früher eher demokratische Partei gewählt haben, teils auch in Gewerkschaften organisiert waren… Die USA zeigen doch schon was passiert wenn die Linken Politikeliten durch ihr Auftreten dafür sorgen das die Arbeiter nicht mehr Links wählen sondern rechts. Dann kommt der Faschismus.

Und somit werden dann Rassimus und Faschismus wieder voll Salonfähig und es ist eben auch die Schuld der Linken welche jede Bodenhaftung verloren haben, ja da die keinen Kontakt mehr mit dem einfachen Arbeiter haben. Sie verstehen die Arbeiterklasse nicht mehr und sehen in ihnen eher Dummköpfe die belehrt werden müssen. Oder Sie sehen Sie sogar als Gefahr, durch ihre wachsende Tendenz nach Rechts die dann eben nur mit noch mehr politisch korrekten Dampfhämmern und Moral auf Kurs gehalten werden muss.

Ich denke das wird schief gehen weil die Leute dann erst recht aus Enttäuschung und aus Protest Nazis wählen tun und dann wird es für alle sehr schlimm werden. Ich sehe das auch bei den Piraten, viele Intelligente Leute hier unterwegs, aber verstehen nicht wie so die emotionale Stimmungslage bei der eher weniger gebildeten Arbeiterschicht so wandeln tut.

Die Rechten Demagogen merken dass voll, erkennen das und nutzen es aus. Ja dann lest mal die Schriften von Steve Bannon, ja es ist ein Faschist aber der beschreibt das ganz offen. Die Linken machen sich unbeliebt bei den Arbeitern und die Rechten streuen ihre Propaganda massiv. Dann wundern sich alle warum Reichsbürger den Bundestag stürmen tun. Mich wundert das nicht, der Grund ist klar.

Die Linken und Progressiven von heute sind für sich selbst eine besser gestellte Elite. Mal vertreten die aus Opportunismus die Interessen der Arbeiterschicht, mal paktieren die mit dem Kapital und den Neoliberalen. SPD ist ein Beispiel, Links blinken und dann hartz4 beschließen. Bei Linken/Grünen aber ähnlich. Das Vertrauen der Arbeiterschicht in die Linken/Progressiven Kräfte wurde zerstört übrig bleibt Frust, Wut und Hass und das ist dann das was die Rechten richtig gut aufgreifen können.

Das macht mir ja schon sehr Angst weil ich will keinen weiteren Rechtsrutsch in der Gesellschaft !

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Der heutige Bauer hat Landwirtschaft studiert und setzt modernste Technik ein.

Der Industriearbeiter in Deutschland ist ein gut ausgebildeter Spezialist der in der Mittelschicht angesiedelt ist.

Die kleinen Leute sind heute sind nicht mehr Arbeiter und Bauern, sondern Scheinselbstständige, Werksvertragler, Zeitarbeiter und andere Niedriglöhner.

Die globalisierte, digitalisierte und liberalisierte Welt können viele Menschen nicht verstehen. Sicher geglaubtes ist nicht mehr richtig. Sie sind anfällig für “einfache Erklärungen” und “die Werte von gestern”, als sie die Welt noch zu verstehen glaubten.

Wenn Solidarität links ist, dann ist Egoismus rechts und in der (vermeintlichen) Not denkt man zuerst an sich.

Die Polemik nehme ich dir nicht übel.
Und ich nehme dir auch nicht übel, dass ich mich von dem, was du da schreibst, selbst angesprochen fühle. Einfach, weil viel Wahres 'dran ist.

Da steckt durchaus viel wahres drin

Das man nicht (mehr) die gleiche Sprache spricht, nicht die gleiche Sichtweise hat.
Da tut sich leider in vielerlei ein großes Bildungsgefälle auf, so dass viele unserer eher kopflastigen Positionen sich deutlich schwerer vermitteln lassen als die einfachste aller Antworten, nämlich irgendjemandem die Schuld zuweisen der einfach nur entfernt / ersetzt werden müsste.

Das ganze nutzen die Rechten ja in der Regel mit Halbwahrheiten, sprich Aussagen die im größeren Kontext ein falsches Gesamtbild ergeben aber als einzelne Aussage nachvollziehbar sind.
Einfaches Beispiel Kriminalitätsstatistik bzgl. Clankriminalität / organisierte Kriminalität oder generell die Entwicklung der wahrgenommene Gefahrenlage aufgrund der Berichterstattung im Vergleich zur realen Entwicklung

Die Frage wäre, wie kann man das ändern.
Wie Du ja auch schreibst sind das ja rein sachlich gesehen gute und wichtige Ansätze die man da hat um eben Ursachen zu bekämpfen anstatt nur symbolhaft irgendwelche Auswirkungen anzugehen
Wie schafft man es kopflastige Themen allgemeinverständlich zu formulieren?

Mehr Videos erstellen. Am besten mit verschiedenen Diskussionspartnern.

Bsp ein Rezo hat ja mit seinen Videos enorme Reichweite. Das Textformat spielt im Internet hingegen immer weniger eine Rolle.

Gesprochene Sprache ist zudem leichter verständlich.