Demokratischer Sozialismus - Ja oder Nein?

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Ja also auf dem letzten Stammtisch da gab es voll die Diskussion um die Frage ob der Kapitalismus so noch eine Zukunft hat oder nicht. Ob die Idee eines “Demokratischen Sozialismus” eine mögliche Alternative wäre. Also ein Sozialismus der sehr Basisdemokratisch, Transparent und Bürgernah aufgebaut ist. Also das die Arbeiter in den Betrieben demokratisch selbst bestimmen können und nicht mehr wie bisher die Chefs und Aktionäre da so eher diktatorisch das Sagen haben. So liese sich dann eine Sozialistische Marktwirtschaft realisieren, ja es wäre eine Marktwirtschaft ohne staatliche Zentralplanung, aber die Betriebe würden doch den Arbeitern gehören.

Was denkt ihr dazu ? Ist das eine Utopische Spinnerei oder doch etwas was funktionieren könnte und angestrebt werden sollte ?

Nein, selbst die Linken haben die Vorzüge des Kapitalismus erkannt.
Er muss allerdings streng Reglementiert sein und die Unternehmen müssen “klein” und zahlreich sein, damit es überhaupt einen Markt gibt.
Einige Teilbereiche müssen allerdings “Nonprofit” werden, z.B. Krankenhäuser / medizinische Versorgung etc.

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Wo haben die Linken die Vorzüge des Kapitalismus erkannt? Sehe eigentlich nur strenge Reglementierungswünsche eines kapitalistischen Markts, den mann eher als notwendiges Übel sieht.

Wenn die Arbeiter und Angestellten Bock haben sich selbst zu verwalten können Sie das ja heute schon: https://kontrast.at/mondragon-genossenschaft-baskenland/

Das würde vorraussetzen das die Betriebe ersteinmal enteignet werden müssen. Das dürfte gegen Europarecht verstoßen und vor allem die internationalen Konzerne dürften uns dann ganz massiv verklagen mit der Folge von Internationalen Sanktionen und Embargo wie dies in Venezuela passiert ist. D.h keine sehr gute Idee. Eine Mehrheit in der Bevölkerung für eine solche Umgestaltung der Wirtschaft sehe ich auf absehbare Zeit auch nicht.

Ich kenne viele Linksparteiler die dem sehr vehement wiedersprechen würden. Habe eher das Gefühl das die meisten in der Linken den Kapitalismus zähneknirschend aktzeptieren da es an einem besseren Konzept fehlt und an die Planwirtschaft niemand mehr so recht glauben will.

Solche Firmengründungen könnte man ja gegebenenfalls Staatlich fördern bzw. als Allgemeinnützig anerkennen und somit steuerlich begünstigen. Dann wäre das durchaus eine interessante Option für eine freiwillige Selbstorganisation. Ich denke solch ein auf Freiwilligkeit basierender Ansatz würde auch ganz gut zum Piraten Programm passen.

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Kann eine Demokratie denn echt sein solange die Wirtschaft nicht demokratisch ist ?

Genossenschaften sind auch hierzulande im “Kommen”. Bis VW den Arbeitern gehört, wird es noch dauern ( :wink: ), aber oft lohnt sich das schon, genossenschaftlich zu wirtschaften. Gibt ja auch (im Kleinen) viele Versuche, Wirtschaftskreisläufe zu kollektivieren (gibt z. B. einige Versuche, Spotifykonkurrenten aufzubauen, bei denen Künstler Anteilseigner des Unternehmens sind und somit in der Plattform auch bestimmen können. Wird aber natürlich nur im Promillebereich liegen, was den Marktanteil schlussendlich angeht).

Die Frage ist doch, was man als demokratischen Sozialismus bezeichnet. Die Diskussion gabs doch schonmal sogar hier im Forum:

Kapitalismus kann: Effizienz, Innovation, Kultur(solange man damit Geld verdient), Logistik, Versorgung und unter Rahmenvorgaben funktionieren
Kapitalismus kann nicht: Frieden und soziale Gerechtigkeit

Bestimmte Grundversorgungen sollten nicht der Wirtschaftlichkeit unterstehen.
Man muss “To Big To Fail” und “To big to be regulated” vermeiden.

Ein reglementierter Kapitalismus ist daher ein vernünftiges Ziel.
Und es gibt eigentlich keine Alternativen.

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Ist denn “Alternativlosigkeit” Demokratisch ? Also SPD/CDU können das ja mit der Alternativlosigkeit sehr sehr viel besser als wir. Da brauchen wir Piraten schon eine weitergehende Vision um uns von dem intransparenten und duch lobbyisten gesteuerten Polit Mainstream hervorzuheben.

Ganz klar Nein, denn dann würden alle Firmen, die noch in Familienhand sind, sofort schliessen. Wenn ich eine Firma gründe, dann ist das meine Firma. Wer bei mir angestellt ist, hilft mir. Er kann ja gehen und selbst eine Firma gründen, wenn es ihm bei mir nicht gefällt. Wenn ich im Haushalt Hilfe brauche, dann bestimme ich und nicht meine Haushaltshilfe, was gemacht werden soll. Ansonsten sehe ich da das Problem, dass sie, wenn sie nicht gerne putzt oder nicht gerne kocht, die Wohnung einfach nicht putzt oder mir kein Essen kocht. Und das sind ja genau die Aufgaben, für die ich die Hilfe bezahle.

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Die Frage ist doch, ist es erstrebenswert angestellt zu sein? Als ich zur Schule ging, hiess es, Ihr seid auf dem Gymnasium. Ihr werdet hier ausgebildet, um die Chefs von morgen zu werden. Ihr werdet erzogen, Verantwortung zu übernehmen, damit Ihr später eigene Firmen gründet.

Und dann habe ich im Studium gelernt, dass junge Ingenieure mehrfach alle zwei Jahre die Firmen wechseln sollten, um dann später mit der gesammelten Erfahrung ein eigenes Ingenieurbüro zu gründen.

Es ist doch gar nicht erstrebenswert, irgendwo in Abhängigkeit beschäftigt zu sein oder? Es sollte doch Erstrebenswert sein, irgendwann frei auf eigenen Füssen zu stehen.

Es reicht doch, wenn ein paar Pleite gehen (vornehmlich solche mit unlauterem Geschäftsgebahren - und davon haben wir neben VW eine ganze Menge) und durch selbst verwaltete Betriebe ersetzt werden.

Ein nationale Umsatzreduzierung (kein Embargo - also weniger als das, was Konzerne selbst als Waffe einsetzen) gegen die internationalen Konzerne und dafür die Stärkung der lokalen Wirtschaft, insbesondere der selbst verwalteten Betriebe durch den “mündigen Konsumenten” wäre angemessen. Enteignung will ich auch nicht. Aber der “mündige Konsument” steht leider in Lateralen und das zu Recht.

Die Wahrheit ist nicht immer schön.

Sei da mal vorsichtig mit solchen Begriffen. Ich behaupte, wir befinden uns schon mitten in einer Planwirtschaft ganz neuen Typus. Man ™ plant schon heute für uns, was wir morgen brauchen und teilt es uns, über digitale Medien verstärkt, so lange mit, dass wir tatsächlich daran glauben. Ich würde sagen, man hat sogar einen Masterplan.

Unser neuer Kanzler Friederico von Merzen wird die Idee bestimmt begeistert aufgreifen.

Auf jeden Fall; sage ich mal als Nicht-Mehr-Pirat.

Wie ich sagte - der Mann mit der Insel auf der Glatze steht schon in den Startlöchern. Wir werden uns noch wehmütig an Angie erinnern…

@Miracee: Solange das Familienunternehmen wie eine große Familie funktioniert, unterscheidet es sich nur wenig von genossenschaftlich geführten Betrieben, selbst wenn es den bösen gibt, der ab und zu mal aus Gründen mit der Faust auf den Tisch hauen muss.
Wirtschaft wird erst dann zum Problem, wenn sie zu viel Macht akkumuliert. Wie @fulleren sagte:

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Na, dem könnte man doch abhelfen. U.a mit entsprechenden Siegeln auf der Produktpakung, ala Deutsches, Demokratisches Unternehmen. Da dürfte sich ähnlich wie bisher bei Öko und Fairtrade Produkten durchaus eine gewisse Nachfrage erzeugen lassen.

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Ich persönlich mag ja die Denkweiser vieler Skandinavier. Du solltest nicht nach mehr gieren, als Du zum Leben brauchst. Die Molkerei, die Käse herstellt, muss nicht mehr Käse herstellen, als für die Region. Das reicht, damit der Bauer und auch seine Beschäftigten gut leben können. Sie müssen nicht die Kühe in enge Stallungen zwingen und immer mehr produzieren.

Wenn ich mir die internationalen IT-Konzerne ansehe: Meines Wissens hat Oracle rund 8000 Vertriebler in Deutschland aber nur 40 technische Mitarbeiter, von denen nicht ein einziger tatsächlich ein Produkt von Oracle mit entwickelt / produziert. Bei Microsoft sieht das nicht anders aus. Sie alle haben keine wirkliche Produktion in Europa. Sie ziehen massiv Geld aus dem Land ohne hier in Entwicklung und Produktion zu investieren. Ich wäre ja dafür, dass jedes Unternehmen, auf einen Vertriebler mindestens drei produktive Menschen im Land beschäftigen müsste.

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Kapitalismus ist alles andere als Effizient und Innovativ. Logistik ist kein Verdienst des Kapitalismus und könnte viel effizienter sein. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ineffizient das ganze Wirtschaftskonstrukt ist.

Wer sagt, dass Kapitalismus effizient und die ganzen Dinge ist, der hat die Mechanismen nie mit eigenen Augen gesehen und bedient sich nur der Theorie.

Ich hatte doch mal vor einiger Zeit irgendwo das Video “wirtschaft hacken” gepostet. Dort wird deutlich, wie viel effizienter Sozialismus ist, wie viel Innovativer, wie viel mehr es zur Kultur beiträgt usw. Und dabei wird in dem Video nichteinmal die Probleme besprochen, die ich hier meinte.

Man könnte - ja. Man wird - nein, weil es den Interessen von Leuten widerspricht, die das Ruder tatsächlich in der Hand haben.

Dass du dich mit diesem Begriff gerade in beidfüßigem Fettnapfhüpfen betätigst, ist dir hoffentlich klar - aber nichts für ungut. Nimmt man’s nämlich inhaltlich wörtlich, bin ich voll bei dir.

Das liese sich aber auch über die Nachfrage gut steuern. In Behörden und Ministerien soviel wie irgendwie geht auf OpenSource und freie Software migrieren. Dann würde hierzulande der Bedarf an Entwicklung und Support deutlich steigen, und somit auch die Kapazitäten in entsprechenden Firmen die Dienstleistungen für freie Software anbieten.

Viele OpenSource Projekte die firmenübergreifend bzw. communitybasiert entwickelt werden passen ja ohnehin perfekt zu der Idee einer demokratischer und transparenter organisierten Wirtschaftsweise.

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Leider wird ja immer wieder in öffentlichen Stellen von OpenSource zurück nach ClosedSource migriert. Statt die Systeme sicher zu machen, öffnet man lieber freiwillig die Scheunentore und leitet Bürgerdaten an M$ weiter.

In der Datenbankwelt, in der ich zu Hause bin, ist das anders. Was aber nicht daran liegt, dass wir OpenSource Systeme ehrenamtlich entwicklen sondern einzig daran, dass Oracle und IBM so hohe Lizenzgebühren fordern. Denke nicht, dass wir für unsere Entwicklung jemals auch nur eine Spende bekommen. Wir entwicklen in unserer Freizeit.

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Ganz einfache Grundgedanke “Teilen macht Spaß” ! Das bedeutet nach meiner Meinung mehr Teilhaber am Kapitalismus, d.h. mehr Shareholder. Also Thema für Bundestagswahl, erst die “Squeez Out” Gesetzeslage abschaffen.