Abstimmungen auf BPTs, aber nicht digital...ist das piratig?

Ich möchte an der Stelle mal, etwas provokant, zugegebenermaßen, die Frage in den Raum werfen, wie piratig es ist, dass wir, als quasi erklärte Digitalkompetenz in Parteiform, viele Dinge, die wir dem Staat ankreiden und ihn dafür schelten, uns mokieren und darüber lustig machen, selbst übrigens halt auch nicht hinbekommen. Ich möchte das am Beispiel der Mitbestimmung tun.

Wichtigen Kram, wie z.B. die Vorstandswahl etc. kriegen wir, ganz wie die “analogen Altparteien”, nur auf BPTs hin. Man muss vor Ort sein. Ob man kann oder nicht und ob man will oder nicht. Es wird genügend Piraten geben, die aus beruflichen, finanziellen, gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht zu BPTs kommen können oder wollen. Von wichtigen Entscheidungen allerdings schließen wir die aus. Ohne Not, möchte ich meinen. Wir haben mit LimeSurvey ein Tool, das man da nutzen könnte. Tun wir aber kaum. Warum?

Ich hab das jetzt absichtlich nicht fein ausgearbeitet und hoffe auf interessanten, erleuchtenden Input hierzu.

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Desweiteren: Man muss anwesend sein um zu kandidieren. Wieso kann man sich nicht mit YouTube-Videos vorstellen und kandidieren?

Habe mal ein normales Thema daraus gemacht; das Q&A-Format passt glaube ich nicht so gut.

Da hat das Parteiengesetz was dagegen, was aber natürlich nicht ausschließt, dass wir die Wahlen und Abstimmungen online vor dem BPT vorbereiten. Da gab es früher viel mehr; vieles ist eingeschlafen, weil es einfach keiner mehr gemacht hat.

Das gab es schon. Wir hatten beim letzten BPT ein Kandidaturvideo, weil nicht klar war, ob der Kandidat rechtzeitig vor Ort sein kann.

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Könnte daran liegen :wink:
https://www.gesetze-im-internet.de/partg/__9.html Punkt (4)
Der Parteitag wählt den Vorsitzenden des Gebietsverbandes, seine Stellvertreter und die übrigen Mitglieder des Vorstandes, die Mitglieder etwaiger anderer Organe und die Vertreter in den Organen höherer Gebietsverbände, soweit in diesem Gesetz nichts anderes zugelassen ist.

Dazu kommt das Personenwahlen geheim stattzufinden haben. Und geheime, nachvollziehbare und sichere Wahlen bekommt man online nicht hin.

Das ist falsch, wir haben schon mehrere Kandidaten in Abwesenheit gewählt.

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Huch, nicht aufgepasst :slight_smile:

Gut, schreiben wir das mal dem nicht ausgearbeitet zu und dem Umstand, dass ich jetzt tatsächlich nicht der Fachmann fürs Parteiengesetz bin :slight_smile:

Und Vorstandswahlen sind ja nun nicht das Einzige, was so an wichtigen Abstimmungen passiert. Einiges davon könnte man sicher auch eine viel breitere Basis (mit)entscheiden lassen als nur jene, die halt zum BPT kommen können.

Insgesamt ginge da sicher mehr, als wir bisher tun. Und auch Vorstandswahlen ließen sich bestimmt entsprechend vorbereiten. Bin jetzt wie gesagt nicht der Jurafachfritze, aber, wäre nicht vielleicht evtl. denkbar eine “Wahlempfehlung” via LimeSurvey vorab zu machen? Am Ende zählen zwar eh wieder nur die Stimmen der vor Ort Anwesenden, aber evtl. wärs ja cooler, eine - wenn auch gesetzlich nicht verbindliche - repräsentativere Aussage zur Besetzung des BuVo zu haben?

Sicher, dafür müsste man auch erstmal die Teilnahme an solchen Abstimmungen boosten, schon richtig :slight_smile: Wenn der gemeine Feld-, Wald- und Wiesenpirat allerdings das Gefühl bekommt, dass seine Stimme auch gehört wird, könnte ein solcher Boost ja durchaus geschehen…

Wenn man dezentrale Parteitage macht, muss man jede Abstimmung auszählen, dann wird das mit dem digitalen Abstimmen interessant.

Dezentral Parteitage sind eigentlich nach dem Klimanotstandsbeschluss logisch, weil die Anfahrtswege kürzer werden.

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Die Online Personenwahl ist Technisch nicht machbar (bei einhaltung der Gesetze).
Alle anderen Entscheidungen durchaus. dafür sollen wir ja irgendwann mal den BER ups. BEO bekommen.
Wobei ich mittlerweile eher dafür währe beides einzustampfen. Verschwendung von Ressourcen und Zeit.

Mit der Piratenpartei ist sowas eh nicht zu machen.

Das ist nicht provokant, es ist schlicht und ergreifend eine ehrliche Frage die man so stellen darf.

Weil eine Thematik der Piraten der Datenschutz ist. “Leider” gibt es hier so viele Profis die eben genau wissen, dass man dem eigenen Code nicht trauen kann. Eine sichere Abstimmung kann keiner gewährleisten, da Menschen Fehler machen. Auch Programmierer. Das ist unser Problem. Die Angst der Rückverfolgbarkeit zu den gemachten Abstimmungen ist größer als die Angst etwas falsch zu machen. Für mich aus verständlichem Anlass im übrigen.

Es gab hier mal einen der versucht hat das Problem aktiv anzugehen. Es gab ein schlüssiges und umsetzbares Konzept. Ich müsste suchen wer und wo das hier im Forum mal zu lesen war. Offenbar war das scheinbar nicht gewollt, sonst würde man hier öfter etwas von den Arbeiten dazu lesen.

Datenschutz? Ja ich weiß, es klingt blöd und erscheint bisweilen auch mir als handele es sich nur um eine Ausrede. Ich verweise an der Stelle mal auf einen Fakt, der von den Piraten ja seit einiger Zeit vollständig ignoriert wird:

https://stallman.org/discord.html

Wenn wir Menschen zwingen ihre Daten zu verkaufen, sind wir nicht besser als alle anderen. Wir können nicht Wasser predigen und selbst den Wein saufen, nur weil es uns einfacher erscheint. Es genügt wenn wir die Social-Medien bespielen, weil da die “User” sitzen, wir müssen nicht auch noch neue Kanäle öffnen, die noch mehr Überwachung gewährleisten.

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Informationelle Selbstbestimmung. Datenschutz von oben nach unten ist konservativ. Wer garantiert mir das meine Daten geschützt werden, wenn das System nicht transparent ist?

Das ist überhaupt nicht piratig.

Nicht aller Datenschutz ist Informationelle Selbstbestimmung. Wir haben als Gesellschaft ein Interesse daran, dass es keine gläsernen Bürger gibt, die einfach manipulierbar sind, weil die schädlichen Auswirkungen davon auf Demokratie und Gesellschaft nicht selbst diejenigen treffen, deren Daten gar nicht verarbeitet werden.

Konkretes Beispiel? Ich kann mir keinen Datenschutz vorstellen, der nicht informationell selbstbestimmt ist.

Wer nicht wisse oder beeinflussen könne, welche Informationen bezüglich seines Verhaltens gespeichert und vorrätig gehalten werden, werde aus Vorsicht sein Verhalten anpassen. Sieht man ja an der Piratenpartei selbst:

Beispielsweise Cambridge Analytica: Selbst wenn betroffenen Menschen freiwillig mitgemacht hätten, muss eine Manipulation von Wahlen durch personalisierte Wahlwerbung trotzdem verboten sein. Demokratie kann nicht funktionieren, wenn die politische Werbung jedem die Message präsentieren kann, die sie/er gerne hört, völlig unabhängig von allen anderen.

Zweites Beispiel: Wenn fast alle Menschen freiwillig ihre DNA in eine Fahndungsdatenbank abgeben, wäre jemand, der dies legalerweise selbstbestimmt verweigert ständig irgendwelchen Verdächtigungen ausgesetzt.

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Rhetorische Frage: Gibt es nicht einen Unterschied zwischen Daten und Information? Ja, Information sind verknüpfte Daten.

Somit beinhaltet informationelle Selbstbestimmung dein Beispiel auch. Nicht der Datenschutz umfasst die informationelle Selbstbestimmung, sondern umgekehrt die informationelle Selbstbestimmung umfasst auch den Datenschutz.

Nochmal zusammengefasst: Die informationelle Selbstbestimmung umfasst wesentlich mehr als der Datenschutz und nicht umgekehrt.

Oder nochmal anders Formuliert: Datenschutz gewährleistet nicht unbedingt informationelle Selbstbestimmung.

Da bin ich nicht einverstanden:

Im Beispiel mit den Wahlen basiert das mein Problem nicht darauf, dass irgendeine Information über jemanden bekannt ist oder nicht bekannt ist, sondern darauf, dass Information über andere Menschen benutzt werden, um diese anderen Menschen zu manipulieren und wir deshalb nicht mehr in einer Demokratie leben.

Im Beispiel mit der DNA-Datenbank basiert die Diskriminierung nicht auf Information über mich, sondern auch dem Fehlen von Information.

Beide Beispiele illustrieren, dass massenhaft Informationen Menschen für jemanden schädlich sind, der gar nicht direkt betroffen ist. Deshalb reich informationalle Selbstbestimmung alleine gerade nicht aus. Gewisse Datenverarbeitungen müssen verboten sein, selbst wenn die betroffenen Personen informiert und freiwillig zustimmen.

Zunächst werden Daten gesammelt und dann daraus Information erzeugt und nicht umgekehrt. Mit Daten kann Information erzeugt werden, die dem einzelnen Akteur gar nicht bewusst sind. Wenn dem Akteur diese Information nicht bewusst ist, kann er sie auch nicht schützen. Ich würde, wenn überhaupt, von “Informationsschutz” sprechen.

Da Informationen in einer freien Gesellschaft nicht geschützt werden sollten, sollten sie transparent gemacht werden.

Ziemlich offtopic gerade finde ich.

Aber immer noch im Kontext der Frage, warum wir nicht digital abstimmen.

Gruß
Andi
Moderator

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Finde ich auch. Datenschutz ist an sich und für sich eben nichts wert, wenn nicht entweder die allg. Information geschützt wird oder die allg. Information transparent gemacht wird.

Jein. Ich verstehe das als Erklärung der Beteiligten, warum sie Schmerzen mit digitalen Abstimmungen haben/hätten. Teile ich nicht zwingend in jedem Fall, ist aber imo schon noch on topic, wenn auch in der Tat etwas langatmig :slight_smile:

Ich würde auch nochmal zwischen allgemeiner Information und individueller Information unterscheiden. Allgemeine Information sollte transparent gemacht werden und individuelle Information geschützt werden. Desweiteren müsste eigentlich auch noch zwischen Prozessinformation und Ergebnisinformation unterschieden werden.

  • Was bringt es ein Ergebnis zu kennen, z.B. 42, wenn man nicht weiß, wie derjenige da drauf gekommen ist?