Das Problem mit den Fake News

Fortsetzung der Diskussion von No-Covid-Politik:

Das Problem liegt nicht bei den “Fake News”, sondern bei den News.

Die Qualität von Nachrichten in Zeitungen und Fernsehen ist teilweise unterirdisch.

Dafür gibt es zwei Gründe:

  • kostenlose Nachrichten im Netz
  • falsch verstandene Neutralität

Neutralität ist ein theoretisches Konstrukt, das der Realität nicht standhält. Ist zum Beispiel der Fakt, dass ein Auto von der Straße abgekommen ist, dann ist diese Feststellung neutral. Solange die Ursache noch ungeklärt ist, sollte man dies genau so sagen. Es wird statt dessen spekuliert und es werden pseudoneutral mögliche Ursachen nebeneinander gestellt.
Besonders in Talkshows gibt es das Problem der “false balance”.

Falsche Eindrücke vermitteln Fersehsender auch z.B. durch sogenannte “skripted reality” Formate.

Und das Problem endet nicht bei den Medien. wir sehen bei Gerichtsprozessen Gutachter und Gegengutachter, die beide Fachleute sein sollen, aber zu gegenteiligen Aussagen kommen.

Erst schlechte, verfälschte und missverstandene Berichterstattung macht die Menschen empfänglich für “alternative Nachrichtenquellen”.

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Gutes Thema! Und eines der Hauptprobleme unserer Zeit. Dazu
zwei Beispiele:

Beispiel 1

Das “false balancing” der möglichst korrekten Medien ist wirklich
ein Problem. Am Anfang der Covid-19-Pandemie fühlten sich
mancher ÖRR-Moderator bemüßigt, auch Impfgegner-Argumente
anzuführen, so dass seine Berichterstattung das “Ausgewogen-
heitskriterium” auch wirklich erfüllt. Allerdings ohne z.B.
hinzuzufügen, dass ohne Impfung die Wahrscheinlichkeit sich
mit Covid-19 mit schweren Folgen zu infizieren einige
Zehnerpotenzen größer ist als eine ernste Nebenwirkung durch
die Impfung zu erleiden.

Für den Zuhörer entsteht so der Eindruck, die Wahrscheinlichkeit
einer ernsten Nebenwirkung durch die Impfung sei etwa genauso
groß wie die Wahrscheinlichkeit schwer an Covid-19 zu leiden.
Und das ist eine krasse Verzerrung. Die dann im Nachklang den
Impfgegner zusätzliche Argumente lieferte.

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Beispiel 2

Beim Wahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton
wurden die Vergehen von Trump und Hillary von einigen
Medien - zum Wohle der Ausgewogenheit (!) - auf gleicher
Stufe dargestellt:

Trump log jeden Tag - vor Medien und im Kongress, dass sich
die Balken biegen (jeder andere wäre damit längst als
Präsident impeached worden! Bill Clinton wurde wegen einer
einzigen Quasi-Lüge, die noch dazu eigentlich “privat” war,
impeached. Nach diesen Maßstäben wäre Trump schon im
Vorwahlkampf ausgeschieden).

Hillary wurde dagegen kriminalisiert, weil sie offenbar
e-Mails vom einem nicht dafür autorisierten e-Mail-account
versendet hatte. Etwas, was in der Hektik jedem von uns
genauso passieren könnte. Trotzdem wurde das breitgetreten,
kriminalisiert und auf eine Stufe mit Trumps “täglichen bewußten
Lügen” gestellt.

Grund für “False Balancing”:

In Übererfüllung ihres Auftrages der “ausgewogenen Bericht-
erstattung” verfehlen Presse und Medien genau diese
Ausgewogenheit und präsentieren bizarr anmutende Berichte.

Den Hauptgrund dafür sehe ich darin, dass Journalisten und
Moderatoren oft selbst nicht über Maßstäbe und rationale
Bewertungsfähigkeiten verfügen. Ausreichend Hintergrund-
recherche und eigene adäquate Bildung fehlen bei Journalisten
nicht selten.

Medienvertreter und Journalisten kokettieren ja leider oft damit,
dass sie früher in Mathematik nicht so gut waren, und dass
man diese Fähigkeiten ja dann, wenn man für die Öffentlichkeit
schreibt, gar nicht brauche: “Als Journalist brauche ich
keine Differentialrechnung, sowas verstehen die Leute sowieso
nicht, das ist nur was für weltfremde Nerds und autistische
Tüftler!

Tchaaa, aber wie will man denn Wahrscheinlichkeiten in ihren
verschiedenen Zehnerpotenzen einordnen? Wie will man
wissenschaftliche Aussagen einordnen, die von Irrtums-
wahrscheinlichkeiten und Validitätsparametern sprechen?
Wieso höre ich immer noch von reputierten Medienvertretern
manchmal: “Der anthropogene Klimawandel ist ja auch
bei Wissenschaftlern umstritten”. Ist er NICHT! Wo kommt
sowas her?

Ich will damit sagen: Wer Journalist oder Pressearbeiter ist,
muss kein Mathematiker sein, aber er muss die Grundsätze von
Statistik, logischem Denken und wissenschaftlichem Vorgehen
kennen. Und genau das ist es, was ich bemängele: Das
“False Balancing” wäre viel geringer, wenn die Bildung von
Journalisten und Moderatoren im Bereich “Wissenschaftliches
Grundwissen” fundiert wäre. Wenn also nicht jede übernar-
zistische Rampensau vor die Kamera oder das Mikro dürfte,
sondern zuvor eine Auswahl nach Bildung und Fähigkeit
vorgenommen würde. :anguished:

Bildung ist ein Teilaspekt des Problems, aber da ist mehr

Die Meldung von “Nichts”

Wir haben es gerade wieder bei den Sondierungsgesprächen erlebt. Es gibt “Nichts” zu melden, weil die Gespräche für eine Woche angesetzt sind und keine Informationen nach Außen gelangen. Trotzdem wird viel Sendezeit in den Nachrichten dem Thema gewidmet. Da es “Nichts” zu berichten gibt, wird spekuliert, vermutet was das Zeug hält. Weil ja der Journalist nur berichtet spekuliert er nicht selber sondern interviewt jemanden der spekuliert.
Der Zuschauer lernt dabei rumschwurbeln ist genauso eine Nachricht wie echte Fakten.

Die Sendung ist eine Show, eine TalkSHOW

Eines der preiswertesten Formate im Fernsehen ist eine Sendung im Studio wo Menschen sitzen und miteinander reden. Bewerben die Teilnehmer ihr neues Buch, ihren neuen Film oder ihre politische Partei, muss man ihnen nicht einmal etwas bezahlen. Das Format wird aber schnell langweilig, wenn alle dasselbe sagen. Die Sendung ist aber eine Show und es geht um Einschaltquoten." Man braucht für ein wenig “Aktion” wenigstens einen Teilnehmer, der eine andere Meinung vertritt.
“False Balance” dient der Show, der Journalismus ist nicht wichtig in diesem Format.

Dann gibt es ja auch noch dies:

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Ausreichende Hintergrundrecherche? Meistens Fehlanzeige. Die müssen LIEFERN, da bleibt für ernsthafte Recherchen keine Zeit. Dabei kommt nicht selten irgendwas heraus. Außerdem schreiben die munter voneinander ab. Es gibt x Zeitungen aber nur y (gefühlt ist y = 1/10*x) wirklich unabhängige Darstellungen. Mangelnde Bildung mag an manchen Stellen zusätzlich eine Rolle spielen.

Immerhin: Es gibt 3Sat mit Scobel, es gibt Arte mit gutem Journalismus. Außerdem gibt es politisches Kabarett. Wer sich darauf fokussiert, bleibt einigermaßen richtig informiert, zumal z.B. die Bandbreite beim Kabarett vom FDP-Nuhr bis zum linken Sieber reicht.