Das Recht auf Reparatur

Wir haben da mal was beschlossen, hat das noch jemand auf dem Schirm, macht die EU da was?

Ja, die EU hat da schon was gemacht mit der Ă–kodesign-Richtlinie. Zumindest gibt es nun schon ein auf bestimmte Produkte bezogenes Recht auf Reparatur.

“Hersteller verschiedener Produkte, wie Fernseher, Geschirrspüler, Waschmaschinen und Kühlschränke, dürfen ab März 2021 nur noch Geräte auf den Markt bringen, wenn sie Ersatzteile und Reparaturanleitungen vorhalten. Zudem müssen Ersatzteile mit „allgemein verfügbaren Werkzeugen und ohne dauerhafte Beschädigung am Gerät ausgewechselt werden können“, so regeln es neue Ökodesign-Verordnungen der EU.”

Diese Richtlinie reicht aber bei Weitem nicht aus. , Kleingeräte, wie Smartphones, Laptops und Küchenmaschinen werden nämlich nicht davon umfasst und es wird auch nicht festgelegt, wie der Zugang zu Ersatzteilen oder Anleitungen erfolgen soll.

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Apple’s IPhone 13 soll die Fähigkeit zur FaceID verlieren, wenn man das Display nicht beim Original Apple Service austauschen lässt. Und versucht aktiv zu verhindern das Repair-Shops an Ersatzteile kommen. Wer sich als Repair-Shop in den USA bei Apple zertifizieren lässt, stimmt der Durchsuchung der Firmenräume durch Apple zu und wenn die “Ersatzteile” oder “Schaltpläne” finden, fliegst du raus.

Apple ist damit Vorreiter und wenn sie damit durchkommen werden werden auch Androidhersteller nachziehen wollen.

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Ach komm - abgebissene Ă„pfel sind so was von geil. Es werden sich auch weiterhin genĂĽgend Deppen finden, die sich fĂĽr die neueste Funke dieser ehrenwerten Firma nachts um drei anstellen, um sich im Zweifelsfall noch darum zu prĂĽgeln, ob sie mehr als 1000 Dollar dafĂĽr ĂĽber den Ladentisch reichen dĂĽrfen.

Also wenn es nach mir ginge, würde ich unter den Straftatsbestand “Umweltkriminalität” um Apple-typische Geschäftspraktiken erweitern.

AuĂźerdem wĂĽrde ich geplante Obsoleszenz einschlieĂźen, konkret etwa so:

  1. Managern/Technikern, denen man dafür den persönlichen Vorsatz nachweisen kann → ab in den Knast.
  2. Wenn Produktdesigns nur aus Luschigkeit vor der Zeit X (diese könnte man für technische Produkte leicht von 2 auf 3 bis 5 Jahre MUSS-Garantie verlängern), zahlt der Hersteller halt nur die Kosten des Austausches und alle damit verbundenen Nebenkosten.
  3. Erstens muss auch dann noch greifen, wenn man ™ “sorgfältig” gemäß zweitens geplant hat, sprich wenn auffällig viele Items kurz nach Ablauf von X das Zeitliche segnen.

Schade nur, dass das nicht durchsetzbar ist. Wäre ja ein Teil echter grüner Politik und damit total wachstumsfeindlich und - um das Totschlagargument schlechthin nachzuschieben arbeitplatzvernichtend.

Vielleicht müsste man flankierend Arbeitszeiten verkürzen und die Leute besser bezahlen, damit sie sich die aufgrund ihrer höheren Qualität besseren Produkte zu den möglicherweise höheren Preisen auch leisten können. Erneut tritt hier das Problem aller Probleme zutage: Die (zunehmend) ungerechte Verteilung.

Recht auf Reparatur - natürlich. Ist aber nur Behandlung von Symptomen. Grundsätzliche Lösungen sehen anders aus.

Man muĂź nur eine garantierte Nutzungsdauer fĂĽr verschiedene Produkte festlegen, schon kann man darum herum alles andere ableiten.

GruĂź
Andi

Ja - auch meine Idee. Und dann muss man die noch umsetzen. Wie es mit Umsetzungen aussieht - einfach nach Glasgow schauen.

Schon die aktuelle Rechtslage der zweijährigen Garantie auf technische Produkte ist aus Sicht des Verbrauchers nicht immer durchsetzbar. Häufig genug werden entsprechende Garantieansprüche vom Hersteller auf Zwischenhändler abgewälzt. Es gibt genügend Hersteller, die kackfrech im Standard weniger als zwei Jahre Garantie für ihre Produkte anbieten. Betrifft u.a. sehr viele Notebooks. Zusatzgarantie kostet dort extra.

Das hat aber damit zu tun, dass für die Gewährleistung der Verkäufer zuständig ist, nicht der Hersteller.

Eine Verbesserung wäre es, dem Verbraucher die Wahl zu lassen, an wen er sich bei Gewährleistungsfällen wendet.

GruĂź
Andi

Es werden u.a. durch die kommende Batterierichtlinie einige Dinge demnächst geregelt. In der Batterierichtlinie wird die Austauschbarkeit klarer definiert. Allerdings brauchten die schon wieder Nachhilfe dabei, weil sie fast Sonderanwendungen wie medizinische Sensoren (z.B. solche die man schluckt und die dann auf dem Weg durch den Verdauungstrakt Fotos machen) überfahren hätten, bei denen aus anderen Erwägungen (z.B. Dichtigkeit und Sterilisierbarkeit) ein Austausch der Batterien keine Option ist.

Wenn jemand Interesse daran hat, ich habe die aktuellen Dokumente dazu, aber leider keinen Link, wo die bei der EU liegen.

Was die Versorgung mit Softwareupdates betrifft, wird es wahrscheinlich ĂĽber den Umweg der Funkrichtlinie Regeln zur CyberSecurity geben, die einen Supportzeitraum vorschreiben. Leider komplett besoffen was die da machen und momentan auch noch fraglich, ob ETSI denen das nicht vor die FĂĽĂźe wirft, wenn der Standardization Request gestellt wird.

Dazu gab es bei Heise grad was:

Das ist aber wirklich desolat, was da läuft, das Thema sollte besser über eine CyberSecurity-Richtlinie geregelt werden und nicht über die Hintertüre über die RED. Aktuell droht dann, dass wir drei Fassungen dazu bekommen, eine für alles was mit Funk zu tun hat, eine weitere für Dinge die nicht funken und dann noch eine Variante über die Ökodesign-Richtlinie.

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es gibt Ausnahmen. Die Konsumenten / Verbraucher / Anwender nutzen die Top Qualität der Deutschen Nähmaschinen beispielsweise gar nicht aus. Tatsächlich ist es so, das die Nähmaschine aus den Jahren 1930-1960 für die Ewigkeit gebaut sind. Man kann mit einer solchen Nähmaschine auch heute noch alle Anforderungen erfüllen, die für die Herstellung zeitgemäßer moderner Kleidung notwendig sind (=> elastische Stoffe brauchen eine elastische Naht = Zick-Zack)

Eine Nähmaschine hat damals etwa 2 Monatsgehälter gekostet (Facharbeiter oder Lehrer)

Heute stehen die seit 50 Jahren ungenutzten Maschinen auf der Straße, werden verschenkt oder für ein Appel und ein Ei verkauft. Die Maschinen bis ca 1960 sind höchstwertige langlebige Produkte, die man ohne Schwierigkeiten (etwas Pflege und Sachverstand vorausgesetzt) noch 100 Jahre im Hausgebrauch benutzen könnte ohne von Ersatzteilversorgung oder geplanter Obdoleszenz geplagt zu sein.

Wir könnten alle Maßanzüge tragen!

Ihr kauft Eure Kleidung, die von hungernden Kindern und Mädchen aus Asien (und neuerdings Afrika) angefertigt werden.

komisch - oder?

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Auch legendär:

Kannste heute immer noch kaufen. Oder die Colortron - Farbfernseher aus DDR-Produktion. Die haben damals knapp 7000 DDR-Aluchips gekostet, dafür aber auch ewig gehalten. Ich will damit jetzt nicht gesagt haben, dass Ostprodukte besser waren als die aus dem Westen…also damals.
Aber sie wurden zum Löwenanteil so produziert, wie ich es mir heute für Konsumgüter wünschen würde - auf Langlebigkeit ausgelegt.

Unser Geschirrspüler wurde vor 20 Jahren angeschafft (also Westware) - hält immer noch - im harten Einsatz einer vier-, aktuell dreiköpfigen Familie. Unser Kumpel (Single) hat binnen der letzten 10 Jahre schon den dritten. Korrosion (darf hier mMn. überhaupt keine Rolle spielen) war das Todesurteil für Nummer zwei. Reparatur teurer als Neukauf des (vermutlich) nächsten Schrottprodukts.

Der immer schneller Output von Schrott macht auch vor Industrieprodukten nicht halt. Ich habe relativ viel mit Labortechnik zu tun - auch dort gibt es zunehmende Qualitätsprobleme, insbesondere bei Produkten von Herstellern, die sich eine Monopolstellung in bestimmten Bereichen “erwirtschaftet” haben.

Dass es anders geht (und ich hoffe, das bleibt so) zeigt die für Server von Markenherstellern verwendete Hardware. Die Dinger laufen 5 Jahre (fast) garantiert ohne Störung, bis sieben Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit und ab 10 Jahren tauscht man die meist aus energetischen oder Performancegründen freiwillig aus.

Aber wie sieht’s mit dem Recycling aus? Es scheint ja immer noch billiger zu sein, das Lithium unter doch erheblichem Impact für die Umwelt aus der Erde zu kratzen statt es aus Altbatterien wieder zu gewinnen. HIER müsste mal ein bisschen subventioniert werden, bis die Li-Recyling-Technologien am Markt konkurrenzfähig sind.

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Nein, das Thema ist weitgehend durch.

Das Recycling kleiner Gerätebatterien war problematisch, da unterschiedliche Batteriechemien identifiziert werden müssen und spezifisch recyclet werden muss. Das lohnt sich dann wirtschaftlich nicht.

Mit der Batterierichtlinie wird aber auch eine eindeutige Kennzeichnung vorgesehen, so dass diese kleinen Batterien in Zukunft automatisch sortiert werden können.

Große Batterien, bzw. Batteriepacks, wie aus Fahrzeugen, sind leicht zu handhaben, weil da jeweils ein recht großer Block mit einheitlicher Chemie ankommt. Da beginnt das Recycling aber gerade erst zaghaft, weil noch kaum Altbatterien anfallen. Entgegen der landläufigen Meinung sind die nämlich alles andere als kurzlebig und werden nach der Nutzung im Fahrzeug oft noch stationär weiter betrieben, so dass die Einsatzdauer insgesamt 15-20 Jahre oder mehr betragen kann.

Wem gehören die Geräte denn, den Konzernen oder denjenigen welche diese gekauft haben ?

Das ist hier letztendlich die Frage !

Mittlerweile kauft der Konsument keine Geräte mehr - der Konsument erwirbt “ein vorübergehendes Nutzungsrecht”