Die Demokratie überfordert mich total!

Hab gerade das Piraten Programm gelesen. Soweit so gut, sehr viel Text, komplizierte Themen. Bin kein Informatiker verstehe da vieles überhaupt nicht. Wenn ich jetzt eine Gute Wahlentscheidung treffen will dann müsste ich auch das von allen anderen Parteien lesen. Zig Tausende Seiten Text, komplizierte Materie wäre das.

Tausende Seiten zu Europawahl, Bundestag, Landtag, Kommunalwahl. Dann Koalitionsverträge und und und… So geht das doch nicht. Da blickt doch gar kein Bürger mehr durch was Sache ist. Vor allem wenn Parteien ja am Ende ohnehin wieder was ganz anderes machen was geschrieben steht. Papier ist ja Geduldig.

Ich gestehe ein mich überfordert die Demokratie total. Bei den anderen Bürgern sicher ganz genau so. Offen eingestehen tut sich das ja niemand. Niemand will schwäche zeigen und als Depp dastehen ist ja klar. Aber ich meine das ist doch ganz normal so. Also das da von uns Bürgern niemand mehr wirklich Durchblick hat. Geht den Politikern ja vielleicht sogar ganz ähnlich, denke ich mir jetzt mal so.

Da wundert es doch nicht, das die Leute sich unbewusst nach einfachheit sehnen. Ja wer verspricht denn einfache Politik, die Faschos von der AfD wo dann halt irgend ein Führer bestimmt und der überforderte Bürger nicht mehr nachdenken muss also auch nicht mehr überfordert ist. Oder die Querdenker von DieBasis (Partei) wo alles eben einfach ist weil alles was passiert das Produkt einer Verschwörung ist. Bei Trump hab ich mir schon so gedacht, die die den Wählen sind ja Leute die sich eine schöne einfache Welt zurück wünschen die es nicht mehr gibt.

Wenn ich zur Wahlurne gehe dann weiß ich nicht mehr ob ich jetzt eine gute oder schlechte Wahl treffe. Ich weiß nur noch das ich im Grunde nichts wirklich weiß. Piraten haben ja da den Ansatz alles Transparent machen. Je mehr Transparent ist desto besser kann Bürger sich informieren. Ok, das gefällt mir Transparenz hilft gegen Korruption. Aber wenn alles, jeder Vertrag jedes Dokument von Kommune, Ländern, Bund und EU im Netz frei stehen würde, die Datenmasse überblickt doch niemand mehr… Nicht falsch verstehen. Transparenz ist toll schafft aber neue Probleme.

Der Digitale Zeitgeist ertrinkt in einer Flut an Informationen die er nicht mehr erfassen kann. Der Bürger an sich kann sich dann nur noch einbilden zu Wissen was tatsächlich Sache ist. Da sich jeder was eigenes einbildet und einjeder dann in der eigenen Filterbubble in Social Media mit gleichgesinnten abhängt gibt es dann eben ganz viele Theorien die für wahr befunden werden. Eingestehen nicht zu verstehen, das wäre zumindest mal ein Anfang aber das wird von den Leuten als Schäche empfunden, wer sagt schon “Ich habe keine Ahnung von nix” ???

Im Chaos des nicht wissens bewegt sich dann die Bürrokratie und der Lobbyismus. Formuliert immer neue Vorschriften, Gesetze und Freiheits Einschränkungen aus die ich Normalbürger nicht verstehe. Nicht weiß was dahinter steht, ob Sinnvoll oder doch Machtgier und Korruption oder sonstwas. Nur mal so gedacht, Uploadfilter und co, Vorratsdatenspeicherung, Chatkontrolle und und und. Selbst Journalisten und Medien berichten ja kaum noch, vielleicht weil auch die kein Überblick mehr haben ?

Was folgt daraus ? Ein Chaotisches nicht mehr zu überblickendes Systeme das grundlos immer mehr Freiheiten erdrückt kaputt reguliert und alles überwacht und niemand mehr da wo wirklich das alles überblicken würde. Nicht einmal die Entscheider tun das abseits ihres Fachidioten Themas noch.

Keine Partei macht noch Wahlkampf mit Inhalten, wie den auch wenn der Bürger von der Masse an Themen überfordert ist ? Statt dessen dann nur noch populistisches Geplärre, Bärbocks Buch, Lebenslauf, Abgeschrieben und und und. Emotionalisiertes Gebrüll und persönliche Angriffe dominieren dann alles. Ja Emotionen können die Bürger dann noch verstehen ohne in der Masse an Inhalten zu ersaufen also funktioniert der Wahlkampf nur noch auf diesem Level und hinterher machen die Parteien sowieso ganz was anderes…

Zehntausende Seiten an Gesetzestexten, EU Richtlienien und und und alles gilt für den Bürger verbindlich. In komplexer Juristen Fachsprache die kaum mehr jemand versteht… Da hat Bürger doch immer Angst irgendetwas falsch zu machen, etwas verbotenes zu tun ohne es zu wissen. Das erstickt doch Eigeninitiative und Kreativität, die Leute lernen einfach nur das zu machen was alle anderen machen weil das dann am Wahrscheinlisten ist das das nicht falsch ist… Am einfachsten haben es da die Kriminellen. Die müssen sich nicht an die hyper komplizierten Regeln halten die Sie ohnehin nicht verstehen die verstoßen einfach dagegen. Das wird es wohl immer mehr geben. Das es immer mehr Regeln gibt aber die Leute dann dagegen verstoßen weil Sie eh keine Ahnung mehr haben da im Zustand der Überforderung gefangen. Geht wohl auch Polizisten, Bürrokraten und Richtern so. Regeln, ja ok werden dann halt immer lückenhafter verfolgt und umgesetzt weil immer weniger einen Überblick haben…

Diese Realität heute erinnert mich zunehmend an den genialen Roman von Franz Kafka. Der Prozess

Dort wird ein Mann von einer total komplexen und für ihn vollständig unerklärlichen Bürrokratie angeklagt ein unerklärliches und nicht näher definiertes Verbrechen begangen zu haben und dafür zum Tode verurteilt. Die Regeln sind dabei so komplex und undurchsichtig das Sie nicht mehr zu verstehen sind. Der Angeklagte fügt sich am Ende willenlos in das Urteil da er aufgegeben hat die Gesetze, die Anklage und das Urteil überhaupt noch zu verstehen.

So kommt mir die Welt auch vor. Ich verstehe Sie nicht mehr. Wo man als Bürger nichts mehr versteht da bleibt am Ende nur der Glaube an irgendetwas oder aber der Nihilismus. Was ist denn eine Demokratie wert die niemand mehr versteht und daher auch niemand mehr gute Entscheidungen treffen kann ? Mann kann sich ja nur noch vage einbilden das richtige zu wählen während die Informations Flut um einen herum immer größer wird.

Mächtig ist in Zukunft wer es sich erlauben kann gegen die unverständlichen Regeln zu verstoßen oder diese heimlich nicht mehr zu befolgen. Ohnmächtig wird sein wer diesen unterworfen ist.

Die Demokratie wurde erfunden weil es damals so Könige gab die in ihren Palästen gefeiert haben während das Volk verhungert ist. Schon klar, Volksherrschaft statt Ausbeutung durch den Adel. Eine ganz einfache Formel die Sinnhaft war. Denn wer lebt schon gerne in einer Tyrannei. Aber sehen wir den Fakten ins Auge, die Demokratie selbst hat sich in ein Monster verwandelt das die Menschen in einer art Spinnenweb aus nicht verständlichen Regeln, bevormundungen und so weiter festklebt. Wer was verändern will muss jahrzehntelang gegen Bürrokratie kämpfen. Die Globale Konzern Elite, Sie ist nicht an diese Regeln gebunden. Die Zahlen also keine Steuern, zum Beispiel während der Bürger von nix mehr eine Ahnung hat und somit gar nicht mehr sinnvoll handeln kann. Für Konzerne gibt es internationale Geheime Schiedsgerichte die auf Basis von geheimen Freihandelsverträgen geheime Urteile fällen. Ja, das ist genau so wie bei Franz Kafka.

Ich bin eigentlich von herzen Nichtwähler. Verachte dieses System absolut und von tiefstem Herzen. Aber wer nicht wählen geht sorgt doch dafür das diese Faschistischen Horror Clowns von der AfD an Macht gewinnen und das will man ja nicht. Also geht man Wählen, nicht weil man weiß was man da will oder tut als Bürger sondern nein man geht wählen weil man Angst vor den bösen Horror Clowns hat. Angst das alles schlimmer wird wenn man es nicht tut. Das soll Demokratie sein ?

Daraus entwickelt sich ein neuer Totalitarismus. Keine Massenbewegung wie bei der NSDAP oder den Kommunisten sondern, ein System das die Bürger demobilisiert. Sie mit Bürrokratie und völlig intransparent unverständlichen Regeln komplett lähmt und ihnen somit die Möglichkeit nimmt noch mitbestimmen zu können geschweige denn dies überhaupt auch nur noch zu wollen. Niemand blickt mehr durch, es gibt noch noch vereinzelte einzelne welche an ihre jeweils ganz eigene Wahrheit glauben. Das System selbst wird immer Autoritärer und durchdringt mit seinen Dititalen Filtern und Regulierungen alles, erstickt alles was Autonomie und Freiheit hervorbringen könnte.

Gleichzeitig schaffen die Überwachungskapitalisten wie Zuckerberg und co tausende abgeschottete Filterbubbles an Menschen die an nichts gemeinsames mehr glauben. Die Überzeugt sind voll den Durchblick zu haben obwohl Sie gar nichts mehr verstehen. Der Totalitarismus der Vergangenheit hat durch Zensur die Information von den Menschen fern gehalten um zu erreichen das Sie nicht handlungsfähig sind. Der Totalitarismus der Zukunft ertränkt die Menschen demaßen in Information, Regeln und so weiter das diese nicht mehr handlungsfähig sind…

Kurzum, ich mag nicht mehr an diese Demokratie glauben. Sie überfordert mich total !

Es wäre hilfreich, wenn Du erst mal die vielen inhaltsgleichen Beiträge in diesem Forum von Kurzzeitnutzern lesen würdest.
Dann sind viele Deiner Fragen und Zweifel geklärt.

Schon die Tatsache, dass du um die Überforderung weißt, macht dich zu einem besseren Demokraten.

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Das hast du sehr gut formuliert !

  • Es ist nötig die Individuelle Freiheit von Kapital und Staat zu fördern um individuellen Handlungsspielraum der Bürger zu fördern. Ich würde mal sagen das ist eines der Kernanliegen von uns Piraten.

Dafür wurde der Wahlomat erfunden. Er bildet sicher nicht alles perfekt ab, gibt aber schon mal den Hinweis, welche Partei in die eigene Richtung geht.

Stimmt. Da hilft nur mit offenen Augen und Ohren sich zu informieren, was Parteien versprochen haben und was sie dann gehalten haben in der Vergangenheit.

Man muß ja nicht selber jedes Dokument lesen. Es wird für jedes Thema immer Menschen geben, die sich dafür interessieren und bei Unstimmigkeiten dieses öffentlich machen.

Jeder hat einen Mund oder Hände um Fragen zu stellen. Es gibt nicht nur immer mehr Infos, es gibt auch immer mehr Orte mit Menschen, die einem Unverständliches erklären können.

Haben sei das tatsächlich bis auf ein paar Schlagworte jemals getan?

Aber an was dann…?

Gruß
Andi

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Ein guter Anfang wäre es ja, das Amt des Quasimonarchen (“Bundespräsident”) entweder durch eine anständige Monarchie zu ersetzen oder das Amt - ohnehin aus Demokratiesicht kritisch zu bewerten, da nicht vom Wähler mitzuentscheiden - ersatzlos abzuschaffen.

Ansonsten gilt: Der Wahl-o-Mat arbeitet nur mit den Parteiprogrammen, also mit Blendwerk. Eine gute Alternative scheint deinWal zu sein.

Am 2. September kommt zum Beispiel der Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl raus und den kannst du machen und dann zeigt dir dieser Test, welche Partei zu dir am Besten passt, so musst dir keine hunderten Seiten Text durchlesen und auch nicht dich informieren was Parteien schon mal getan und gesagt haben.

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