Bricht der Kapitalismus zusammen?

Die Klassische Marixstische Theorie zum Zusammenbruch des Kapitalismus lautet ja das es durch die freie Marktwirtschaft zu einer Massenverelendung und dann zu einer Revolution kommen wird. Das hat sich als grund falsch heraus gestellt denn das Gegenteil ist eingetreten. Nämlich Massenwohlstand und Konsumgesellschaft. Die Vorhersagen der Marxisten/Leninisten waren somit grundlegend falsch.

Dennoch gibt es ja Anzeichen dafür das der Kapitalismus nicht mehr wirklich rund laufen wird. Hier eine Auflistung:

1.) Corona und Pandemien stören Lieferketten und erhöhen Produktionskosten durch Ausfälle von Arbeitern und Logistik.

2.) Krieg und Energieunsicherheit sowie steigende Energiekosten sorgen dafür das das Kapital weniger Geld für neue Investionen übrig hat. Der dem Kapitalismus immanente Wachstumszwang kommt zu einem Ende. Steigende Dividenden/Renditen lassen sich dann für die Kapitalisten nur noch durch Einsparungen oder Preiserhöhungen erwirtschaften (Folge: der allgemeine Wohlstand sinkt).

3.) Diktaturen wie China spielen eine große Rolle auf den Finanzmärkten. Da es in China keine freie Presse oder demokratischen Korrektive gibt haben sich dort gigantische Finanzblasen aufgetan. Siehe z.B. die Pleite von Evergrande und der drohende Kollaps der Immobilien Wirtschaft. In China haben Investoren ganze Großstädte in die Wüste gebaut die jetzt leer stehen und keinen Profit erwirtschaften. kritik an solchen Projekten war wegen der Zensur der Kommunistischen Partei Chinas kaum möglich. So kam es zu gigantischen Fehlentwicklungen am Markt die die Weltfinanzmärkte in die Krise ziehen könnten.

4.) Eurozone: Die EZB weitet ihre Haftung für Staatliche Misswirtschaft immer weiter aus… Die EU Bürger werden also mit ihrem Euro Vermögen für die Schulden der Regierungen aufkommen müssen. Gerade für Populistische Politiker wird es so immer attraktiver Geld zu verschwenden um Wahlen zu gewinnen. Sauber wirtschaften muss man ja nicht mehr weil die EZB wird ja am Ende sowieso einspringen. Finanziert wird das durch “Geld Drucken” und somit Inflationierung von Wohlstand. Wer Geld hat wird dann Immobilien oder Aktien kaufen wollen um der von der EU verbrochenen Inflation zu entgehen, was dann auch hierzulande das Risiko von Finanz und Immobilienblasen erhöht.

5.) Lobbyismus: Märkte werden zunehmend verzerrt weil Großkonzerne mit ihrem Geld die Politik kaufen und korrumpieren können. Ein Beispiel dafür ist der SPD Politiker Gerhardt Schröder der sich von Putin/Gazprom hat kaufen lassen. Aber sicher nicht das einzige Beispiel weil jeder Konzern Lobbyismus betreibt. Mittelständler und Selbständige können das nicht, werden also politisch übergangen und systematisch benachteiligt. So entsteht zunehmend ein “Crony Capitalism”. Also ein Kapitalismus der sich immer weniger durch Leistung/Produktion von Gütern und Dienstleistungen finanziert als viel mehr über Geschäfte und Nähe zur Politik. Großkapital und Politik verschmelzen somit zunehmend miteinander, zuungunsten von kleineren Akteuren und Bürgern.

Die Faktoren 2, 3, 4, Sind von Staaten und Regierungen provoziert und auf Staatliche Interventionen in die Freiheit von Menschen und Märkten zugunsten politischer Interessen zurück zu führen. Faktor 5 wird von Staat und Kapital gemeinsam voran getruieben. Untergräbt aber das funktionieren der freien Marktwirtschaft zunehmend.

D.h meine Frage an euch. Glaubt ihr das der Kapitalismus und Marktwirtschaft unter diesen Bedingungen noch dauerhaft funktionieren werden ? Was muss sich ändern damit es besser läuft ?

Deinen Ausführungen entnehme ich, dass du die alte Wirtschaftstheorie nicht verstanden oder nie hinterfragt hast. sonst wäre sowas nicht im Text gelandet.

Hinter alle dem steht die Finanzmathematik bzw Buchhaltung . Kenner bezeichnen diese als Saldenmechanik. Mit diesem wundervollen Instrument kannst Du versuchen den Nachweis zu erbringen, dass es das Geld der EU Bürger kostet, wenn die EZB ihre Haftung für Misswirtschaft ausweitet.
Besonders würde mich interessieren wie Du die Passivseite der EZB Bilanz bezeichnest und woher diese Mittel kommen …

Nein wirklich - Deine Frage ob der Kapitalismus zusammenbricht und Deine Auflistung sind zwar geeignet Dummbürgern etwas vorzugaukeln, aber geben keine wirklich interessanten Einblicke in die Veränderung der Wirtschaft. die zwangsläufig stattgefunden hat.

Du hast einen Punkt richtig erfasst - es hat sich etwas geändert. Ich würde sagen, der Turbokapitalismus ist auf einem neuen Level.

Es geht heute nicht mehr um mehr Produktion - es geht um mehr Kontrolle.

Wenn ich erkenne, dass Du das alte System verstanden hast würde ich mich dazu herablassen Dir das neue System zu erklären. Vielleicht. Wenn Du mich freundlich fragst .

Finanzmathematik und Buchhaltung sind ganz unterschiedliche Dinge und haben wenig miteinander zu tun.
Und die Saldenmechanik ist jetzt auch 9000 Jahre verstaubt und beruht auf dem einfachen System des Warenein- und ausgangs.

Ansonsten gilt:
Rückblickend betrachtet zeigt sich somit, dass die Gesellschafts- und Wirtschaftsverhältnisse, wie sie Karl Marx zu seiner Zeit vorfand, mit den gegenwärtigen Produktionsbedingungen und einer an demokratischen und rechtsstaatlichen Werten orientierten Gesellschaft heutiger westlicher Industriestaaten nicht zu vergleichen sind. Der Begriff Kapitalismus beschreibt deshalb die heute existierende marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung der westlichen Industrieländer nicht richtig, da der Kapitalismus in seiner reinen Ausprägung seit Langem überholt ist.

Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2016.

Alles verstaubt, hat mit der Gegenwart auch ansatzweise nichts zu tun.
Es ist eine theoretische Diskussion, die unter den Gegebenheiten von 1867 zu diskutieren ist und auch nur diese Zeitspanne betrifft.
Rückschlüsse auf die Gegenwart sind auch nicht ansatzweise möglich.

Man kann auch Corona auf der Grundlage des Wissens von 1867 diskutieren und daraus Maßnahmen ableiten. Wäre dann aber für die Gegenwart völlig unbrauchbar.

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Haha, das wird in jeder Krise erneut ausgerufen:

  Der Kapitalismus sei am Ende, das "System" würde zusammenbrechen.

Das passiert aber nicht. Auch jetzt nicht.

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Was jetzt - HABEN wir noch Kapitalismus oder nicht?

FYI Saldenmechanik.

Wir haben nicht den Kapitalismus von Karl Marx.
Grundlage war die Idee von Adam Smith 1776, dem Gründer der Nationalökonomie, keine Steuern auf Einkommen zu erheben, um nicht den “Gewerbefleiß” und die Beschäftigung von Menschen zu verhindern, Ziel insbesondere die Industrialisierung und die Großindustrie zu fördern.
1871 ist die Finanzverfassung von Bismarck in Kraft getreten, die keine direkten Steuern vorsah.
Im Klartext bedeutet dies, der Ertrag aus Kapital wurde nicht besteuert, während die Arbeit ihre indirekten Steuern zu zahlen hatten.

Dies war die Situation des Kapitalismus, den Karl Marx beschrieb.
Inzwischen hat sich das Steuersystem und die Finanzierung des staatlichen Ausgaben komplett verändert, die nostalgische Sicht, wonach Unternehmen keine Steuern zahlen müssten, hat sich erhalten.
Dies gilt jetzt auch dann, wenn Unternehmen keine Steuern zahlen, denn das “System”, das infrage gestellt wird, sieht Steuerzahlungen für Unternehmen vor.

Eine Diskussion über andere Besteuerungssysteme und Verteilungssysteme stellt die zugrunde liegende ökonomischen Regeln
nicht in Frage.

Der Ansatz dieser Saldenmechanik ist völlig vergurkt, da sie schon von der Theorie her weder Veränderungen in der Weltbevölkerung, noch Wohlstandsvermehrungen abbilden kann.

Wenn 8 statt 2 Mrd Menschen auf der Erde leben dann bedarf es schon schwerer Verrenkungen, um es in einem System abzubilden, das dafür vorgesehen war, den Lagerbestand zu kontrollieren (Zugänge - Abgänge).
Dass 8 Mrd Menschen ein größeres Lager brauchen als 2 Mrd und mehr Waren ein- und ausgelagert werden müssen, sollte schon verstanden werden.
Das ist dann die ewige Diskussion ob Wirtschaft beständig wachsen müssen oder ob ein Lager, das nur für 2 Mrd Menschen vorgesehen nicht auch für 8 Mrd Menschen reicht.
Zur Frage steht nicht, ob überhaupt, sondern wie stark das Lager wachsen sollte und welche Güter und Dienstleistungen eingelagert werden sollten.

Eva ist ja für den Wirtschaftsnobelpreis vorgeschlagen!

Oder doch lieber

https://webinarwelt.siebenlinden.org/s/siebenlinden/yoga-mit-veronique

Die Qual der Wahl.

Ich schlage Dich für den Dreckschleuder Nobelpreis vor.

Völlig sinnfrei den Namen eines Menschen googeln und das Bizzarrometer füttern.

Zumindest ein kapitalistisch geschädigtes Gesundheitssystem!
Mein Mann brauchte gestern ca. 17 Uhr in lebensbedrohtem Zustand eine Notfallaufnahme in einem KH. In erreichbarer Nähe, da über weitere Distanz nicht transportfähig. Drei Kliniken: Keine Chance (“schon 20 Patienten, die nicht behandelt werden können, auf dem Flur”).
Letztlich Notaufnahme zur Erstversorgung vor Ort, d. h. ihn soweit zu stabilisieren, dass er einen Weitertransport aller Voraussetzung nach lebend überstehen könnte.
Seit Mitternacht liegt er in einer 70 km entfernten Klinik auf der Intensivstation und wird beatmet, wurde zunächst versorgt von einem Arzt, der seit 11 Std. im Dienst war.
Noch Fragen?

Wie ist denn die Impfquote bei Euch?

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Na ja - diese Berechnung erfolgen auch VORHER. Deshalb die Frage:

Wie sieht es dann mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechung (VGR) aus? Auch vergurkt?
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung – Wikipedia - dort die zweite Tabelle.
Die 5 Konten – Maskenfall

Gute Besserung für deinen Mann…

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Zumindest als Kapitalismuskritik ziemlich untauglich.
Der Grafik ist zu entnehmen, dass das Vermögen der privaten Haushalte zwischen 1995 bis 2012 stark angestiegen ist, während die Schulden von Unternehmen und Staat stark angestiegen sind.
In den letzten Jahren mit der Geldschwemme der Zentralbanken hat sich diese Entwicklung noch viel dramatischer entwickelt.
Die Grafik sagt auch nichts aus über die Vermögensverteilung und die erworbenen Ansprüche (Renten, Pensionen) breiter Bevölkerungsteile und die Vermögensverteilung zwischen Unternehmen z.B. Alphabet, Apple und einem Automobilzulieferer.
Schlichtweg untauglich, zum Erkennen des eigentlichen Problems, das darin besteht, dass
a) zwischen, aber auch innerhalb von Staaten, Unternehmen und innerhalb von Privatvermögen unterschiedlicher Zugang zu Krediten besteht und
die Vergabe ihre eigentliche ökonomische Aufgabe verfehlt
für eine optimale Versorgung knapper Ressourcen zu sorgen, die letztendlich allen zu Gute käme,
genauso wie
b) die Staaten ihrer Aufgabe nicht nachkommen, innerhalb des Systems für eine optimale Umverteilung und allgemeine Wohlfahrt zu sorgen.

Insbesondere beim Punkt b) erkennt man, dass der mit Kapitalismus gar nichts zu tun hat, sondern einzig eine Priorisierung ist, welche Dinge gefördert werden sollen und welche nicht (Wohlfahrtsstaat).

Die wahre Diskussion ist die, ob es einem Staat nutzt, wenn er Menschen mit Existenznot bedroht, damit die mehr leisten, oder ob dies eher das Gegenteil bewirkt.
Das ist 2022 und nicht diese Marxsche Auseinandersetzung um Kapital und Arbeit.

Das ist ja auch keine Kapitalismuskritik.

Aber es erklärt ziemlich exakt die Gründe für die Krisen des Kapitalismus.

Man könnte dann daraus eine ziemlich fundierte Kritik begründen.
Die Zahlen ansich sind nüchtern und wertfrei.

Auch, wenn an dieser Stelle OT (mir ist momentan jede Ablenkung wilkommen): Zweimal geimpft, zweimal geboostert - dennoch dreimal (verteilt auf zwei Personen) “genesen”, in einem Fall nach schwerer Erkrankung, gefolgt von Long-Covid.
Erkrankung meines Mannes hat aber ohnehin nichts mit Corona zu tun.

Da habe ich dann doch meine Zweifel.
In der Regel ist diese Kapitalismus-Kritik nicht fundiert, sondern oberflächlich.

Du verstehst mich miss, wie hoch ist der Anteil der ungeimpften Coronapatienten in den Kliniken die ihr angefahren habt?

Interessanter Aspekt! Es wurden jedoch keine Kliniken angefahren. Der Rettungssanitäter hat alle KH in unter den Umständen in Frage kommender Entfernung telefonisch kontaktiert, während der Notarzt sich um die Stabilisierung des Patienten gekümmert hat. Die Notfallambulanz, die schließlich der Aufnahme zur Durchführung erster Rettungsmaßnahmen zugestimmt hatte, hat die (ebenfalls telefonische) Suche nach einer Klinik, in die dieser danach verlegt werden konnte, übernommen.
Sobald ich einmal eine kompetente Person, sprich Arzt, ans Telefon bekomme (bisher geht es immer noch nur darum, das Schlimmste zu verhindern) werde ich die Frage stellen.

Ist eine ähnliche Diskussion wie. Bricht die Mathematik zusammen? Nein, natürlich nicht. Kapitalismus wird es mMn noch lange geben. Aber wahrscheinlich nicht mehr in seinen rauesten Form, wie zu Beginn der Industrialsierung. Solange es Geld und Besitz gibt wird es auch Menschen geben, die diesen horten. Nicht unbedingt aus Gier, sondern auch aus Sicherheitsstreben. Der eigentlich Antrieb von Kapitalismus ist mMn das Sicherheitsstreben und Freiheitsstreben des Individuums und nicht die Gier. Da jedoch das Sicherheitsstreben oft in einen Kontrollwahn und das Freiheitsstreben oft in eine übermäßige Gier führt, führt es auf gesellschaftlicher oft zu mehr Unsicherheit. Weshalb, genau wie bei der Demokratie mit den Checks-and-Balances, Mechanismen der Einhegung bestehen müssen und eben auch öffentliche Güter die allen zugänglich sind, denn nur so kann überhaupt gewährleistet werden, dass der kapitalismus dauerhaft funktioniert.

Wenn alles privatisiert ist, funktioniert der derzeitige Kapitalismus nicht mehr und das System erstarrt komplett.
Wenn alles öffentlich ist, dann muss sich die Demokratie und der Kapitalismus grundlegend verändern. Aber das wäre dann ja schon nah Utopia und wehe dieses System kommt dann mal in die Krise. Dann werden es die Individuuen aus ihrem egoistischen Sicherheitsstreben wieder zerpflügen.

  • oder aus Angst. Man hält fest, was von dieser Welt ist.