CO2-Steuer doch nicht so gut?

Ist die von (fast) allen Parteien geplante CO2-Steuer vielleicht …
gar nicht so gut?

Ich stolpere gerade über diesen Artikel:
TAZ Stefan Schulmeister: CO2-Steuer

Argument: CO2-Preise oder den Emissionshandel verhindern jede Planbarkeit,
weil die Weltmarktpreise für fossile Energien zu stark schwanken. Sie nützen
deshalb gar nichts.

Was wir stattdessen brauchen: Die EU muss die Preise für Erdöl, Kohle und
Erdgas direkt festlegen und dafür sorgen, dass die Kosten für fossile Energie
stetig steigen. Ein Beispiel: Die EU könnte etwa festlegen, dass ein Barrel Öl
im Jahr 2025 genau 100 Euro kostet und ein Jahr später 105 Euro. Liegt der
Weltmarktpreis darunter, wird die Differenz als Steuer abgeschöpft. Der definierte
Preis steigt jährlich, wobei diese Teuerungsrate gar nicht hoch sein muss.
Ein jährliches Plus von 5 Prozent würde schon reichen.

Vorteil: Klare Planbarkeit und Sicherheit für jeden Investor.

Nachteil: Planwirtschaftliche Preissteuerung.

Aber: Der Markt hat hier klar versagt. Denn der Markt kann die Schäden, die
durch die CO2-Emissionen entstehen, nicht von selbst „einpreisen“.

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Ich neige dieser Argumentation zuzustimmen, und bin dafür, für eine begrenzte
Zeit so eine Preissteuerung für fossile Brennstoffe zu etablieren. Was sagt ihr?

…und wer leidet dann wieder unter den künstlich erzeugten Preiserhöhungen?
Diejenigen, die eh nicht viel haben, aber auch Transport oder heizen mit fossilen Energieträger angewiesen sind.
Nein, damit meine ich nicht nur die Autos. Auch der Nahverkehr fährt vorwiegend mit Diesel. Jede Erhöhung der Kosten trrifft auch die Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs.

Wie werden die meisten Mehrfamilienwohnungen beheizt?
Wer kauft die Produkte aus Kunststoff, welche sich auch verteuern werden? (auch recyceltes Kunststoff muss produziert werden)

Fazit: Steuern auf Energieträger treffen immer zuerst die Armen am stärksten.

Besser: Alternative Energieträger stärker fördern oder sogar vorschreiben. Sind denn schon alle Dächer mit Solar ausgestattet (ob jetzt Solarthermie oder Photovoltaik), um nur ein Beispiel zu nennen.

Gruß
Andi

Das trifft doch bereits auf die derzeitige CO2-Abgabe zu. Meinem Eindruck nach sind dadurch die Endverbraucherpreise wesentlich stärker gestiegen, als rein durch die Abgabe erklärbar. Wenn dem so ist, machen den Gewinn andere.

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Aus Öko Gründen hat Deutschland mit einen der höchsten Strompreise Weltweit. Die Folge ist dann das die ganzen Rechenzentren z.B. in Frankreich direkt an der Grenze zu Deutschland entstehen, ist günstiger so. Hab meine Server ja auch im Ausland gemietet, aus gründen…

Bei CO2 Kosten das gleiche, dann wird der ganze Krempel halt erst recht in China produziert und das Know How und Wohlstand geht hier verloren. Zu Lasten der Arbeiterschicht. Das Grüne Establishment kann es sich dann ja vielleicht noch leisten im 40.000 Euro Tesla Ökolokisch korrekt zur Arbeit zu fahren oder gleich ganz daheim im Homeoffice zu bleiben. Die nicht so gut betuchte Arbeiterschicht schaut dann gleich in vielfacher Hinsicht in die Röhre.

CO2 wird so keines gespart, wenn mehr in Indien/China produziert wird wo sich ohnehin kein Schwanz darum sorgen macht. Aber was solls, Hauptsache das Grüne Moralbürgertum hat ein reines Gewissen weil Sie politisch korrekt gewählt haben…

Aber da kommt halt auch die Grüne Technik Verachtung ins Spiel. Anstatt CO2 Freie Technologien und Forschung an Technologien massiv zu fördern und so deren Konkurrenzfähigkeit im Markt zu erhöhen wird eben auf Moralpredigten gesetzt und eine Politik gefahren welche die Unterschichten zum Verzicht zwingen soll. Aber Marktwirtschaft funktioniert eben nicht nach moralistischen Prinzipien, da setzt sich die günstigste Technologie durch. Wer die Anbietet hat dann eben die Führerschaft am Weltmarkt wer Sie nicht hat bleibt abgeschlagen zurück…

Also, wo und wie kann Deutschland dabei helfen eben jene Spitzentechnologien zu entwickeln welche auch dafür sorgen das diese in China oder Indien alte CO2 Technologien ersetzen weil nach marktwirtschaftlichen Prinzipien günstiger und besser ?

Mit einer Moralistischen Verzichtspolitik werden wir da jedenfalls rein gar nichts erreichen weil sich der Rest der Welt dafür einen Scheißdreck interessiert, dadurch werden wir allenfalls alle ärmer aber sonst nichts. Ich denke, das ist so ein Punkt wo Piraten ja durchaus das Potential hätten die bisherige Öko Politik mal richtig anzugreifen.

Investieren wir doch besser 1 Billion um jedes Hausdach in der EU mit Solar Anlagen zuzupflastern, dadurch wird sicher mehr Arbeit und Investitionen angestoßen werden als dafür zu sorgen das alles immer teurer wird. Steigen die Lebenshaltungskosten haben die Leute auch weniger Geld um in ihre Zukunft zu investieren oder irgendwas an den Start zu bringen, davon hat doch niemand etwas.

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Die AG Umwelt hat sich schon vor 1 1/2 Jahren gegen einen pauschalen CO2-Preis ausgesprochen, da es sehr viele Argumente gegen einen solchen gibt.
Der wichtigste: Das eigentliche Ziel wird verfehlt.

Das ist so nicht richtig.
Aus “Öko”-Gründen beträgt die EEG-Umlage derzeit 6,5 Cent von 32 Cent für “Öffentlichen Strom”.
Der private Strom vom Hausdach beträgt derzeit zwischen 6 und 7 Cent.
Die 6,5 Cent EEG-Umlage sind, aufgrund ihrer Berechnungsmethode, auch kein Hinweis auf Mehrkosten in gleicher Höhe und enthalten zudem hohe Einspeisegewinne da im Solarboom die Einspeisevergütungen zu spät abgesenkt wurden.
Werden die Atomkraftwerke in D abgeschaltet, sinkt das Stromangebot, der Marktpreis erhöht sich und entsprechend sinkt die EEG-Umlage.
Anfang der 30er Jahre sind die Verträge mit hohen Einspeisevergütungen zudem vollständig beendet, während bereits jetzt Erneuerbare billiger einspeisen als Kohle und Atom.
In Summe senken Erneuerbare die Energiekosten der gesamten Menschheit massiv und gehören zu den besten industriellen Erfindungen seit der Dampfmaschinen, mit dem Zusatznutzen, dass mit diesen minimalen Anfangsinvestitionen ein großer Beitrag zur globale Klimakrise gelöst werden kann.

Wenn China oder die USA schneller in der Dekarbonisierung sind, sollte auch dort der Stahl und Zement gekauft werden.

1957 gab es 600.000 Beschäftigte in der Steinkohleindustrie an der Ruhr.
Nennt sich Strukturwandel.

Verbraucherverhalten ist aber genausowenig marktwirtschaftlich orientiert, sondern eine Mischung aus Moral (“Grauschleier in der Wäsche”) und 0,99 Cent.

Von staatlicher Seite muß man da gar nichts investiert werden, man muß nur die Beschränkungen aufheben, mit denen, siehe oben, Kohlearbeitsplätze subventioniert und erhalten werden sollen.
Kein PV auf dem Schuldach dient einzig dazu Strukturwandel zu verhindern und Kohlearbeitsplätze zu subentionieren, denn der Strom vom Schuldach wäre viel billiger als der vom öffentlichen Netz.

Das liegt auch daran, dass der Ölpreis gleichzeitig wieder gestiegen ist. Und natürlich haben die Konzerne die staatliche Erhöhung dazu genutzt, den Preis anzuheben. So nach dem Motto: Was wir vorher nicht geschafft haben, läßt sich jetzt wunderbar mit der staatlichen Erhöhung begründen.

Gruß
Andi

So ist es. Ich habe mal vor Jahren (Jahrzehnten, kann mich nicht genau erinnern) ausgerechnet, dass man den Kohlebergbau sofort beenden könnte; Die gesparten Subventionen hätten locker gereicht, um jeden Kohlekumpel in Frührente zu schicken.

Wird heute sicher nicht viel anders sein.

Gruß
Andi

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Also Deutschland hat den hohen Strompreis nicht wegen, sondern trotz der Energiewende.

Die Regierungen seit 2009 haben es geschafft das EEG und das Strommarktgesetz so zu verbiegen, dass die fossilen Kraftwerke nicht zu viel Konkurrenz ausgesetzt sind und viel Geld in ihre Richtung umgeleitet wird.

Es gibt ein paar ganz einfache Stellschrauben, mit denen der Kohleausstieg ohne einen Cent Steuergelder ganz erheblich beschleunigt werden könnte. Fängt an bei der Redispatchverordnung.

Der CO2-Preis ist auch keine grundlegend schlechte Idee, die Koppelung an einen absoluten Preis ist aber eine. Die Preise für fossile Energieträger sind jetzt in der Achterbahn bis die gesamte Branche hart einschlägt. Es wird jetzt ein Aufschaukeln von sinkendem Verbrauch und daraus resultierenden Preisschwankungen mit Pleiten ganzer Konzerne geben.

Den Ölkonzernen ist das auch definitiv klar, was man daran sehen kann wo die investieren und wo die sich zurück ziehen.

Diesen Markt preislich zu stabilisieren ist eine ganz schlechte Idee, denn die immer stärker werdenden Preisschwankungen werden die Verbraucher viel schneller aus den fossilen Energieträgern treiben, als ein hoher, aber verlässlicher Preis.

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Wenn es doch nur Alternativen zu Kohle gäbe.

(Quelle: Internet.)

Warum werden die Atomkraftwerke abgeschaltet?

Da man

  • seit 50 Jahren unfähig war die Entsorgung zu klären,
  • die Sicherheitsrisiken zu hoch sind,
  • die Betriebskosten immer weiter steigen
  • die Neubaukosten von Atomnkraftwerken immer weiter aus dem Ruder laufen

Tschechien versucht neue Atomkraftwerke zu bauen und bekommt es nicht auf die Reihe, von den Folgekosten ganz zu schweigen.

Aber Nukleria kann ja schon mal einen Plan erstellen, wie sie die 30 Atomkraftwerke über Deutschland verteilen möchte. wenn schon Windräder ein Problem sind.

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Andere, weiter entwickelte Länder hingegen…

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Tschernobyl ist eine internationales Aushängeschild für die russische Atomtechnik.
Wer hat denn die Hülle bezahlt, unter der es brodelt?

Damit kann man bestimmt viele Wähler gewinnen und überzeugen.
Gibt ja einen Grund, warum Du das hier promotest.

Überraschend stellt sich heraus, dass die sowjetische Kerntechnik in den 1980er Jahren noch nicht ansatzweise die Stabilität der Kerntechnik in den 2020er Jahren erreicht hat. Und nun zum Wetter…

Wähler finden Argumente von Menschen, die Ukraine und Russland für dasselbe halten, sicherlich großartig.

Die Kraftwerktechnik der Sowjetunion der 1980er Jahre ist seit Jahrzehnten nicht mehr relevant und spielt daher in der Bewertung zeitgenössischer Kernenergie keine Rolle.

Scheinbar ist Tschernobyl und Fukushima immer noch relevant.
Die führenden Atomtechniker mögen doch bitte einfach mal hinfahren und die dortigen Probleme lösen.
Niemand versteht, warum Sie die dortigen Probleme nicht in den Griff bekommen.
Ist doch alles beherrschbar.

Bitte hier keine Kernkraft Diskussion, das ist nicht das Thema.

Gruß
Andi

Das Thema war die Relation zwischen Brennstoffen und CO2-Preisen, oder?

Damit siehst Du es genau andersherum als der Ökonom Stefan Schulmeister (siehe TAZ-Artikel
ganz oben). Er sagt, dass ein künstlich dauerhaft hoher Ölpreis den Ausstieg aus fossiler
Wirtschaft erheblich beschleunigen würde. Ein ständig schwankender Ölpreis kann durch
entsprechende Derivate oftmals gut ausgeglichen werden - und das tun die Firmen dann auch.
Und der ständig schwankende Ölpreis bietet in den Tiefphasen erhebliche Profite für die
fossile Industrie.