Das Ende der Arbeit duch Digitalisierung

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Also das Ende der Arbeit kann ja niemand ernstlich erwarten, es wird halt weniger.
Die Theorie geht zurück auf das 19. Jahrhundert. Die Industrialisierung und Automation haben angeblich immer (mit Verzögerung) genug neue Jobs geschaffen.
Trotzdem ist seit dem die Kinderarbeit weggefallen, die Frauenarbeitsquote ist von fast 100% auf weniger als die Hälfte gesunken und die Wochenarbeitszeit ist von über 48-Stunden auf unter 40 Stunden gesunken.
Also ist vielleicht im Rückblick die Arbeit doch immer etwas weniger geworden.

Und keine Frage auch die Digitalisierung wird neue Jobs schaffen, die Frage ist nur welche.

Man kann wohl nicht davon ausgehen, dass Digitalisierung den Bedarf an Führungskräften in der gleichen Branche erhöht und das die Jobs die durch Digitalisierung wegfallen durch höher qualifizierte Jobs in der gleichen Branche ersetzt werden.

Die Jobs müssen also in neuen Branchen entstehen und die Menschen dafür qualifiziert werden.
Aber und das ist das Neue an der Digitalisierung auch in der neuen Branche wird die Digitalisierung viele Aufgaben sofort an Computer übertragen. Es entstehen also eher zahlreiche weniger qualifizierte Job und nur wenige hoch qualifizierte Jobs. Nicht jeder wird in der Lage sein sich hoch genug zu qualifizieren.

Zu rechnen ist also mit verschiedenen Übergangsproblemen und einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft.
Und ja, es mag am Ende genug Arbeit für alle da sein, aber vielleicht ist sie nicht für alle auskömmlich und befriedigend. Und das jetzige Sozialsystem, dass über den Faktor Arbeit finanziert wird, wird mit Einnahmerückgang fertig werden müssen.

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Mir wäre es lieber wenn es weniger Arbeit geben würde, die Menschen aber im Durchschnitt intelligenter würden, als das es viel Arbeit gibt und die Menschen dümmer werden…

Zusammengefasst: Wenn Jobs und Berufe wegfallen die nicht besonders viel kognitiv abverlangen, dafür aber viele neue Jobs entstehen die mehr Kreativität verlangen bzw. mehr Raum für Kreativität lassen und viele Menschen dadurch mehr gefördert werden, dann sehe ich das als großen Fortschritt an.

Ich sehe hier Aussage gegen Aussage. Gibt es Belege, die so klare Schlüsse zulassen?

Die Gefahr besteht dann das es eben immer mehr “Bullshit Jobs” gibt um mit diesen Vollbeschäftigung zu simulieren. D.h immer mehr Arbeit in immer mehr aufgeblähten Bürrokratien welche sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Staatswesen entstehen. Oftmals durch unsinnige oder gar freiheitseinschränkende Gesetze/Regulierungen.

Im 19ten Jahrhundert haben noch über 80% in der Landwirtschaft gearbeitet und haben es dennoch kaum geschafft alle anständig zu ernähren. Heute sind vielleicht noch 1% Bauern und die Erwirtschaften genug Überschuss für den Rest + Export. Wenn in den Produktiven Bereichen, also Herstellung von Gütern + Dienstleistungen viele Arbeitsplätze wegfallen dann können wir natürlich immer noch Vollbeschäftigung simulieren indem wir die Leute irgendwo in der Bürrokratie beschäftigen. Aber wie sinnvoll ist das ?

Heute sind schon über 60% der Jobs PC/Bürro Arbeitsplätze. Wie viele davon brauchen wir eigentlich, wie viele davon sind für die Produktion wirklich relevant ? Wie hat man es c.a 1965 geschafft die Gesellschaft mit wesentlich weniger Bürro Arbeitern die zudem noch ineffizienter gearbeitet haben (Briefpost, keine Digitale Kommunikation usw) zu organisieren ?

Heute wo Bürrokratiearbeit eigentlich ein vielfaches effizienter ist als jemals zuvor haben wir dennoch immer mehr davon. Ist dies für den Gesamtgesellschaftlichen Wohlstand wirklich notwendig oder liese sich dieser nicht auch mit deutlich weniger Arbeit organisieren ?

Ich denke schon. Den manche Arbeit entsteht ja einfach nur dadurch, dass Prozesse unnötig kompliziert gemacht werden oder die gleichen Formulare immer wieder ausgefüllt werden müssen. Das entspricht definitiv nicht dem Leitsatz der Nutzerfreundlichkeit: Prozesse sollten den DAU (dümmster anzunehmender User) vertragen können. Weg von der Arbeitnehmerfreundlichkeit für sinnlose bürokratische Tätigkeiten, hin zur Nutzerfreundlichkeit für alle.

Die Amerikanische Rechtskultur verlangt, dass du als Hersteller einer Sache oder als Dienstleister lückenlos nachweisen kannst, dass alles richtig gemacht wurde. Weil dort oft nur angelernte Arbeitskräfte tätig sind, muss im Ernstfall eine detaillierte Arbeitsvorschrift vorliegen. Der Arbeiter und sein Vorgesetzter müssen die Durchführung der Arbeitsschritte per Unterschrift bestätigen. Nur so kannst du im Fall einer Klage den Nachweis führen sorgfältig gearbeitet zu haben. Natürlich müssen solche Dokumente 50 Jahre aufgehoben werden …
Andernfalls musst du vielleicht eine irre Summe Schadenersatz leisten.
Die EU hat solche Vorschriften übernommen um Waren in die USA liefern zu dürfen.
Sowas wird man nicht leicht wieder los.

Steckt da nicht möglicherweise die Absicht dahinter auf diese Weise “Vollbeschäftigung” zu schaffen, immerhin kann man mit dem Thema Arbeitsplätze so ziemlich zuverlässig jede Wahl gewinnen. Die Idee das es auch mit weniger Arbeit möglich wäre gut zu leben ist den meisten Menschen völlig fremd, findet in unserer Kultur so gut wie keinen Raum in der Debatte.

Seit die Verkürzung der Arbeitszeit auf den 8 Stunden Tag erkämpft wurde hat sich nichts mehr getan. Und das ist ja durchaus auch schon lange her. Gerade aus heutiger Sicht wäre ja weniger Arbeit sowohl ökologisch sinnvoller, ökonomisch machbar als auch besser was die Lebensqualität angeht.

Ganz ohne wird es wohl niemals gehen, dazu bräuchten wir Replikatoren so wie in StarTrek und selbst da muss man ja noch die Arbeit leisten z.B. das Essen aus dem Replikator zu holen und auf den Tisch zu stellen.

D.h wird die Utopie “Das Ende der Arbeit” wohl nie eintreffen, aber dennoch kann weniger ja durchaus ein mehr an Lebensqualität bedeuten.

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Meiner Erfahrung nach sind die meisten Bürokraten und Büroarbeiter unfähig und man könnte die reine PC-Arbeit in 10% der Zeit erledigen, in der sie heutzutage geschieht. Darauf scheint aber niemand hinzuarbeiten. Ich muss drauf hoffen, dass neuere Generationen effizienter sein werden, ein Umdenken geschehen wird oder die Technologie voranschreiten wird. Davon halte ich den Generationenwechsel am wahrscheinlichsten, habe aber prinzipiell keine Belege, wie gut oder schlecht Teenager mit PCs sind.

Im Gegensatz zur Landwirtschaft und der fertigenden Industrie liegt also hier die Wand vornehmlich am Benutzer, an zweiter Stelle am Vorgesetzten, der aufgrund seiner eigenen Unfähigkeit nicht die Ineffizienz erkennt und an dritter am Entwickler, und nicht an den technologischen Möglichkeiten an sich.

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Diese Erfahrung beruht auf was?

Zum Beispiel habe ich einen Verwandten, der in Rumänien in einem Büro arbeitet. Er beschwert sich immer, dass die Arbeit so furchtbar langweilig sei, weil er nur ein-zwei Stunden pro Tag tatsächlich arbeitet und den Rest sich irgendwie beschäftigen muss. Grund hierfür ist, dass seine Kollegen durch Unwissen die abstrusesten Arbeitsvorgänge erfinden und den ganzen Tag mit sowas wie, keine Ahnung, Ausdrucken von Dokumenten, Ausfüllen und wieder Einscannen verbringen. Von elementaren Dingen wie “wo finde ich dieses Dokument im PC??”, komplett chaotischen Ordnerstrukturen, obwohl man seit mehr als einem Jahrzehnt am PC arbeitet, ganz zu schweigen. Das führt dann auch zu osteuropäischen Phänomenen, dass er gegen Bestechungsgeld innerhalb von zehn Minuten ein Dokument erstellt, statt dass die Person, die das Dokument benötigt, ne Woche oder so drauf warten muss.

Habe natürlich auch einige Leute in Deutschland beobachtet, wie sie einen PC bedienen, und es sieht nicht gut aus. :confused:

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Da muss ich dir aber sowas von klar wiedersprechen… Ich kenne genug Software, die auf Grund von UI/UX und anderer technischer Unzulänglichkeit viel arbeitsaufwändiger ist eigentlich nötig.
Ich erinnere mich da an Netzwerkadministration mit manueller Intervention, weil die Software schlicht zu unzuverlässig war. Es wäre ein entspannter Büro-Job mit paar Stunden am Tag sich um Massen an Rechnern zu kümmern, wenn man nicht regelmäßig zu den Geräten hin müsste um manuell irgendwas zu machen. So als Beispiel.
Es wäre eigentlich nen geiler 450€ Job, aber stattdessen werden zwei Vollzeitkräfte benötigt, die nur sinnlose Arbeit machen.

Teilweise bildet Software auch stark komplexe Sachverhalte ab, die man eben durch genaue Eingabe erfassen muss etc.

Also ja es gibt inkompetente Leute, aber häufig ist es die benötigte Abstraktion oder einfacher Betriebsbildheit der Entwickler im Stil “Mit Windows XP hat das immer funktioniert!” oder “Wir sind Marktführer. Wofür dann Software besser machen?” also sprich die technischen Rahmenbedingungen für den Zeitaufwand notwendig.

Davon abgesehen darfst du nicht vergessen wie Behörden z.B. arbeiten. Been there done that.

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Ja das kommt ja noch hinzu! Ich sprach bisher von klassischem Word-Dokumente ausfüllen, da sollten wir uns ja einig sein, dass die UI angemessen ist.

Natürlich ist besonders in Deutschland jeder Beteiligte durch die Bank tendenziell unfähig. Hier ein Beispiel: der Prozess des "neuen Kunden anlegen"s in einem deutschen Unternehmen, der immer die gleichen 13 Schritte braucht und fehleranfällig ist, so dass man manchmal alles nochmal nachprüfen und korrigieren muss, weil ja Menschen Fehler machen, statt dass einfach alles mit einem Knopfdruck default gesetzt wird. Was für ein Scheißdreck und das wird seit mehr als einem Jahrzehnt tagtäglich so benutzt, und niemanden interessierts. Weder Benutzer, noch Chef, noch Entwickler.

(Habe die irrelevanten Teile der UI ausgeschnitten und die Tastatur bedeutet eintippen)

Also das entspricht gar nicht meiner Erfahrung. Bei vielen Bürojobs ist die PC-Arbeit auch gar nicht zentral. Oft müssen Akten gelesen oder Unterlagen geprüft werden. Oft steckt die Kompetenz auch darin, den “Computer” zu überlisten, der mit einer neuen Situation nichts anfangen kann.

Gerade Unternehmen würden so eine Verschwendung gar nicht zulassen. Vor allem weil viele Arbeiten ein Konzentrationslevel erfordern, dass gar nicht so lange ununterbrochen aufrecht erhalten werden kann.

Erfahrungen in der Piratenpartei Deutschland.

Amerika?
Die erste DIN - Norm erschien am 1. März 1918

Die ISO 9000 -Normreihe hat ihren Ursprung in der britischen Norm BS 5750, deren Entwicklung auf den militärischen Bereich zurückzuführen ist. (1979)

Nachtrag: 1963 gab es in den USA das erste “Produkthaftungsurteil”.

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Also eine sehr persönliche, nicht auf einer breiten Wissensbasis beruhende Erkenntnis?

Wie viel hast Du was diesen Punkt angeht von digitalen Arbeitsabläufen den so mitbekommen? Also selbst? Bei sagen wir Mittelständlern und Großkonzernen hier in Deutschland?

(Beitrag wurde vom Autor zurückgezogen und wird automatisch in 24 Stunden gelöscht, sofern dieser Beitrag nicht gemeldet wird)

Ja es stellt sich natürlich immer die Frage, ob ich einen “bias” durch ein zu kleinen, “random sample” meiner Erfahrungen habe und wann eine “breite Wissensbasis” beginnt. Das obige Beispiel ist aus einem Mittelstandsunternehmen, in dem ich arbeitete.

Ich habe auch Infos über das Vorgehen des “systems architect”, oder wie die Position auch immer heißt, von Bosch. Selbst ich als simples script kiddie habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, was da fast ein Jahr an veritablem bullshit fabriziert wurde, bevor er von der Verantwortung für ein spezielles Projekt entbunden wurde. Zugleich investiert und forscht Bosch ja mächtig in/an IT und AI, aber vornehmlich für seine Kunden. Ziemlich absurd.

Gibt ja auch nicht selten Nachrichten über deutsche IT-fails, hier der Großkonzern Liqui-Moly: Während aber die alte IT auf Cobol-Basis von einem einzigen Mitarbeiter am Laufen gehalten wurde, hakt es jetzt an allen Ecken und Enden: „Wir improvisieren den ganzen Tag, um das Schlimmste zu verhindern.“

Darüber hinaus habe ich durch (Fach-)Informatiker-Freunde auch Einblick in den Alltag der deutschen IT-Geschäftswelt. Sie ist geprägt von einer zum Scheitern verurteilten “haben wir schon immer so gemacht” Attitüde, bestenfalls gepaart mit einer zum Micromanagement degenerierten “Agile” Arbeitsmethode.

Alles in allem also sehr viel Schlechtes und sehr wenig Gutes (vor zwei Tagen hörte ich davon, dass eine Kommune eine AI entwickelt hat, um Gesichter auf Bildern zu erkennen und diese wegen Datenschutz auszusortieren. Sehr cool!). Nicht umsonst macht sich die Welt über IT-Deutschland lustig. Gerade deswegen sehe ich die historische Verantwortung unserer Partei darin, den Saftladen Deutschland aufzuräumen. Durch Kompetenz, durch Bildung, durch Innovation, durch Mut!

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Die Schweigepflicht des Arztes und so Sachen wie Datensschutz fallen dann so einfach mal hinten runter. Das ist dir doch hoffentlich klar?

Die Daten gehören dem Individuum (individuelle Selbstbestimmung) und keiner Versicherung und keinem Arzt. Diese Daten kann das Individuum überall hin mitnehmen und bestimmen ob der Arzt mit diesen Daten arbeiten darf. Das ist der beste Datenschutz. Keine zentralisierten Patienakten beim Arzt oder Leistungsdokumentationen in der Krankenkasse, sondern jeder Patient trägt seine Patientenakte digital mit sich selbst herum, während die Leistungen steuerfinanziert sind.

Die Arzt darf die Behandlungen nur anonymisiert und nicht zuordenbar speichern, um Prozesse zu optimieren und den Algorithmus mit Daten zu füttern.

Daten müssen nicht geschützt sein, wenn sie anonym sind! (Also keiner reellen Person zuordenbar). Das Individuum muss geschützt werden und nicht die Daten. Die Daten können helfen das Individuum zu schützen, wenn sie anonym sind. Dieser Ansatz gilt natürlich immer nur für die Partei die den Vertrauensvorschuss erbringt, demnach für den Agent und nicht den Principal. Macht muss zuordenbar sein oder soweit dezentralisiert werden, dass sie nicht mehr zuordenbar sein muss.

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