Deutsche Bahn abschaffen?

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Könnte die deutsche Bahn komplett abgeschafft werden und stattdessen nur noch die DB Netz als öffentliche Institution für die Erhaltung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur bestehen bleiben? Dieses öffentliche Unternehmen wäre dazu verpflichtet eine maximal gute Schieneninfrastruktur herzustellen und diese Infrastruktur privaten Unternehmen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die privaten Eisenbahnunternehmen müssten, dann nur noch die Anschaffung und Wartung der Eisenbahnen und die Personalkosten übernehmen.

Gibt es das Modell in einem anderen Land schon ähnlich und was wären die Probleme bei diesem Modell? Als Vorteil sehe ich, dass es mehr Konkurrenz gäbe, da die Fixkosten durch die kostenlose Verfügung über die Schienen und Bahnhöfe geringer wären.

Wieso sollten Privatkonzerne auf Kosten des Steuerzahlers Gewinn machen?

Wer stellt sicher, dass das Angebot auch entsprechend der Daseinsvorsorge genügt?

Solche elementare Infrastruktur hat mMn nichts in privaten Händen zu suchen.

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Das Problem der Bahn ist, dass sie als Staatsbetrieb versucht eine AG zu sein, die gewinnorientiert arbeitet.

Gewinnorientiert bedeutet, für solche Organisationsformen, dass sie vom AG Teil folgende Eigenschaften übernehmen: von der Substanz leben, Reparaturen zu lange aufschieben, keine Redundanzen bei Material, Fahrzeugen oder Personal. Von Staatsbetrieb übernehmen sie, schlechten Service, Überheblichkeit und unfähige Politker im Management.

So funktioniert das natürlich nicht.
Die Bahn stand als Staatsbetrieb aber früher mal für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Das konnte durch Ersatzzüge und Ersatzpersonal sichergestellt werden. So kann man dann aber nicht wirklich Gewinn machen.

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Andere Länder haben dem Bahnverkehr bzw. den Bahnfernverkehr Priorität zugewiesen und Hochgeschwindgkeitsnetze aufgebaut. Das Autoland hat statt dessen Autobahnen gebaut und über 50 Jahre wieder besseren Wissens die Bahn vernachlässigt.

Statt z.B. mit dem Transrapid bzw. ICE zwischen ausgewählten Großstädten mit 300-500 km/h unterwegs zu sein und Städte im Umland der Knoten mit mindestens Tempo 200 km/h anzubinden und um die Städte ein anständiges Netz aus Regionalbahnen und S-Bahnen zu etablieren. Jeder sollte von seinem Wohnort per Regionalverkehr in 20 Minuten eine “Stadt” erreichen können von der er in unter einer Stunde einen Großstadtknoten erreicht vom dem er aus in unter 3 Stunden den Großstadtknoten erreicht, der seinem Ziel am nächsten ist. Damit sollte man mit 5:40 Stunden + Weg zum ersten Bahnhof + Weg vom Bahnhof zum Ziel jedes Ziel in Deutschland erreichen. Japan und die Schweiz machen vor, dass es möglich ist für jede Fernstrecke die Verspätungen unter 1 Minute zu halten. Und das ohne Zugausfälle. Dann klappt es auch mit dem ÖPNV.

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Ich glaube nicht an diesen Wettbewerb und ich weiß, dass er im Zweifel schädlich ist.
Damit Züge zuverlässig und regelmäßig fahren können, müssen sie gut gewartet werden (und ev. an mehreren Stellen Ersatzzüge bereitstehen) und es muss Ersatz für Krankheitsbedingen Personalausfall geben. Bereits ein Zug, der wegen technischer Probleme nicht pünktlich ist, behindert die Züge hinter ihm und zwingt gegebenenfalls Anschlusszüge zu warten.

Wenn Züge etwa dasselbe Kosten Lokführer, Wartungspersonal und Zugbegleiter etwa dasselbe verdienen, dann gibt es keinen anderen Wettbewerb als an der Wartung zu sparen. Das führt zu liegenbleibenden Zügen und verschlechtert die Performance von allen.

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Das eine ist eine Mitbenutzung, das andere eine exklusive Nutzung. Beides halte ich für falsch.

“Die Bahn” ist generalisierend. Es gibt die DB Netz die für die Schieneninfra zuständig ist. Bei der DB Netz darf JEDER Streckennutzungen anmelden. So macht das auch die DB Fernverkehr und DB Regio. Das Schienennetz steht ALLEN zu gleichen Bedingungen zur Verfügung. Die DB Fernverkehr arbeitet auch erstmal eigenwirtschaftlich. Es gibt im Fernverkehr Flix, DB, SBB, ÖBB, … Im Nahverkehr gibt es auch Unternehmen die der DB Regio nach und nach immer mehr Anteile abnehmen, hier kann man nicht von einem Monopol sprechen. In Stuttgart hat die DB erst einige sehr große Netzt an Abellio und GoAheag verloren.

+1. Das bekommt meine Zustimmung. Privatisierung kommt i.d.R. einher mit Gewinnmaximierung, das bedeutet, dass wenig lukrative Angebote nicht mehr gehalten werden (Der ICE um 23:30, Schlafwagen, Bordbistro, etc.). Dabei halte ich es für wichtig die Mobilität möglichst überall und möglichst zu allen Zeiten zu erhalten, das ist etwas das ich keinem privaten Betreiber zutraue.

Zu sehen auch an den aktuellen Betreibern, die drängen hauptsächlich auf die Hauptrouten (München - Berlin, Frankfurt-München), nicht auf die weniger lukrativen Nebenrouten. Was bringen mir 10 private Betreiber die Franf. - München fahren, wenn ich von Stuttgart nach Leipzig möchte?

Uff, das ist sehr tendenziös. Fangen wir beim offensichtlichen an: Comfort. Das Wagenmaterial von Flix ist mit dem der DB Fernv. nicht vergleichbar, das sind nämlich viele derer ausgemusterten Wagen. Zudem bei Flix im Schnitt wohl höhere Verspätungen. Flix fährt die Strecke vlt 1-2 mal am Tag, die DB Fernv. alle Stunde. Arbeitsbedingungen sind bei der DB wohl auch besser (Zugbegleiter).

Weiter mit dem weniger offensichtlichten: das Preissystem der Bahn basiert u.a. auf der (zu erwartenden) Auslastung. Wenn du also an einem Hauptreisetag eine Hauptroute fahren willst und dass kurv vorher, dann ist das “teuer”. Buchst du aber Nebenrouten/ein paar Tage/Wochen vorher/außerhalb der Hauptverkehrszeit, dann bist du sehr günstig unterwegs. So kann man so gut wie jede Strecke für 20-30€ fahren.

=> dieser Vergleich hinkt seeehr

Was spricht eigentlich gegen eine Bundesbahn? Eine staatliche “DB Fernv.” die alle Routen bedient im Taktverkehr.

Was soll das bedeuten? Wettbewerb kann es ja dennoch geben, die Grundversorgung stellt der Staat sicher. Nur weil der Staat etwas tut ist es ja nicht gleich schlecht.

Nahverkehr ist auch von den Ländern bestellt, ein Modell das zwar auch schwächen hat, es aber auch schafft die Grundversorgung einigermaßen zu erhalten.

Genau das prangere ich ja an. Nicht “lukrative” Verbindungen fallen unter den Tisch.

Du unterstellst also jeder staatlich organisierter Unternehmung Machtausnutzung? Finanzämter, Arbeitsagenturen, Standesämter, Bauämter, … sind also alle böse? Ich finde da machst du es dir zu einfach. Zumal der Markt gezeigt hat, dass er sich bei Daseinsfürsorge nicht beweisen kann (siehe Wassernetz in London).

Ich empfinde die “horrende” Preise der Bahn für angemessen. Du kannst jeden Winkel in D für < 30€ erreichen, das ist niemals kostendeckend. Natürlich musst du für mehr Flexibilität mehr zahlen. Inwiefern das Preissystem fair ist ist eine andere Frage. Die Preise sind aber eben das was Reisen kostet.

Halte ich für eine unhaltbare Aussage. Die SBahn in Stuttgart fährt rund um die Uhr bis in die Vorstädte und darüber hinaus. Da sitzt man schonmal alleine in der Bahn und das soll lukrativ sein?

Bundesnetzagentur?

Tut sie jetzt auch mit der DB Netz und siehst du irgendwo ein Problem oder Missbrauch?

Ich will Probleme lösen die existieren und nicht hypothetische Spielchen spielen.

Die Bahn arbeitet nur auf wenigen Strecken kostendeckend. Also mit guter Auslastung der Züge so das:

  • Personalkosten
  • Stromkosten
  • Wartungskosten
  • Netznutzungsgebühren
  • Anteilige Abnutzung der Züge

Übertroffen werden und ein Gewinn erzielt wird.
Flixtrain wählt sich gezielt solche Strecken aus.

Ja es ist Schade, dass die Bahn hier keine innovativen Konzepte entwickelt hat.
Allerdings sind die Kosten für den Lokführer bei 1000 Menschen im Zug vernachlässigbar.

Die Schein-Privatisierung der DB hat uns ja erst in diese katastrophale Lage getrieben. Wenn die DB sich zurückzieht wird sich die Lage nur verschlechtern, da dann die privaten Unternehmen weiterhin versuchen maximalen Profit mit minimalem Einsatz zu erwirtschaften.

Das wäre fatal. Gerade in Zeiten des Klimawandels könnte die DB neue Wege gehen. Preise runter – Netz ausbauen. Aber dazu bedürfte es einer weiteren Bahnreform. Und die Auswechslung der kompletten Führungsebene. Die Schweiz macht es vor. Dort ist Unternehmensziel zufriedene Menschen von A nach B zu bringen nicht maximaler Profit. Abstoßen aller Unternehmensteile, die nichts mit Bahnbeförderung zu tun haben. Anreize für Investitionen ins Schienennetz – momentan lassen sie alles verrotten, da Neubauten der Bund übernimmt. Bauprojekte wie z.B. Stuttgart 21 überprüfen mit der Maßgabe: was nützt es dem Schienenverkehr und den Menschen.

Verstaatlichung ist immer schwierig – da sie dem Staat wieder zuviel Macht gibt. Vergesellschaften wäre passender. Wir Steuerzahler zahlen ja viel Geld an die DB – dann müssten wir alle doch beteiligt werden. Irgendwie müsste man für staatliche Unternehmen eine Form weg vom Staat, der sich um alles kümmern soll – hin zur Gesellschaft – zu jedem einzelnen Steuerzahler finden. Denn die letzten 2 Jahrzehnte haben gezeigt: der entfesselte Markt ist auch keine Lösung.

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Als ich dieses Jahr mit der Bahn nach Schottland gefahren bin habe ich gemerkt wie gut wir es doch haben mit unserem Bahnsystem. Es ist bei uns mit den Karten mehr oder weniger klar welchen Zug man verwenden muss, und unsere Ices sind trotz ihrer schwächen besser als das was sie auf der Insel haben. Wenn man hört was für andere Probleme sie regelmäßig mit der Privatisierung haben, so ist es für mich klar das es für Deutschland sicher keine Verbesserung sein kann, wenn die Bahn noch mehr privatisiert wird.

Ich diskutiere lieber mit Zahlen und Preisen, als mit einzelnen Erfahrungsberichten. Diese Thema ist mMn ein Fall für einen differenzierten internationalen Vergleich unterschiedlicher Schienengesellschaften. Leider habe ich nicht die Zeit und die Lust zu recherchieren um mich darin einzuarbeiten.

Glücklicherweise haben sich auch schon andere Leute solche Gedanken gemacht. Es sind zwar nicht direkt Zahlen die dieser Report liefert, aber ich denke es ist ein netter Vergleich welcher zeigt das die DB noch lange nicht so schlecht ist wie sie sein könnte https://drive.google.com/file/d/0BwXW4MHpJEZrTUVDX2xFU3UzeTY2Um5HeUVuaTVTU0s2c1cw/view

Interessant. Ich bin ehrlich, keine Ahnung was ich davon halten soll allerdings könnte man so viele Kosten auf die Wirtschaft umlagern und als Staat viel einnehmen. Müsste man mal genauer drüber nachdenken:+1:

Das wüsste ich nicht mal, denn die Infrastruktur wird ja in meinem Modell, den dann privatwirtschaftlichen Bahnunternehmen, kostenlos zur Verfügung gestellt. Das heißt: regelmäßige Wartung, Schienenausbau- und Erhalt, Bahnhöfe, Ticketautomaten etc., das alles würde weiterhin über den Staat finanziert. Mir geht es darum, dass Bahnfahren dann für den Kunden billiger zu machen, sodass Tickets nach Berlin maximal 30 Euro kosten.

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Ich verstehe deine Idee wie gesagt man müsste es im Auge haben nur wenn wir es an andere Firmen out sourcen kann man halt schlecht für Preise und Qualität garantieren.

Eine Frage an die Bahnnetze ist auch: Wie viel weiter kann das Netz noch sinnvollerweise ausgebaut werden und wie hoch können die Netze frequentiert werden.

Im städtischen Bereich gibt es da wahrscheinlich kaum noch Optimierungspotenzial, was die Frequentierung angeht. Aber auf der Fernstrecke und im Regionalverkehr könnten die Züge z.B. verkürzt werden und gleichzeitig die Taktung nach oben gefahren werden.

Bsp. Statt eine lange Bahn alle halbe Stunde fahren zu lassen, eine kurze Bahn alle 10 min, so hätte auch die Provinz bessere Anbindung an städtische Ballungsräume.