Auf was für eine kurios-dubiose Art und Weise wurde denn bitte die Vermögenssteuer ausgesetzt?

Mitte der 90er hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Immobilien zu einem unterbewerteten Listenpreis in die Vermögenssteuer eingerechnet werden und das unverhältnismäßig ist. Statt die Immobilien höher zu bewerten, damit sogar eine höhere Steuer erheben zu können und die Verhältnismäßigkeit wieder herzustellen, wurde die komplette Vermögenssteuer abgeschafft. Für mich ist das einfach nur kurios. Habe ich das so richtig in Erinnerung und wie seht ihr das mit der Vermögenssteuer?

Zitat Wiki:

Statt Immobilien, wie vom Urteil gefordert, höher zu bewerten und damit stärker zu besteuern, entschied sich die damalige Bundesregierung, die Vermögensteuer – auch wegen des damaligen Einkommensteuer-Spitzensatzes von 53 % plus Solidaritätszuschlag – nicht mehr zu erheben. Das Vermögensteuergesetz ist aber bisher nicht aufgehoben.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vermögensteuer_(Deutschland)#Aussetzung_der_Steuererhebung_im_Jahr_1997

Randnotiz: Die Einkommenssteuerspitzensatz wurde ja seit die Vermögenssteuer außer Kraft gesetzt auch von 53 Prozent auf mittlerweile 42 Prozent gesenkt. So greift die Argumentation, dass es in der BRD ja einen hohen Einkommenspitzensteuersatz gebe und es aufgrund dessen keine Vermögenssteuer brauche nicht mehr. Die Argumentation, dass es aufgrund von einer hohen Einkommensteuer keine Vermögenssteuer brauche, finde ich sowieso etwas daneben.

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Wie immer sind solche Sachen sehr kompliziert.

Immobilien liefern vielfach keine Rendite.
Landwirte haben z.B. große Grundstücke deren Wert erheblich sein kann, die aber nicht genug Ertrag liefern um dafür eine Vermögenssteuer zu zahlen.

Manche “Reiche” besitzen Waldflächen in Naturschutzgebieten, die bringen überhaupt keine Einnahmen, verursachen aber Kosten.

Wer sein Leben lang für eine Eigentumswohnung gespart hat um im Rentenalter keine Miete zahlen zu müssen, findet es sicher nicht spaßig dafür dann Vermögenssteuer zu zahlen.

Wie willst du denn Immobilien als Vermögen bewerten?
Wenn du Pech hast steigen die Preise für Grundstücke und Wohnungen durch Spekulation so sehr an, dass du plötzlich Vermögenssteuer zahlen sollst. Wer ist denn befugt den aktuellen Zustand zu begutachten und was soll so ein Gutachten kosten?

Nö, eigentlich nicht. Das Problem war nur, dass die Immobilien zu niedrig bewertet wurden. Immobilien an sich zu bewerten ist nicht sonderlich schwer. In zahlreichen Ländern gibt es Vermögenssteuern, die auch Immobilien bewerten z.B. in den USA.

Das ist die typsiche Arumentation von Politikern. Wenn man etwas nicht verändern möchte, behauptet man einfach es sei zu kompliziert.

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In den USA findet man es ja auch ok Immobilienbesitzer über die Vermögensteuer zum unterwertigen Verkauf zu zwingen und sich dabei zu bereichern.

Den Satz verstehe ich nicht. Eine Vermögenssteuer zwingt niemand dazu seine Immobilien zu verkaufen. Vermögen sind ja nicht nur Immobilien sondern auch Sparvermögen, Aktien etc. m

Oder Leute die für die Rente Aktien/Fonds kaufen, da würde es einige schon hart treffen wenn es dann X% Steuern im Jahr kosten würde Aktien zu halten die zwar evtl im Wert stabil sind aber keine Dividende erwirtschaften. In der Konstellation wäre eine Vermögenssteuer dann ungerecht. Zumal es bei Wertpapieren ja bereits die Kapitalertragssteuer gibt, eine zusätzliche Vermögenssteuer wäre somit eine Doppelbesteuerung.

Daher macht es schon mehr Sinn die Einkommen zu besteuern und da wäre genug zu holen vor allem wenn man mal die Steuerschlupflöcher für Konzerne schließen und Steuerparadise trocken legen würde.

Zudem, bei Vermögenssteuer würden mehr Leute heimlich Gold bzw. Bitcoin usw horten um dem zu entgehen… Gibt ja genug Möglichkeiten Werte zu erwerben ohne das es der Überwachungsstaat merkt, die ehrlichen würden also am Ende zahlen und nur die.

Und wie willst du die Vermögenssteuer bezahlen, wenn du eine Immobilie besitzt die keinen Kapitalertrag bringt?

woher hat man die? Kriegt man die geschenkt wenn man eine Immobilie hat?

Stell dir vor du hast etwas außerhalb einer Stadt eine Hütte und lebst dort als Selbstversorger.

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Die Steuer wird dann eben vom Einkommen erhoben. Aber normalerweiße hat jeder Sparvermögen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand der Vermögen in einem so hohen Wert hat, dass es für die Vermögenssteuer in Betracht kommt, kein Sparvermögen hat.

Nenne mir doch mal ein konkretes Beispiel für eine Vermögenssteuer von 1 Prozent ab einer Millionen Euro Vermögen, wo eine Immobilienbesitzer dazu gezwungen ist seine Immobilie zu verkaufen und zudem noch unter Wert zu verkaufen.

Jemand besitzt eine Immobile von 1 Millionen Euro. Das sind dann 10.000 Euro im Jahr. Das könnte dann entweder als Schuld die irgendwann abbezahlt werden muss aufsummiert werden oder vom Sparvermögen abgebucht werden. Kommt dann drauf an, wann derjenige die betreffende Steuerschuld begleichen will.

Wie wurde es denn bis Mitte der 90er gemacht? Da hat es doch auch funktioniert.

Nenn da doch mal ne Summe?
Hier gibt es Rentner die mit 30 auf Kredit eine Immobilie für 100.000 DM gekauft haben und die kurz vor der Rente mit dem abzahlen fertig waren. Da die Großstadt in der Nähe inzwischen gewachsen ist und es eine starke Nachfrage gibt würde ein Verkauf möglicherweise 500.000 € bringen.
3% Vermögenssteuer wären dann 15.000 € im Jahr. Da ist die Rente dann zu einem großen Teil weg.

Ich würde das integrieren. Eine Kapitalertragssteuer ist ja so etwas wie eine spezifische Vermögenssteuer. Also nicht eine doppelte Steuer, sondern eine umfassendere Vermögenssteuer, statt einer so spezifischen Vermögenssteuer, wie der Kapitalertragssteuer.

Das ist doch heute bereits so.

Es macht schon Sinn nur tatsächlich erzielte Gewinne zu versteuern. Sonst würde man ja all jene bestrafen die langfristig investieren wollen.

1 Prozent ist bestrafen? Finde ich eine etwas verqueere Denk- und Sichtweise.

Nö, nur Wachstum zu besteuern erzeugt keine gerechtere Gesellschaft. Um eine gerechtere Gesellschaft zu erzeugen, muss es immer an die Substanz gehen, da die Vermögensverhätlnisse ja bereits ungerecht verteilt sind.

Wenn jemand 2 Prozent Gewinn macht und mit 1 Prozent besteuert wird, dann macht er weniger Gewinn, aber Gewinn. Wenn er hingegen keinen Gewinn macht und mit 1 Prozent besteuert wird, dann macht er 1 Prozent Verlust. Das nennt man dann aber auch: Vermögen verpflichtet (dazu etwas mit diesem Vermögen zum Gemeinwohl einer Gesellschaft beizutragen und in einer kapitalistischen Gesellschaft ist das nunmal Gewinn.).

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Meine, dass sie das mit überbordender Bürokratie begründet haben, was ihnen aber bei der sehr erfolgreichen Schröpfung des “kleinen Mannes” noch nie ein Grund war auf Bürokratiewahn zu verzichten.

Zweierlei Maß, das die Wohlstands-Schere auch wieder verstärkte.

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Ne, sie haben das mit einer hohen Einkommenssteuer begründet. Es war allgemein schwer zu begründen warum die Vermögenssteuer ausgesetzt werden sollte. Die damalige Regierung hat das dann auf ziemlich absurde Art und Weise mit dem vermeintlich hohen Einkommensspitzsteuersatz (der dann auch ein paar Jahre später gesenkt wurde) begründet. Die Vermögenssteuer kann ja auch gar nicht komplett abgeschafft werden, da sie im Grundgesetz festgeschrieben ist.

Die Vermögenssteuer ist der wirksamste Hebel um zu große Schieflagen der Vermögensverhältnisse zu korrigieren. In den 90er, 00er und 10er Jahren dachte man es könne ohne gehen. Und jetzt schau sicher einer Mal sich die Vermögensverhältnisse in der BRD an…

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vermögensverteilung

Die Ungleichverteilung des Vermögenns in der BRD liegt bei einem Gini-Koeffizienten von über 80 Prozent. Das ist ein Spitzenvwert in der EU.

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Wirklich schäbig. Einen vorgeschobenen Grund für (neue) Kapital-/Konzern- oder Staatsdiener-Privilegien finden sie immer.

Eines muss man immer bedenken. Mit einer Einkommenssteuer kann man nur bestimmen wie schnell die Ungleichheit wächst d.h. wie schnell die Schere auseinandergeht, mit einer Vermögenssteuer hingegen, kann die Ungleicheit substanziell reduziert werden, d.h. wie weit soll die Schere zwischen Arm und Reich noch auseinander gehen? Will man da keine Grenze? Dann braucht es auch keine Vermögenssteuer.

Ohne eine Vermögenssteuer ist die Ungleichheit in der BRD quasi zementiert. Der Zement ist in diesen Verhältnissen zwar noch nicht ganz trocken, aber es fällt zunehmend schwerer sich darin zu bewegen.

Bsp. Wenn der Rentner die Summe von 15.000 innerhalb von einem Jahr bezahlen muss, kann er dann ja einen Kredit aufnehmen z.B. bei der KfW, die dann dazu verpflichtet wäre ihm einen Kredit ohne Zinsen zu geben.

By the way mir würden 1 Prozent schon reichen. Das wären dann 5.000 Euro pro Jahr bei einer Immobilie im Wert von 500.000 Euro. @CraWler hat bei dem Punkt, dass diejenigen die längerfristig inverstieren geringen kurzfristigen Gewinn machen schon recht (meistens zumindest). 2 Prozent ist z.B. bei längerfristigen Investionen die Regel und wenn man dann noch drei Prozentpunkte abzwacken müsste. ware das mMn zu viel.

Immobilien haben aber teilweise schon noch höhere Wertzuwächse. In Berlin lag z.B. der Vermögenszuwachs einer Immobilie von 2018 auf 2019 bei knapp 15 Prozent.

Quelle: https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/deutschland/finanzen/preise/immobilienpreisindex

Dein Rentner müsste dann in deinen Beispiel zwar einen Kredit aufnehmen, aber er hätte dann im nächsten Jahr trotzdem noch 60.000 Euro Gewinn gemacht, denn seine Immobilie wäre 575.000 Euro Wert. Vorausgesetz sein Immobilie steht in Berlin.

Ist dir klar, dass diese Zahlen nicht vergleichbar sind?
Italien hat eine kapitalgedeckte Rente, die zum Vermögen hinzugezählt wird.

Deutschland hat eine staatlich umlagefinanzierte die nicht als Vermögen gezählt wird.

Die Standardrente eines abhängig Beschäftigten in Deutschland liegt währenddessen bei nur 1.538,55 Euro monatlich

Dazu müsste jeder ca. 450.000 € für eine Kapitalgedeckte Rente ansparen.
Dieses “virtuelle” Vermögen müsstest du (alterskorrigiert) dazuzählen um vergleichbare Werte zu haben.

Dann wird auch deutlich warum Deutsche tatsächlich “reicher” sind als Italiener.

Was kommst du jetzt auf einmal mit Italien und bleibst nicht bei dem Beispiel, dass du selbst vorgebracht hast?

Das ist doch hier gar nicht der Punkt. Das ist Whataboutism. Ich habe von einer Vermögenssteuer geredet, die auf Vermögen erhoben wird und nicht von einer Steuer auf eine umlagefinanzierte Rente. Dann müssten ja eine Versicherung besteuert werden und das geht ja nicht. Es geht nur bei privatem Sparvermögen.

Zuerst “Zu kompliziert” und jetzt “Whataboutism”.

Aktuell fordern auch viele, dass CoronaProfiteure (Amazon & Co. und auch einige hohe Staatsdiener) einen Sonderbeitrag zugunsten von Coronageschädigten leisten sollten! Solidarität!