5G - Piraten pro/contra?

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#1

Ahoi,

da die 5G-Lizenzbörse soweit in Tüten sein dürfte - brauchen wir 5G (zumindest aktuell, nicht potenziell)? Die üblichen Argumente sagen nette Sachen wie höhere Geschwindigkeit, größerer Datendurchsatz in immer kürzerer Zeit, geringere Wartungs- und Haltungskosten, aber die Gegenseite bringt gesundheitliche Risiken durch EM-Strahlung, stark verdichtetes Sendernetz mit dementsprechendem Platz- und Strombedarf und drohende Obsoleszenz aktueller Mobiltelefontechnik ins Feld. Welche Aspekte habe ich vergessen, und wie wird die Situation hier eingeschätzt? Nur weil ich im Moment keinen Aspekt der neuen Netzgeneration nutze heißt es ja nicht, dass es nicht gut sein kann. Finden wir einen auch nach außen kommunizierbaren Konsens, oder ist das Thema fernab jeder Partei- und pure Wirtschaftskonzernentscheidung?

Cheers.


#2

Die Sendeleistung der Basisstationen ist nicht besonders hoch (unabhängig ob 4G oder 5G), das bewegt sich in der Größenordnung von 10W. Wenn man nicht direkt mit dem Gesicht vor der Antenne steht hat das keine belegten negativen Auswirkungen auf den Menschen, da die verwendeten Frequenzbereiche nur eine Erwärmung des Gewebes verursachen aber nicht ionisierend sind. Durch den Abstand von einigen zehn bis hundert Metern ist aber auch die Wärmeleistung extrem gering, vielleicht ein paar Nanowatt. Das Endgerät selbst hat einen deutlich größeren Effekt, allerdings ändert sich da von 4G zu 5G zunächst einmal auch hier sich nicht wirklich etwas, weder von den Frequenzen (2GHz 3,4GHz und 3,7GHz waren jetzt in der Frequenzauktion, das sind SHF-Frequenzen wie sich auch jetzt schon verwendet werden) noch von den Leistungen (die eher niedriger werden).
Auf Dauer soll 5G dann auch mit Milimeterwellen (60GHz z.B.) genutzt werden können, für deutlich höhere Bandbreiten. Diese sind in den verwendeten Leistungen auch nicht gefährlich, werden allerdings deutlich leichter von allen möglichen Gegenständen abgeschirmt, weshalb sie praktisch eine Sichtverbindung zwischen Basisstation und Endgerät erfordern. Das heißt, dass wirklich ein sehr engmaschiges Netz an Basisstationen notwendig ist. Auch die Anforderung an die Endgeräte wird hier sehr hoch, da diese Beamforming (Abstrahlung der Sendeleistung in eine bestimmte Richtung) unterstützen müssen.

Einer der Hauptvorteile ist die verringerte Latenz (gerade für die Echtzeitsteuerung relevant). Das größte Problem ist IMO die gesteigerte Komplexität.

Das ist in erster Linie einfach erst einmal nur technischer Fortschritt. Politisch relevant sind eben die Randbedingungen, also gerade wieder die Netzabdeckung, hier insbesondere die Versorgungssituation in ländlicheren Bereichen, die Frequenzvergabe (verhindern von Oligopolen) und die Fragen, die sich durch neue Nutzungsmöglichkeiten ergeben (angefangen von der Sicherheit über Überwachungsprobleme etc.).


#3

Parteikonsens könnte sein (oder ist es vielleicht sogar - ich kenn’ das Programm nicht so gut wie Thomas Ganskow), dass Netzausbau her muss und JA - bis die letzte Milchkanne versorgt ist. Ob mit 5G oder anderen Technologien, sollte erst einmal dahingestellt sein. Es gibt in der 200.000+ Einwohnerstadt Halle/S. immer noch Gegenden, in denen 2 MBit/s DSL angesagt ist. Die Telekom dazu: Wir haben da noch ein geiles LTE-Angebot; kostet halt ein paar Münzen mehr pro Monat. Solange die Frau mit dem Flugtaxi derartige Machenschaften duldet, wird sich auch nix ändern.
Was 5G angeht - technischer Fortschritt ja natürlich- @S3sebastian hat die technischen Hintergründe ja sehr gut erläutert. Das Fortschreiten mit 5G wird sich in DE allerdings, vermute ich, mit schweizerischer Gelassenheit vollziehen. Ich persönlich halte das Ganze für eine riesige Sprechblase und befürchte nicht einmal das vorzeitige Ableben aktueller Smartphones, weil sie technisch sehr bald überholt sein könnten.
Summa summarum: Ich meine, wir sollten uns nicht so sehr TECHNISCH zu 5G positionieren, sondern vielmehr allgemein zum im Schneckentempo voranschreitenden Netzausbau, zu den Mechanismen, wie dieser behindert wird. Ich befürchte, 5G wird - anders als von unseren Führungspolitikern suggeriert - auch mittelfristig keine wesentlichen Fortschritte in der Netzabdeckung bringen. Man wird sicher bald ein paar 5G-Leuchttürme installieren, sich auf die Schulter klopfen und verkünden: “Guckt mal, was wir können!” Und der Rest der Welt wird uns weiterhin belächeln oder sogar in Mitleid verfallen.


#4

Ich würde sagen klar pro :slight_smile:

Nicht der Geschwindigkeit wegen, eher wegen der Latenz. Bei dem großartigen Zustand des Netzausbaus in Deutschland ist es vielerorts ja so, dass man kabelgebunden (FTTH, Kabel, Kupfer) eher leer bis lachhaft mies angebunden ausgeht. Mein Heiminternet z.B. ist ein absurd teurer LTE Flatvertrag, da das alte Kupferkabel hier lachhafte 2 MBit/s liefern kann und das wars dann. FTTH ist bestellt und angeblich auch ausgebaut, aber liefern kann die Telekom scheinbar noch nicht, weder die Webseite noch deren eigene Tools können meinen Anschluss finden, obwohl das Kästchen längst in der Wohnung hängt. Onlinegaming oder jedwede Anwendung, bei der es auf wenig Latenz ankommt, ist damit alles Andere als Spaß. DAS Problem würde 5G, vernünftig ausgebaut natürlich, beheben.

Ich kann ehrlich gesagt keinen vernünftigen Grund finden, weshalb man unbedingt gegen 5G sein müsste, lasse mich aber im Zweifel gerne eines Besseren belehren :slight_smile: