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Aleatorische Beteiligung (durch Zufallsauswahl)


#1

Es wird immer deutlicher, unsere repräsentative Demokratie mit gewählten Delegierten ist alles andere als repräsentativ. Das Übergewicht von juristisch assoziierten Mandatsträgern ist ein offensichtlicher Trend. Der um sich selbst drehenden Machterhalt von Parteien und Mandatsträgern drängt sich den Bürgern auf, die mit Parteien- und Politikverdrossenheit reagieren.
In der Geschichte haben sich über viele Jahrhunderte Verfahren bewährt, Gremien nach Losentscheiden zu besetzen - aleatorische Demokratie.
In der Zusammensetzung von Gerichten mit Schöffen / Jury hat sich zur Wahrung von Unabhängigkeit und Repräsentativität das Zufallselement noch erhalten. Könnte das wohl helfen, systematisch auch in unseren politischen Systemen, möglicherweise auch innerhalb der Partei, durch Zufallsauswahl neuartige Zugangsmöglichkeiten zur politischen Beteiligung zu ermöglichen?
Es werden schon jetzt in vielen Statuten bzw. Bürgerbeteiligungsverfahren neben verfassungsmäßigen Gremien, die verantwortlich Entscheidungen treffen, beratende Gremien installiert, die durch zufällige Auswahl jedenfalls eine Repräsentativität eher annähern als durch Wahlen.
Ich denke, die Diskussion um Basisdemokratie hat gezeigt, dass alle alles mitbestimmen wollen, aber letztlich doch nicht in allen Details.
Tja, wie sind hier Einschätzungen? Liegen Erfahrungen vor?


#2

“Repräsentativ” - Finde den Fehler…
Ich dachte die Piraten wären schon darüber hinaus und hätten auch schon das geeignete Instrument, mit dem Internet, um über die repräsentative Demokratie hinweg zu kommen. Und ein zufälliges Los ist nie wirklich zufällig, denn die ausgewählten, zufälligen Personen haben vllt überhaupt kein Interesse daran in einer strikt formalen Institution, wie einem Parlament zu sitzen d.h. die Personen die zufällig ausgewählt werden müssen dann auch noch den Willen haben und der ist nicht zufällig. Zudem werden die zufällig ausgewählten Personen, wenn sie sich dafür entscheiden im Parlament zu sitzen, Teil des Systems. Der Mensch lebt ja (hoffentlich) nicht in der Vergangenheit und muss sich den neuen Begebenheiten anpassen, bevor er etwas verändern kann. Der Bäcker oder Maurer muss sich also juristische Kenntnisse aneignen um überhaupt etwas verändern zu können.

Fazit: In einer institutionalisierten Demokratie kommt man nicht an einem juristischen Grundverständnis vorbei.

Repräsentative vs. direkte Demokratie
Da schneiden sich repräsentative Demokratie und direkte Demokratie mMn. Mein Ideal von direkter Demokratie ist weitgehend entpersonalisiert und minimal institutionalisiert. Mit Entpersonalisiert meine ich, dass Themen und Objekte eine größere Rolle spielen, als deren Vertreter. Menschen als Subjekte, handeln selbst. Die beste Demokratie ist die, in der potenziell alle Menschen mitbestimmen können und den Individuuen somit die größtmögliche Selbstbestimmung gibt.

PS: Wer definiert eigentlich Zufall? Wir sind ja auch schließlich alle zufällig geboren. Die Juristen die derzeit im Parlament sitzen, sind irgendwann auch mal weitgehend zufällig aus Spermium und Eizelle entstanden. Inwiefern sie dann später (nach der Geburt) zufällig Jurist geworden sind, ist eine andere Frage.


Piraten gegen Parität ?
#3

Ich sehe da große Chancen, wenn auch nicht notwendigerweise in einer Zufallsauswahl der Regierungsmitglieder.

Nachdem ich insgesamt 15 Jahre in der Schweiz gelebt habe, bin ich kein allzu großer Freund mehr von direkter Demokratie, da diese den Nachteil hat, dass Menschen über Dinge entscheiden, von denen sie keine Ahnung haben, und am Ende meistens derjenige gewinnt, der für seine Seite das größte Werbebudget aufbringen kann.
Dafür gibt es auch gute Gründe: Jeder, der sich hier bei den Piraten engagiert, weiß, wie viel Arbeit es ist, sich genügend Informationen zu beschaffen, um eine vernünftige Entscheidung zu treffen, egal zu welchem politischen Thema.
Da gefällt mir der Gedanke, für soche Fragen (also alles, was man auch per Volksentscheidung machen könnte), per Zufallsprinzip Menschen auszuwählen, die man anschließend mit genug Zeit ausstattet (u.A. durch eine Gehaltsfortzahlung oder dergleichen), dass sie sich in Ruhe und fundiert zu dem gefragten Thema informieren können, um anschließend eine Entscheidung zu treffen.
Dass Alltagsfragen (“politisches Tagesgeschäft”) sich dafür weniger eignen, halte ich für evident, auch, weil sonst niemals jemand mit den Konsequenzen einer Entscheidung umgehen muss (das muss dann ja die nächste zufällige Gruppe), aber auch, weil die tausend kleinen Dinge gut Fachleuten überlassen werden können. Insbesondere, wenn man ähnlich wie in der Schweiz das Referendum gegen Regierungsentscheidungen erlauben würde.

Ob man die Regierung aus Zufallskandidaten besetzen sollte… Ich fürchte, dass das zwar das Problem des wiedergewählt werden wollens eliminiert, nicht aber die Verlockungen lukrativer Anschlussbeschäftigungen bei wohlwollendem Stimmverhalten. Und ob das Thema Wiederwahl die (zumindest manchmal anzutreffende) Kompetenz wettmacht, weiss ich nicht, bezweifle ich aber.


#4

Piraten sind darüber hinaus - mit einem Bundesparteitag offen für alle Mitglieder und Tendenz zu jeweils regional geprägten Entscheidungen? Mit einer virtualisierten Beteiligung aller bei allem? Nur ganz wenig haben dazu Lust, der Anteil bei Auslosungen scheint allerdings geringer zu werden und auch wenn nicht alle wollen, sind die Interessen alles anteilig besser vertreten.
Establishment wird vermieden, da immer neu gelost wird - Timo Rieg schlägt vor, auch die Dauer der Legislatur auszulosen. https://www.heise.de/tp/features/5-Jahre-Bundestag-Eine-schlechte-Idee-3363939.html
Wenn man politische Entscheidungen Experten überlässt, setzen sich deren Interessen durch - zusammenfasend Reiche werden immer reicher - obwohl die Prognoseleistung kaum nennenswert ist - mit dem Ergebnis, dass Erfolge indiv. belohnt und Scheitern sozialisiert wird. Die Kompetenzfrage müsste man genauer ansehen. Jedenfalls: Anstatt vom Allgemeinen ins Spezielle muss das Recht gerade umgekehrt vom Speziellen ins Allgemeine entwickelt werden.
Demokratie kann man am Mitbestimmen von Allen festmachen, dass das mit der Durchführung von allgemeinen Wahlen nicht erledigt ist, damit habe ich dieses Thema begonnen. Man sollte Demokratie daran messen, wessen Interesse sich in der Verteilung der Ressourcen (=Politik) durchsetzt.
PS: Ich sehe keinen Grund dafür, weil Menschen zufällig in verschiedenste Völker und Schichten hineingeboren werden, daraus besondere Rechte und Vergünstigungen für Einzelne abzuleiten.


#5

Ich würde das modifzieren in: “Wenn man politische Entscheidung Repräsentanten überlässt, setzen sich deren Interessen durch.”

Die Interessen dieser Experten und Repräsentanten sind ja nicht per sé schlecht, sondern oft einfach zu beschränkt, da die Welt komplexer ist, als das was sich in den Köpfen dieser Experten abbildet.

Habe ich das gesagt? Die Intention meiner Aussage war: Nur weil man zufällig ein Mann oder eine Frau ist sollte man nicht benachteilgigt oder bevorzugt werden bzw. die Interessen, welche ein Jurist vertritt sind nicht per sé schlechter oder besser als die Interessen eines Bauarbeiters. Beide sind Menschen und sind weitgehend zufällig aus der Befruchtung einer Eizelle entstanden.


#6

Es stört Euch hoffentlich nicht, wenn ich Eure Lotterie jetzt wenig prickelnd finde.
Die Evolution hat sich solche Mühe gegeben und ein so reichhaltiges Sortiment zur Verfügung gestellt aus dem man aktiv auswählen und ausgewählt werden kann und ihr kommt jetzt mit einer “Lotterie” um die Ecke.
Sebst der vermeintliche Zufall auf der letzten Distanz findet doch auch nicht unter sportlich fairen, gleichen Bedingungen statt.
Rettet die Bienen.


#8

Es überlebt aber nicht die Biene, die irgendeine Blume anfliegt.


#10

Dann ganz konkret:
Findet ein Insekt bei den Blüten einer Pflanzenart genügend Nahrung besucht es immer wieder Blüten der gleichen Art.

Das Modell Auswahl ist erfolgreicher als das Modell Zufall.