Der Fetisch der schwarzen Null - Wirtschaftsnobelpreisträger kritisiert Deutschland

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Da ist was dran.

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Insbesondere da es für Staatsanleihen negative Zinsen gibt. Der Staat könnte ja sogar Schulden abbauen indem er neue Schulden aufnimmt. Gerade in dem Hinblick ist die Schuldenbremse ja wirklich komplett absurd.

Selbst zu 0% Zinsen würde sich die Staatsverschuldung lohnen. 100 Milliarden Investiert, über diverse Steuern und Abgaben würde die Kohle ja früher oder später ohnehin beim Staat landen, Kreditaufnahme würde also keine Kosten verursachen sich aber lohnen. Im grunde lohnt sich Verschuldung rechnerisch immer solange der Zinssatz unter der Inflationsrate liegt.

Kapitalismus funktioniert bekanntlich nur wenn investiert wird. Ohne Investitionen herrscht dann eben Stagnation und das ist genau das was wir momentan in Deutschland quasi in allen Bereichen beobachten können. Genau so scheinen es CDU/SPD zu wollen, und auch ein nicht unbeträchtlicher Teil der gealterten Wählerschaft der Volksparteien will im Grunde das sich nix ändert. Anders kann ich mir die derzeitige Politik jedenfalls kaum erklären.

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Die Welt wäre nicht in dieser ökonomischen Krise, wenn es diese Debt-Load-Politik der amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger nicht gegeben hätte.

Man darf in der Kurve nicht bremsen, sondern muß, wenn man zu schnell in die Kurve gefahren ist, Gas geben, um nicht herauszufallen.

Wenn die Kurve zu lange ist, oder gar ein Kreis, fliegt man beim Gas geben irgendwann mit 100%iger Sicherheit heraus.

Wir bewegen uns seit 10 Jahren in der Kurve und merken, dass die Kurve noch lange nicht zu Ende ist.

Das Gegenstück zur “Schwaren Null” ist die “Debt-Load”-Politik, die 100%ig in eine schwere Wirtschaftskrise führt.
Es wäre vernünftig den :cowboy_hat_face: nicht alles zu glauben und ihnen blind zu vertrauen.

Die schwarze Null ist für mich eines der größten Versagen in der deutschen Politik!
Nicht dass nicht eingespart werden müsste.
Aber es wurde und wird genau da eingespart wo Investitionen in die Zukunft nötig gewesen wären.
Und somit verschieben wir z.B. in der Infrastruktur dringend notwendige Investitionen einfach in die Zukunft. Sanierungen werden dadurch meist viel teurer, also wird aus unserer schwarzen Null eine rote XX für zukünftige Generationen.
Wenn man so ein Projekt angeht, dann MUSS vorher ein Katalog von “schlechten Schulden” und “guten Schulden” angefertigt werden.
Dies wurde aber versäumt, somit haben wir jetzt die großen Probleme bei Schulen, Polizei, Brücken, Straßen, Bahn, Schifffahrt, Netzausbau, energetischer Sanierung, Klimaschutz, bezahlbaren Wohnraum, Abwassernetzen - um nur einiges zu nennen wo Deutschland bei den Industrienationen im hinteren Bereich platziert ist.

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Volle Zustimmung.

Sinnvolle Zukunftsinvestitionen zu tätigen, hat aber relativ wenig mit der “Schwarzen Null” zu tun.
Dies wurde doch nur als Argument angeführt, warum man Entscheidungen so getroffen hat.
Fällt das Argument “Schwarze Null” weg, nimmt man einfach einen anderen Grund Lobbypolitik anstelle von Zukunftspolitik zu betreiben.

Man hat es noch nicht mal als Argument heran gezogen, sondern einfach am Bürger vorbei die Ausgaben verringert, oder zumindest nicht erhöht. Und dies hat sehr wohl mit der schwarzen Null zu tun!
Dies sieht man erst, wenn man z.B. die Investitionen im Bereich Verkehr anschaut.
Aber welcher Bürger macht dies schon?

Und einfach jetzt schon einen Grund zu suchen was passiert, sollte die schwarze Null wegfallen, ist Dummheit.
Lieber bei neuen Gesetzen und Vorhaben darauf achten dass die Vorgaben genau und zielgerichtet ausgearbeitet sind. Dies gilt jetzt besonders auch im Bereich der Klimaregulierung Wenn ich genug Schlupflöcher lasse, werden diese auch genutzt.

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Deutsche Wirtschaftswissenschaftler haben in einigen Bereichen Ansichten, die der Rest der Fachwelt nicht teilt. Ich erinnere dabei an die Debatte um den Mindestlohn, die Einstellung zur Inflation und eben die Sache mit den Schulden.

Deutschland konnte so eine Sparpolitk machen, weil die meiste Wirtschaftsleistung im Ausland erwirtschaftet wurde. Die Binnennachfrage als Wirtschaftsfaktor wurde seit Jahrzehnten vernachlässigt.

Hier in NRW sind irgendwas zwischen 500 und 600 Brücken dringend sanierungsbedürftig. Von Schulen und öffentlichen Gebäuden gar nicht zu reden. Städte sind unterfinanziert. Bildung, Polizei und Justiz sind kaputt gespart. Die Einnahmen des Staates funktioniert nicht richtig. die Option “Geldschulden” zu machen hat man sich mit der schwarzen Null auch genommen.
Stattdessen werden die Schulden jetzt in Form von verfallender Infrastruktur und politischer Radikalisierung als Folge von staatlicher Handlungsunfähigkeit abgenommen. Wie üblich wird ein keines Problem durch Nichtstun zu einem viel größeren Problem gemacht.

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Welche Fachwelt denn?
Die amerikanischen Nobelpreisträger, die eine Krise nach der anderen produzieren?
War doch super, wie jeder in den USA ein Häuschen kaufen konnte und da man ein Häuschen hatte, gab es gleich gratis das Auto dazu.
Die Amerikaner bauen eine gigantische, schuldenfinanzierte Öl- und Gasindustrie auf. Piplines, Raffiniereien und keiner braucht das Öl und das Gas.
Alles kein Problem. Wir haben ja die amerikanische Zentralbank.
Kann man das alles nicht mehr zahlen, dann rettet die amerikanische Zentralbank die Welt…
Ansonsten werden alle immer reicher, die Aktienkurse können nur steigen, genauso wie die Immobilienpreise. Schulden, kein Problem.

2008/2009 war doch alles in Grund und Boden gefahren.
10 Jahre später sind sie immer noch im Krisenmodus und gehen frohgelaunt in die nächste Krise.

Die Saudis können ungezügelt Schulden aufnehmen, denn sie sind ja reich und haben Öl im Boden.

Die Subventionierung der Kohleindustrie hat halt Vorrang.

Sind das nicht die “weniger Staat” Liberalen Politiker?

Das Eine bedingt und fördert das Andere.

Wo viele Schulden sind, ist auch viel Vermögen, das verwaltet werden will und Geld verdienen will.

Angefangen hat es mit dem Finanzierungsinstrument “Leasing”.

Wir haben auf der einen Seite die Realwirtschaft, die mit der Produktion und dem Vertrieb des Fahrzeugs ihre Brötchen verdient.
Daneben haben wir eine Parallelwirtschaft, die mit der Finanzierung des Autos ihre Brötchen verdient. Deren Wertschöpfung ist höher, als die des Autoproduzenten.

Jetzt ist es nur noch eine Frage der Festlegung der Kreditwürdigkeit und des Eingangs der regelmäßigen Zahlungen. Das Ausfallrisiko wird mathematisch über viele Verträge verteilt und mit anderen Kreditrisiken vermischt.

Damit hast Du auf der Grundlage von Schulden nicht beherrschbare Kreditrisiken durch Fehlinvestitionen, die das ganze Finanzsystem an den Rand des Kollapses heranführen.

Gleichzeitig wird durch großzügige Kreditvergabe das Investitionstempo so erhöht, dass die Realwirtschaft nicht mehr mitkommt.

Im Prinzip sind heute fast alle Geschäftsmodelle bedroht und der Staat und damit die Allgemeinheit muß ständig retten.

Alles auf der Grundlage des Schuldenprinzips und der Finanzindustrie.
Dann wird die Finanzindustrie von der Allgemeinheit gerettet und der Herr Krugman darf weiter die Überlegenheit des Finanzsystem propagieren.
Müßten die Staaten angemessene Zinsen zahlen, wäre schon lange Schluß.

Dein Land NRW kann jetzt seine Brücken nicht mehr finanzieren, da ihm die Kreditwürdigkeit für solche Investitionen abhanden gekommen ist und die Finanzindustrie lieber mit Immobilien, Uber oder Fracking sein Geld verdienen mag.

Also ich stimme dir ja zu, wie das mit den Banken gelaufen ist.

Aber das ist Bankenregulierung und nicht wirklich das mit den Staatsschulden.

Das Krugman einer derjenigen war, die im Vorfeld den Crash von 2008 vorhergesagt haben, macht ihn nicht zum besten Beispiel für deine Argumentation.

Vielleicht können wir uns aber darauf einigen, dass eine große Anhäufung von Geldvermögen eine große Anhäufung von Schulden erfordert. Wenn ein reiches Land mit Exportüberschuss Kapital anhäuft, dann muss es zum Ausgleich arme Länder mit Schulden geben. Einige davon vielleicht in Südeuropa. Und da kann man Fragen, ob das sinnvoll und gewollt ist.

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Haben jetzt alle recht, die den nächsten Crash vorhersagen und den vermeiden wollen, indem sie weiter die Verschuldungsspirale weiterdrehen?

Ansonsten besteht z.B. in Italien einzig die Diskrepanz, wieviel Vermögen man denn der Allgemeinheit, also dem Staat, von seinem Vermögen abgeben sollte und ob der Norditaliener Geld nach Süditalien überweisen sollte.
Die Industrie in Norditalien unterscheidet sich kaum von Deutschland.

Quasi alle entwickelten Länder haben exponentiell steigende Schulden. Das ganze scheint also ein dem Kapitalismus innewohnendes Problem zu sein.

Nicht zuletzt kommen die Schulden ja auch daher das die Zentralbanken zinsfreies Geld an die Finanz-Wirtschaft pumpen welche es dann wieder gewinnbringend weiter verleiht. Würde man die Verschuldung direkt über die Zentralbanken abwickeln dann wäre dieses Problem nicht gegeben, dann wäre das Geld eben ersteinmal für Staatsausgaben in die Infrastruktur vorhanden ohne an den Finanzmärkten zu solchen Spekulationsblasen zu führen.

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Die Piratenpartei biegt dann stets in die Kapitalismus-Kritik ab und damit ist sie komplett raus aus der politischen Diskussion, Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Ist halt eine These, bei der 99% der Diskussionsteilnehmer die Diskussion beenden und dann auch keine weitere Kritik am bestehenden System vorgebracht werden kann.

Der Libra ist kein neues Finanzsystem, sondern max. eine Schuldverschreibung, mit der jemand verspricht, dass das Geld, das Du ihm gibst, auch wieder zurückgetauscht werden kann/soll, abzüglich Gebühren und/oder zu erbringende Leistungen.

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Was ist denn “die schwarze Null”?

Wir beschließen gemeinsam einen Schulausflug zu finanzieren, sammeln Geld ein für die Fahrt nach Bochum und die Verantwortlichen geben mehr Geld aus, als vereinbart, da sie eine Fahrt nach Paris organisieren.

Dem steht gegenüber, vorher zu vereinbaren, wir fahren nach Paris statt nach Bochum und sammeln dafür mehr Geld ein.

Am Anfang hat man einzig vereinbart, wir geben in schlechten Zeit mehr Geld aus, als wir einnehmen und zahlen das zurück, wenn die Zeiten wieder besser sind. Das ist die “Schwarze Null” über einen Konjunkturzyklus hinweg.

Selbst in besseren Zeiten ist ein ausgeglichenes Ergebnis nun verpönt und wird “Fetisch” genannt.

Die Notenbanken haben haufenweise Staats- Anleihen aufgekauft und verbotene Staatsfinanzierung betrieben und sollen jetzt noch mehr Staats-Anleihen kaufen, da die Negativzinsen immer noch nicht ausreichen.
Kann nicht gut gehen.

Bei Crypto Währungen kommt aber eben hinzu das nicht alle die das kaufen es zurück tauschen wollen. Das ist dann der Punkt wo Facebook richtig Geld verdienen kann, zumindest wenn diese Dollar/EURO Reserve die für den Rücktausch zurück gehalten wird dann gewinnbringend z.B. in Fonds gelagert werden kann.

Im Grunde handelt es sich auch dabei um eine Ausweitung der Geldmenge durch ein zusätzliches Privatgeld. Sollte Facebook allerdings den Umtauschkurs nicht mehr garantieren können dann würde es wohl zusammenbrechen. Im grunde handelt es sich auch bei Bitcoin um eine Geldmengen Ausweitung, die Zahlkraft der Crypto Währungen steigt ja durch Neugründungen und Wertsteigerungen permanent. Es sind daher ja also bei weitem nicht mehr nur die Staatlichen Notenbanken die die Geldmenge immer mehr ausweiten.

Das das funktioniert ohne das es bisher zu einer nennenswerten Inflation gekommen ist deutet ja darauf hin das es da Systemische Ursachen gibt. Die zweite frage für mich wäre dann wie man die Geldmengen Ausweitung so gestalten kann das Sie nicht weiter die wachsende Ungleichheit massiv befeuert.

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Das kann man so pauschal nicht sagen, hier sind Eurostat-Zahlen zur Verschuldung der Länder in % des BIP. Dass die Schuldenentwicklung in den meisten Fällen besorgniserregend ist, steht jedoch außer Frage.

Siehe:

Falls der Fonds tatsächlich gewinnbringend arbeiten könnte (die FED soll die Zinsen senken, damit das auch weiter funktioniert) geht der Gewinn an Zuckerberg & Co.

und bei Verlust müssen natürlich die Libra-Käufer dies tragen.

Die systemischen Ursachen liegen im Produktivitätsfortschritt von Digitalisierung und WWW. Der Vorteil der niedrigeren Kosten landet nicht beim Endverbraucher, der weniger arbeiten müßte oder mit dem man mehr Sozialleistungen finanzieren könnte, sondern kommt Aktien- und Immobilienbesitzern zu Gute.