"Attentat aus dem Internet" in Halle und die Ideologie der rechten 'internet hate machine'

Ein offensichtlich psychisch Kranker hat sich mit rechter Ideologie á la 4chan/8chan /pol/ vollgesogen und sich aufgemacht, in Halle gegen das Weltjudentum in den Krieg zu ziehen. Er ging also am Yom Kippur (höchster jüdischer Feiertag) zu einer Synagoge, scheiterte aber bereits an der Eingangspforte, die zugesperrt war und auch seinem selbstgemachten Sprengstoff widerstand. Also begann er auf zufällige andere Ziele zu schießen, wie etwa eine Passantin, die ihn wegen der gescheiterten Sprengversuches anmotze, sowie ein Dönerladen gegenüber, etc. Zwei Menschen sind gestorben.

Ich bin auf die Reaktion der Medien und Kommentare von “Experten” bezüglich des “Internet-Rechtsterrorismus” gespannt. Das Schlimmste, was sie tun könnten, ist dieses /pol/ Phänomen weiter zu dämonisieren, indem sie Verbote etc. fordern und generell eine Hexenjagdstimmung bereiten. Aufgrund des extrem hohen Niveaus von Wahn in jenen /pol/ Kreisen (Bilderberg/Juden/Reptilien kontrollieren alles, Endzeitstimmung, letzter “epischer” Kampf des Guten (/pol/) gegen das Böse (fast alles andere)) wird ja alles so interpretiert, wie es der /pol/ Perspektive genehm ist.

Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren, als /pol/ komplett irrelevant war, ist nämlich der Hass des mainstreams auf /pol/ eines der wenigen, tatsächlichen, im Echtleben beobachtbaren “Beweise”, dass die /pol/ Ideologie korrekt sei. Denn wenn der mainstream /pol/ bekämpft, kann es ja laut /pol/ nur daran liegen, dass sie der Wahrheit auf der Spur sind. Und je mehr /pol/ vom mainstream dämonisiert wird, desto “epischer” wird der “Endkampf” und desto mehr /pol/ “Märtyrer” werden sich finden. Die Gemeinsamkeiten zwischen /pol/ und ISIS Terroristen in Brutalität und Stil sind ja nicht zufällig.

Warum es sinnlos wäre, mit Verboten und Hexenjagden zu reagieren, kristallisiert sich an einer anderen Front heraus. Warum würde überhaupt jemand an eine solche Ideologie glauben? Früher, also vor 50 Jahren, war es möglich, als Mechaniker eine Familie zu ernähren und ein Haus zu bauen. Früher konnte man einfach fast wahllos in eine Firma gehen und einen Job bekommen. Jetzt muss man selbst als Putzkraft erst ein mehrstufiges HR-Screening durchlaufen, um dann einen Job zu haben, mit dem man sich höchstens über Wasser halten, aber sich nicht wirklich selbst verwirklichen kann. Bei /pol/ sind bequemerweise die Juden daran Schuld und entsprechend oberflächlich sind die vorgeschlagenen Lösungen (Juden vernichten, etc.).

Aber das bisherige Narrativ, dass mit der Zeit die Lebensqualität besser werde, ist allgemein nicht mehr haltbar. Es gibt bereits jetzt ein schier unendliches Reservoir an enttäuschten, jungen Männern (“Losers”) in westlichen Gesellschaften, was sich ja auch in den Gelbwesten und Protesten in Hongkong äußert. Wenn solche Loser eine wie auch immer geartete Disposition für “Märtyrertum” haben, dann wird sie sich wahrscheinlich auch äußern, denn radikale Ideologien gibt es mehr als genug. Und das Internet als “Walhalla der Märtyrer” wird auch nicht verboten werden können. Statt Dämonisierung brauchen wir einen Ersatz für das verloren gegangene Narrativ, welches die Gesellschaft zusammenhielt, aber jetzt dermaßen falsch ist, dass ziemlich einfach Verschwörungstheorien daraus gedreht werden können.

Mit den Narrativen auf dem “Markt” sieht es nicht gut aus. Der mainstream ist wesentlich neoliberal und mit der Fixierung auf Rang und Konsum wesentlich sinnentleert. Auf linker Seite scheint die wesentlich neoliberale und ziellose amerikanische Empörungsmaschinerie vorzuherrschen, in der man als “weißer Mann” regelmäßig Buße tun müsste, um die Götter der Gleichheit zu besänftigen (check your privilege). Auf rechter Seite gibt es eine Betonung des Traditionellen und Starken, und das Zelebrieren von Sündenböcken (Merkel, Flüchtlinge), aber darüber hinaus gibts da auch nichts zu holen, erst recht nicht innovative Antworten auf die Fragen unserer turbulenten Zeit.

Wir brauchen also ein neues liberales Narrativ. Wir müssen uns und anderen aufzeigen, wofür wir kämpfen müssen, wir müssen den Leuten zeigen, dass wir prinzipiell das gleiche Ziel verfolgen, wie die gegen Korruption kämpfenden Tschechen und die gegen Entmündigung kämpfenden Hongkonger. Unsere Vision einer gerechten Gesellschaft muss irgendwie Substanz bekommen, damit er den Menschen da draußen verdaulich wird. Denn zwischen all den Narrativen da draußen (und drinnen) ist das Piratennarrativ bei weitem das Beste: jeder kann nach seinen Kräften produktiv an unserer rationalen Vision einer freien und gerechten Gesellschaft mitwirken.

Während ich dies schrieb, äußerte sich auch ein Redakteur der FAZ zum Thema:

Traurige Wahrheit ist doch, dass sich rechtsextremistische und antisemitische Gefährder in Deutschland schon seit Jahren wieder frei im Bodensatz der Gesellschaft bewegen können, einem Bodensatz, der nicht nur in Sachsen-Anhalt politisch Morgenluft wittert.

Klassisch wird das Attentat lediglich lokal in Deutschland verortet als Rechtsextremismus und Antisemitismus. Mal sehen, was die Politiker dazu sagen werden.

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Auf den Punkt gebracht. Relativierungen wie “Checke Deine Privilegien” haben noch niemals etwas gebracht. Schlimmer noch, damit wischt man die Ursachen einfach vom Tisch und lenkt vom eigentlichen Thema ab. Ein Thema das ich den linken Gruppierungen schon häufiger versucht habe zu erklären, dass sie eben genau das Gegenteil dessen erreichen als das was sie eigentlich wollen. Und vermutlich auch hier werden wieder einige Deinen Text und meine Antwort als Affront auffassen und mit “Hufeisentheorie” antworten. Dabei ist genau dieses Verhalten der Nährboden dafür, dass sich Menschen die eben nicht (ZUM BEISPIEL!!!) “Refuges Welcome” rufen und von Linken Gruppierungen deswegen als Anti*-ismus-*irgendwas abgestempelt werden, sich deswegen anderen Gruppen zuwenden. Gruppen die zuerst einmal zuhören. Die Rechten sind nun mal die besseren Bauernfänger. Zuerst hören sie zu, dann kommt die Hirnwäsche. Woher kommt denn der Zulauf zu denen die nicht genannt werden sollten? Weil es alle Rechte sind?

So lange das Gebrüll innerhalb dieser Partei selbst nicht aufhört wird sich da leider wenig ändern. Schlimmer noch, es wird weitere radikalisieren. Denn wer sich versucht zu wehren, zudem öffentlich, wird noch heftiger angemacht als das so schon der Fall ist. Denn jede weitere Erklärung führt seitens diverser Gruppierungen nur dazu jede Antwort als Beweis für rechtes Gedankengut umzudeuten.

Und bevor ich mich deswegen weiter in Rage schreibe, beende ich das hier. Ich weiß ja wer jetzt auf der Bildfläche und mit welchen (Schein-) Argumenten auftaucht.

Ich hab ein paar Artikel auf FAZ, NZZ, taz und SPON gelesen. FAZ und NZZ scheinen sich auf die Medien einzuschiessen, auf denen das Video des Attentäters existiert(e): Twitch, Telegram, pr0gramm (lol), etc. Anscheinend mit dem komplett unrealistischen Ziel, die Verbreitung solcher Videos durch z.B. Uploadfilter zu verunmöglichen. Dass es unrealistisch ist, geben sie selber zu: “Leider gibt es immer wieder Menschen, deren Sensationsgier groß genug ist, nach Gewalttaten zu forschen.”

Politiker aller Parteien schieben wiederum die Verantwortung auf die AfD. Als ob die AfD für /pol/ verantwortlich wäre oder das Attentat nicht geschehen wäre, wenn es die AfD nicht gäbe. z.B.:

“Große Mitschuld” an dem Anschlag sieht auch SPD-Politiker Karl Lauterbach bei der AfD. Er schrieb bei Twitter: “Es ist die Hetze der AfD, die dem Rechtsextremismus eine politische Stimme gab. Durch diese Hetze fühlen sich einzelne Verbrecher legitimiert, ihre Grausamkeiten zu begehen. Den Hetzern der AfD wollen die Verbrecher, auch der in Halle, gefallen.”

Der Attentäter machte nicht umsonst sein Video und seine “Schriften” auf Englisch. Die AfD ist pro-Israel, das macht sie für /pol/ Dogmatiker zu einer ‘kontrollierten Opposition’. Eigentlich erbärmlich, wie man mit so einer Selbstgewissheit ein nie dagewesenes Internetphänomen lokal einer deutschen Partei zuordnen will.

In einem Pressespiegel las ich nur einen klugen Satz von der italienischen Repubblica:

Das Feuer der Intoleranz ist zurückgekehrt, um in unseren Ländern mit einer nie zuvor gesehenen Gewalt zu brennen. Das von Halle ist kein Einzelfall. Und man kann es nicht auf eine Episode des Wahnsinns reduzieren. Wir stehen stattdessen vor der schwersten Bedrohung unserer Demokratien."

Sofern die Leute mal anfangen würden, auch außerhalb der Partei zu brüllen, wäre uns schon mal sehr viel geholfen. Das ist nämlich das Wesentliche, was uns fehlt.

Ich hab mich auch massiv radikalisiert, seit dem ich in die Partei eingetreten bin. Ich habe selten so viel sinnloses Geschwätz, solch verhärtete Fronten wegen Belanglosigkeiten und Befindlichkeiten erlebt, und selten einen solchen unnötigen Niedergang durch ineffiziente Strukturen gesehen. :thinking:

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Ich weiß, dass Piraten einige Problemchen haben, das ist kein Geheimnis. Aber was du hier beschreibst ist nichts ungewöhnliches. Auf solche Dinge treffe ich tagtäglich bei allen möglichen Situationen. Und Piraten sind auch nur Menschen, welche “die selben” Probleme wie alle anderen Menschen der Welt auch haben.

Ansonsten kann ich Flummi auch hier nur recht geben. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum ich weder rechts, noch links in der Regierung sehen möchte.

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Ausgerechnet T-Online hat bisher den mit Abstand besten Artikel dazu geschrieben.

Hier ein zwei Stunden alter Artikel aus der FAZ mit Informationen des Londoner Zentrums zur Erforschung von Radikalisierung und politischer Gewalt, die ihr aber schon gestern hier gelesen habt. Ha! 8)

„Das Verhalten ist untypisch für deutsche Neonazis“, sagt Neumann.

Vielmehr bestehe kein Zweifel daran, dass B. tief in der virtuellen Subkultur internationaler rechter Netzwerke und der mit ihr teils verknüpften Gamer-Szene verankert gewesen sei.

An traditionelle rechtsextreme Zirkel muss einer wie B. gar keinen Anschluss haben, sagt Juliane Wetzel … „Das ist in Zeiten des Internets gar nicht mehr nötig“: Die Extremisten holten sich aus dem Netz, „was ihnen in den Kram passt“.

„Viele der jungen Männer, die dort unterwegs sind, bezeichnen sich selbst als Loser, weil sie keine Frau abbekommen haben oder weil sie im Leben nicht erfolgreich sind“, sagt Neumann.

Der Terrorismusforscher fürchtet, dass sich für die deutschen Sicherheitsbehörden damit ein neuer Typus potentieller Attentäter zeige, mit dem sie bis dato nur selten konfrontiert gewesen seien.

Das schreit ja förmlich nach einem Musterpolizeigesetz.

Einer der Gründe, warum ich in die Piratenpartei eingetreten bin, war, dass im Frühjahr von Politik und Medien wegen Tarrant versucht wurde, Anonymität im Internet zu kriminalisieren und mit lächerlichen Argumenten alle anonymen Imageboards und die gesamte Gamerszene inklusive steam reinzuziehen. Und das nicht von irgendwelchen Schundmedien, sondern in der NZZ und im ARD “faktenfinder”.

Dieses mal haben sich die Medien aber - zu meinem Erstaunen - hauptsächlich mit Twitch und Telegram beschäftigt, auf denen - oh Wunder - Videos verbreitet werden können. Das Internet scheint in Deutschland tatsächlich immer noch Neuland zu sein.

Ich habe hier noch einen Super Artikel zum Thema gefunden. Seehofer wollte ja mal wieder die Gamerszene damit angreifen.

Daran sollten wir uns mal ein Beispiel nehmen. Rhetorisch als auch Sprachlich.

Guter Text.

In diesem Text will ich erklären, wieso wir in Zukunft die Äußerungen von Politikern häufiger als Bullshit bezeichnen sollten, um ein konstruktiveres Umfeld zu schaffen für die Diskussionen, die ja geführt werden müssen.

Da bin ich natürlich sofort dabei. 8)

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Naja, Seehofer ist ja nicht doof. Es ist durchaus möglich das er sich gut bewusst ist das das was er da redet Bullshit ist. Aber er kommt damit eben in die Massenmedien, vor allem wenn es viel Gegenwind gibt. Damit sammelt er dann Stimmen bei der nächsten Wahl.

Seine Ausführungen richten sich wohl auch eher an die Zeitungslesenden Rentner die selbst wohl noch nie ein Game angerührt haben und ihm dann Zustimmen. Ist doch eben CDU/CSU Strategie, das sind alte Leute Parteien. Populismus gegen Gamer fällt bei deren Basis nicht negativ auf.

Drollig finde ich es dann nur wenn Sie sich wundern warum Sie bei den u30 Wählern so schlecht abschneiden und dann meinen das liese sich mit ein paar “coolen” YouTube Videos schon irgendwie richten…

Ich glaube das nicht, und das steht auch nicht im Widerspruch mit dem Rest deiner Erklärungen, dass er halt Dinge für alte Leute sagen muss, damit er “Kompetenz” beweist.

Habe ein paar weitere aktuelle Artikel zum Thema gefunden, die sehr gut verschiedene Perspektiven und Interessen beleuchten.

Weisband:

Ich glaube, in erster Linie müssen die Netzwerke von Rechten besser verstanden werden. Das was Szenekenntnis heißt, klassischerweise, ich weiß irgendwie, wie die rechte Szene in Thüringen sich organisiert, muss übertragen werden auf das Internet, denn heutzutage haben wir es mit einer globalen rechten Szene zu tun, die eine komplett andere Sprache spricht als diese klassischen Dorf-Neonazis und die komplett eine andere Kultur unter sich hat und auch andere Radikalisierungsmechanismen. In diesem Paket steht jetzt wirklich gar nichts von einer Fortbildung von Behörden, von einer Ausweitung des Personals beim Kriminalamt. Das macht mich skeptisch.

Die wichtigste Maßnahme im Bereich der Prävention wäre ein Demokratiefördergesetz. Das bedeutet, dass wir im Moment in Deutschland viele Projekte haben, wundervolle, richtige Projekte, die genau richtig Jugendliche an Digitalisierung heranführen, die Aussteigern aus der rechten Szene helfen, die politische Bildung betreiben, die mit Jugendlichen in abgehängten Landstrichen arbeiten. Aber alle diese Projekte können nur modellhaft gefördert werden. Das heißt, gefördert werden, wo die ersten paar, wenn man Glück hat, Projektlaufjahre, und danach sind die Projekte auf sich selbst gestellt, was natürlich Quatsch ist, weil es an dieser Stelle überhaupt kein Geld zu verdienen gibt.

Politologe Dierk Borstel:

tagesschau.de: Reichen die Maßnahmen der Bundesregierung aus, um Rechtsextremismus wirkungsvoll zu bekämpfen?

Dierk Borstel: Nein, das reicht natürlich nicht. Es sind einzelne Mosaiksteinchen, die mir sinnvoll erscheinen. Aber es ist auch viel dabei, was ich als symbolhaft bezeichnen würde. Und vor allem fehlen mir auch ganz zentrale Elemente. Es ist der Versuch, mit reiner Repression auf die zunehmende Radikalisierung zu reagieren. Dabei wissen wir seit sehr langer Zeit, dass das in der Form nicht funktionieren wird.

tagesschau.de: Dennoch ist das Internet ein Ort, an dem sich gerade Rechtsextreme radikalisieren. Wie kann man das verhindern?

Borstel: Alle diese Menschen hinterlassen Spuren im Netz - man muss sie nur finden. Im Bereich Islamismus gelingt das in einigen Internationalen Projekten auch relativ gut. Deshalb wäre es sinnvoll, dass wir Projekte entwickeln, wie sie auch zur Bekämpfung von Islamismus bestehen, die solche Spuren entdecken und sie auch zu lesen wissen.

Dabei muss man versuchen, in der Phase, wo solche Menschen sich gerade erst radikalisieren, kommunikativ an sie anzudocken - und sie zu deradikalisieren. Das ist eine wichtige Vorarbeit für spätere mögliche Ausstiegsprozesse. Das ist technisch und inhaltlich nicht einfach. Ich glaube auch nicht, dass Behörden das können - deshalb sollten sie sich auch externe Unterstützung dazuholen.

Ich bin aber überzeugt, dass es funktionieren kann. Denn wenn so ein Mensch erst einmal ein geschlossenes Weltbild entwickelt und sich möglicherweise bewaffnet hat, ist es zu spät.

Während dessen im “Investigativjournalismus” der ARD:

Der Berliner Rechtsextremismusforscher und Experte für Gender Studies Andreas Hechler sieht in diesen abgeschotteten Räumen eine große Gefahr. “In einem nennenswerten Ausmaß gibt es junge, heterosexuelle Männer, die der Ansicht sind, ihnen stünde etwas zu - etwa eine Freundin -, und die sich benachteiligt fühlen.”

Diese kämen dort in bestimmte Kreise, die ihnen sagten: “Ja genau, Schuld daran ist der Feminismus”, sagt Hechler. Zugleich beobachtet er in diesen Foren auch einen sehr starken Rassismus. “Da wird geschrieben: Ja, du hast nicht nur keine Freundin, dein Leben sieht auch sonst nicht so gut aus. Schuld daran sind die Ausländer, Schuld daran sind Juden, die das alles irgendwie orchestrieren und managen.” Nach und nach bilde sich so ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild heraus.

Der Hass auf Frauen wirkt demnach also wie eine Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus, in diese Welt der Verschwörungen. Der Frust, keine Freundin zu haben, hat auch den Täter von Halle geprägt - und offenbar radikalisiert.

Bei seiner Vernehmung beklagte er, dass Männer wie er auch deshalb keine Frau abbekämen, weil Ausländer sie ihm wegnehmen. Er sei ein “unzufriedener weißer Mann”, gab er zu Protokoll. Er war sozial isoliert, oft tagelang im Netz abgetaucht. “Man sollte auch von antifeministischem Terror sprechen”, sagt Hechler. Das werde in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen.

Das wird die feministischen Berufsopfer freuen. Lässt sich gleich mehr Kohle einstreichen.