Hi Leute,
so, ich bin zurück von der Buchmesse. Ja, es war sehr vielversprechend, danke der Nachfrage. Jetzt können wir weiterdiskutieren.
vinci hat geschrieben:Offenbar versucht sich Arne Hoffmann nun von Teilen seines Netzwerkes zu distanzieren, dass er selber aufgebaut hat, weil es ihm gerade strategisch gegeben erscheint.
Na endlich. Ich dachte schon, diese Unterstellung käme überhaupt nicht mehr.
Das Schöne an diesem Vorwurf ist erstens, dass so gut belegbar ist, dass er nicht stimmt. Und zweitens kommt man damit vom Arne-Hoffmann-Bashing vielleicht mal wieder zur Sachdebatte und vor allem zum Thema dieses Threads zurück. Aber fangen wir erst mal mit deinem Vorwurf an, der ja in einem anderen Thread in abgeschwächter Form auch schon von Naranja angedeutet wurde.
Hier:
viewtopic.php?f=159&t=13683&start=15#p180285hat "Gobelin" bereits darauf hingewiesen, dass ich mich schon in meinem 2007 erschienenen Buch "Männerbeben" von den Polterern der Bewegung abgegrenzt habe, weil sie in der Tat nichts bewirken, sondern der Männerbewegung im Gegenteil nur schaden. In einem Kapitel meines Buches prognostiziere ich die Zukunft der Geschlechterdebatte und dort schildere ich unter der Überschrift "Der Riss durch die Männerbewegung wird sich vertiefen" (Seite 252 bis 260), wie sich schon damals eine ganze Meute von Leuten aus dem gelben Forum auf mich gestürzt hatte, weil ich aus deren Sicht männerpolitisch unkorrekte Positionen vertreten hatte, indem ich auf meiner Website frecherweise die Organisation Solwodi verlinkte, ohne Nihilator & Co. um Erlaubnis zu bitten. Schon damals kam es zu starken Beifallsbekundungen ("Hast du aktuell Grund, dich beim Feminat einzuschleimen?", "War der EMMA-Restposten in deiner Gegend in letzter Zeit im Sonderangebot?", "Mit dem Feind macht man keine Geschäfte!", "Wie wär's zur adäquaten Fortsetzung der Karriere als Gastschreiber bei der EMMA?" sowie diverse Beschimpfungen als "Extremist" und dass ich den Leuten dort "in den Rücken fallen" würde etc. pp.) Damals waren teils die selben Leute an diesem Furor beteiligt wie heute, aber wie ich schon erklärt habe, sind seitdem noch wesentlich radikalere Besucher in dieses Forum dazugestoßen. Insofern ist der Furor, der dort aktuell wieder über mich losbricht, nichts wirklich Neues.
Wie ich schon erwähnt habe, bin ich auch beileibe nicht der einzige, der von der radikalen Fraktion in dieser Weise angegangen wurde. Es kam immer schon zu Hassattacken von denjenigen, die seit Jahren nichts anderes taten, als miteinander in Internetforen ihren Hass und ihr Selbstmitleid hochzuschrauben und denen, die die Probleme konkret anpacken wollten. Ich zitiere im folgenden einige Passagen aus dem Schlussteil des erwähnten "Männerbeben"-Kapitels:
--- Insofern spiegeln Teile der Männerrechtsbewegung in vierfacher Weise den so inbrünstig abgelehnten radikalen Feminismus. Erstens: So wie man sich dort stur weigert, auch männliche Opfer zu sehen, wurden hier weibliche Opfer konsequent beiseitegewischt. (…) Zweitens ähnelt dieser Flügel der Männerbewegung den Radikalfeministinnen insofern, als individuelle politische Entscheidungen durch eine Anspruchhaltung des kollektiven "Wir" und eine hysterische Empörung als politisch unkorrekt angeprangert werden, komplett mit Rechtfertigungsdruck, Angriffen unter der Gürtellinie und Ausgrenzungsmechanismen. Drittens ist es abenteuerlich, wenn sich Männerrechtler einerseits über die mangelnde Reflexionsfähigkeit des Feminismus ereifern und darüber, dass das Weltbild der Alice-Schwarzer-Riege in den siebziger Jahren steckengeblieben sei, sie aber selbst an fundamentalistischen Positionen festhalten und bei jeglicher Modifikation "Verrat" und "Betrug" zu schreien beginnen. Viertens schließlich besteht eine bemerkenswerte Ähnlichkeit darin, dass die Möchtegern-Täter sich im Nachhinein als Opfer inszenieren, weil sie das Echo meiner deutlichen Antworten nicht vertragen konnten. Einige weitere Aspekte, die nicht in diesem, sondern in anderen Vorkommnissen zu verzeichnen waren, weisen ebenfalls auf eine Spiegelung eigentlich typisch feministischer Sichtweisen in Teilen der Männerbewegung hin: beispielsweise die Annahme einer Kollektivschuld aller Frauen oder die undifferenzierte Ausdeutung der unterschiedlichsten, selbst sinnvollen Gesetze als "Unterdrückungsinstrumente des Matriarchats". Bei manchen Männerrechtlern hat man den Eindruck, sie wären Alice Schwarzer nach einer Geschlechtsumwandlung.
Kurz: Dieselben Untugenden, die beim radikalen Feminismus bis aufs Blut bekämpft wurden (nämlich egozentrisch, rücksichtslos und rechthaberisch zu sein und gänzlich unterschiedliche Dinge über denselben Kamm zu scheren) finden sich inzwischen auch in den Reihen der Männerbewegung. Allerdings fanden sich bei dem von mir geschilderten Konflikt nach kurzer Zeit auch eine Reihe von Männerrechtlern, die diesen Kräften in die Parade fuhren. Einer bezeichnete das kollektive Eindreschen auf mich als "beschämend", ein anderer erinnerte daran, dass er selbst schon als "schlimmer als Alice Schwarzer" beschimpft worden sei. Eine weibliche Aktivistin der Männerbewegung stellte klar, dass es an solchen Widerwärtigkeiten, wie sie sich hier abgespielt hatten, lag, dass sie sich zunehmend aus solchen Foren zurückgezogen habe. Einer wandte ein: "Interessant finde ich aber, dass deine Meinung, die hier offenbar als Männerpolitsch Inkorrekt wahrgenommen wird, direkt als Extremismus bezeichnet wird. Wie sagte Nietzsche so schön: `Wer lange genug mit Monstern kämpft, soll aufpassen, dass er nicht selbst zum Monster wird.´ Und irgendwie ist es nur logisch, dass die Männerbewegung all die Fehler wiederholt, die im Feminismus mal vorkamen. Und eine Bewegung mitzubegründen, um dann wegen mangelnder Linientreue abgewatsch zu werden: So läuft die Geschichte wohl." Dafür erhielt er Zustimmung: "Der antiliberale Geist des Feminismus ist NICHT an feministische Inhalte gebunden, er kann sich vielmehr mit jeder Sache verbinden. Die Männerbewegung ist davor zu warnen. Andererseits warne ich auch davor, die Streitereien hier im Forum als repräsentativ anzusehen: gerade die, die am lautesten schreien, tun dies, weil sie im Grunde in der Minderheit sind." Woran wieder jemand anderes anknüpfte: "Aber da sie ohnehin nicht mehr wollen, als sich ein wenig Luft machen und sich wichtig vorkommen, können wir sie dabei auch lassen. Das werden sie in 30 Jahren noch tun und nicht mehr. Wichtig können sie nur werden, wenn der Teil der Männerbewegung, die wirklich nach außen auftreten wollen, sie wichtig nimmt und einbezieht. Und deshalb sind sie hier."
(…) Für wesentlicher halte ich den Konflikt, der innerhalb der Männerbewegung schwärt und hin und wieder unvermittelt ausbricht. Nicht nur gegen mich, auch gegen andere "gemäßigte" Männerrechtler, gerne auch gegen die Organisation MANNdat, wird von radikaleren Aktivisten immer wieder scharf geschossen. Oft geschieht das durch Leute, die selbst sehr darauf achten, immer schön im Schutz der Anonymität zu bleiben und lediglich durch selbstgewählte Internetnicks bekannt zu sein. Aus diesen Schatten heraus kann man natürlich leicht mehr "Radikalität" und "Konsequenz" einfordern. Jene Männerrechtler, die mit ihrem bürgerlichen Namen hinter der Sache stehen und von denen ich einige für dieses Buch interviewt habe, fallen eben gerade nicht durch markige Sprüche auf, sondern durch verantwortungsbewusstes, differenziertes, politisch reifes Handeln. Wer sich in diesem Sinne für die Rechte der Männer einsetzt, muss schon über ein gehöriges Quentchen Idealismus verfügen.
(…) Es gibt einen nicht zu unterschätzenden Teil der Männerbewegung, der statt auf Dialog, Überzeugungsarbeit und Aufklärung auf massive Konfrontation setzt. Im Jahr 2007 nahm er sich etwas zurück, weil die Gruppe MANNdat mit ihrem Vorgehen erkennbare Erfolge vorweisen konnte. Aber er dürfte an Radikalität deutlich gewinnen, falls diese Erfolgskette irgendwann abreißen sollten.
Welcher Flügel der Männerbewegung, Gemäßigte oder Radikale, wird sich schließlich durchsetzen? Ganz einfach: Jede Gesellschaft bekommt die Männerbewegung, die sie verdient. Wenn Politik und Medien in den nächsten Jahren weiterhin nur einäugig darauf stieren werden, was man alles für die Damen tun kann, während sie die Kerle ignorieren, dann werden Männerrechtler wie ich, die auf Dialog setzen und versuchen, Opfer bei beiden Geschlechtern wahrzunehmen, immer mehr zu Lachnummern werden. Dann wird der radikalere Flügel immer mehr Zulauf von jenen Männern bekommen, die solche Ungerechtigkeiten auf ihre Kosten ausgesprochen wütend machen. Viele Politiker und Journalisten tragen in ihrer Blindheit immer mehr Sprengstoff zusammen und werden vermutlich (wie schon bei anderen Themen, etwa Bildung und Zuwanderung) unglaublich verdattert sein, wenn sie heftige Explosionen aus ihrem Elfenbeinturm herausjagen. Vermutlich ist nach dem "Pisa-Schock" und dem "Rütli-Schock" ein "Männer-Schock" nur eine Frage der Zeit. ---
Soweit also die Passagen aus meinem Buch "Männerbeben". Dass jetzt ein Vinci angedümpelt kommt und sich darüber entrüstet, dass ich mich nie von den Radikalen distanziert hätte, dass er, wenn ich auf "Männerbeben" verweise, erklärt, ich hätte sicher Verständnis dafür, wenn er es nicht lesen würde, dass er mir zum Schluss vorwirft, nur aktuell und aus strategischen Gründen zu distanzieren, das ist einfach nur eine Frechheit. Vinci, du hast, seit du hier bist, immer wieder demonstriert, dass dich sowieso nichts von deiner Meinung abbringen kann, du jeden Beleg des Gegenteils ignorierst und du sowieso nichts anderes vorhast, als mich zu "überführen". Insofern wirst sicher jetzt du Verständnis dafür haben, dass ich dich wegen deiner anhaltenden Unterstellung von jetzt ab auf /ignore/ setze. Wenn du in fünf oder zehn Jahren etwas reifer geworden bist, kannst du dich gerne bei mir entschuldigen.
Eine beständig fortschreitende verbale Radikalisierung im Zaum zu halten, soweit es möglich ist, das war schon immer Teil meiner männerpolitischen Arbeit. Dass beispielsweise in meinem Blog Genderama die Kommentarfunktion ausgeschaltet ist, war nicht immer so. Konkreter Anlass war ein Vorfall, bei dem mehrere männliche Kommentatoren über eine einzelne weibliche Kommentatorin hergefallen waren, die zwar zugegebenermaßen etwas provokativ aufgetreten war, sich aber sehr deutlich in der Minderheit befand. Einzelne Männer steigerten sich bis zu Beschimpfungen wie "Hitlers Lieblingshure" empor und waren auch nicht bereit, sich mit ihren Aggressionen zurückzunehmen, nachdem ich sie mehrfach dazu aufgefordert hatte. Schließlich entschloss ich mich dazu, die Kommentarfunktion zu schließen. Was ich danach an Wutmails bekommen habe, natürlich mit den üblichen Vorwürfen ("Zensur! Vergewaltigung der Meinungsfreiheit!" usw.), spottete jeder Beschreibung.
Auf meiner Benutzerseite hier im Piratenwiki habe ich auf den Auszug einer Rede Wendy McElroys verlinkt (eine Feministin, die mit Männerrechtlern zusammenarbeitet), den ich vor über einem Jahr in Genderama veröffentlicht hatte. Wie wichtig mir diese Passage ist, habe ich schon damals mit blauer Schrift hervorgehoben:
http://genderama.blogspot.com/2008/05/w ... istin.htmlDaraus möchte ich nur mal ein paar Sätze herausgreifen und übersetzen:
--- The evolution of feminism from the '60s to present day is a cautionary tale on how a political movement can become dominated by rage and lose the voice of reason. I dread the possibility that men I know and respect may someday look at me as "the enemy" simply because I am a woman. And I'll do everything I can to make sure that doesn't happen. Because that's how we got into this mess in the first place ... ---
--- Die Evolution des Feminismus von den Sechzigern bis zur Gegenwart ist eine Warnung davor, dass eine politische Bewegung von Wut dominiert werden und die Stimme der Vernunft verlieren kann. Ich fürchte die Möglichkeit, dass Männer, die ich liebe und respektiere, mich eines Tages als "den Feind" betrachten, nur weil ich eine Frau bin. Und ich tue alles, was ich kann, um sicherzustellen, dass das nicht passiert. Denn das ist es, was uns die gegenwärtige Bescherung überhaupt erst eingebrockt hat. ---
Das sehe ich genauso. Wenn eine Frau mit dem Einfluss einer Alice Schwarzer der zunehmenden Radikalisierung ihrer Schwestern rechtzeitig entgegengetreten wäre, statt mit Parolen wie "Was wäre eine Freiheitsbewegung ohne Hass!" immer weiter Öl ins Feuer zu schütten, wären wir nicht in der Situation, in der wir heute wären. Schon darum ist es gegenwärtig geboten, einer zunehmenden Radikalisierung mancher Männer etwas entgegenzusetzen.
Wobei es mir allerdings immer mehr auf den Zeiger geht, dass immer wieder ich derjenige sein muss, der Dinge zur Sprache bringt, die etliche andere Leute ebenfalls sehen, aber nicht ansprechen wollen. Als ich Ende der neunziger Jahre als erstes darüber schrieb, dass der Feminismus sich zunehmend zum Negativen entwickelte, teilten mir Kommilitonen hinter vorgehaltener Hand mit "Eigentlich hast du ja Recht, aber zitiere mich bloß nicht öffentlich." Natürlich war ich es dann, der für seine Meinung öffentlich Keile bezog. Wenn ich heute über die Radikalisierung einiger Männer in gewissen Internetforen spreche, weiß ich aus persönlichen Gesprächen, dass einige Verantwortlichen in diesen Foren meine Einschätzung teilen, sie aber lieben schweigen, offenbar weil sie von den Poltereren keine verbale Prügel beziehen wollen (und weil das Forum doch dank diesen Leuten jetzt endlich so schön hohe Zugriffszahlen hat). Ich bin's allmählich Leid.
Um zum Thema dieses Threads zu kommen: Die geschilderte Entwicklung schadet nicht nur den Beziehungen der Geschlechter zueinander, auch für die Männerrechtsbewegung direkt stellen sich dadurch zwei große Probleme.
Das eine besteht darin, wie leicht man diese Bewegung anhand solcher Hassausbrüche einiger Radikaler vorführen kann. Angenommen ein Mitglied von MANNdat schafft es mal wieder in eine Talkshow und trifft dort auf eine Feministin, die sich gut vorbereitet hat. Der Männerrechtler hat gerade erklärt, wie wichtig seine Bewegung für unsere Gesellschaft ist. Daraufhin greift seine Gesprächspartnerin mit süffisantem Lächeln in die Tasche und zitiert ein paar Passagen aus dem, wie sie den Zuschauern erklärt, Maskulistenforum mit den höchsten Zugriffszahlen. Sie zitiert, wie Frauen dort inzwischen als "Geschlitzte" und frauenfreundliche Männer als "Mösenkriecher" bezeichnet werden, sie zitiert ein paar dort mittlerwele verbreitete Theorien, denen zufolge es für die Gesellschaft insgesamt besser sei, wenn die minderwertigen Frauen ebenso dem Manne untertan wären wie die Schwarzen den Weißen in den USA vor dem Bürgerkrieg, sie zitiert ein paar der dort inzwischen üblichen Anfeindungen gegen Homosexuelle und Muslime. Wie soll der Männerrechtler in meinem Beispiel mit dieser Situation umgehen? Wenn er das irre Geschwätz einiger Radikaler als irres Geschwätz einiger Radikaler abtut, wird er erstens von der Forenmeute so als "Verräter" angegangen, wie ich das gerade erlebe, und seine Gesprächspartnerin braucht zweitens den Zuschauern nur die URL des gelben Forums mitzuteilen, damit die sich selbst ein Bild davon machen. (Alle Mitglieder der Piratenpartei, die das getan haben, sind offenkundig fast aus den Socken gekippt vor Fassungslosigkeit.) Wird der Männerrechtler diese Ausfälle als verständliches Aufbegehren zu erklären versuchen, weil man als Mann in Deutschland ja ähnlich unterdrückt werde wie die Schwarzen unter der Apartheid in Südafrika, macht er sich bei sämtlichen Zuschauern zum Gespött. Natürlich gibt es, wie ich schon in einem früheren Posting erwähnt habe, Männer, die durch den Verlust ihrer Kinder traumatisiert wurden oder weil sie als Jungen von Frauen sexuell missbraucht wurden und als Erwachsene lernen, dass derlei Untaten bis heute kein politisch genehmes Thema darstellen. Aber dass die Leute, die sich im "gelben Forum" abfällig über verschiedene gesellschaftliche Gruppen äußern, allesamt von Frauen missbraucht, von Homosexuellen begrabscht und von Muslimen niedergestochen worden sind, das glaubt doch im Ernst kein Mensch.
Das geschilderte Talkshow-Szenario ist nur eines von mehreren vorstellbaren. Genausogut könnten die EMMA, die "taz" oder die "Brigitte" einfach mal einen Artikel mit den schönsten Zitaten aus dem gelben Forum zusammenstellen. Das wäre für jeden Versuch der Männerbewegung, für ihre Anliegen zu werben, ein Todesstoß. Insofern wäre es schon im Eigeninteresse der Leitung des "gelben Forums", wenigstens den offensichtlich menschenverachtenden Müll zu löschen. Wenn sie das nicht tut, lässt sie zu, dass eine überschaubare Zahl von Leuten mit dem Arsch niederreißt, was viele seriöse Männerrechtler über Jahre hinweg in mühevoller Kleinarbeit mit Petitionen, Studien, aufklärenden Texten und Broschüren aufgebaut haben. Dass der Forenleitung selbst durchaus klar ist, wie unteirdisch viele Postings mittlerweile geworden sind, kann man in persönlichen Gesprächen heraushören; man merkte es auch, als hektisch plötzlich mit vermutlich hochrotem Kopf komplette Stränge gelöscht wurden, sobald Arvid und andere Leute von der Piratenpartei auf dieses Forum aufmerksam wurden. Aber normalerweise werden inzwischen auch größte Unsäglichkeiten stehengelassen, weil doch erstens die Zugriffszahlen endlich mal ein bisschen höher seien und man sich zweitens nicht selber zur Zielscheibe der gesammelten Aggressionen der Radikalenfraktion machen will.
Abgesehen von der Forenleitung wäre es natürlich auch Sache der Besucher dieses Forums, dort eben keine der zitierten Unsäglichkeiten mehr zu hinterlassen. Die Männerrechtsbewegung hat es so schon schwer genug, die Öffentlichkeit von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu überzeugen. Dass sich die Radikalen dort keineswegs zurückhalten, ist der Grund, warum ich es sehr schwierig finde, sie überhaupt zur Männerbewegung zu zählen. Es sind vor allem Leute, die virtuell im Kreis sitzen und sich ihr Leid klagen. Weder unterstützen sie mit konkreter Arbeit Gruppen wie MANNdat, die "AG Männer" der Piratenpartei, die Einrichtung von Männerhäusern oder was sich sonst immer anbietet, noch ist es für sie wirklich von Bedeutung, dass die Männerbewegung durch ihr Verhalten Schaden nimmt. Sie haben eigentlich sowieso kein anderes Ziel, das sie mit solcher Inbrunst verfolgen, als eben jenes: immer härtere Hassattacken im Internet hinterlassen zu dürfen, ohne dass ihnen jemand widerspricht. Das wichtigste Männerrecht ist ihnen das Recht auf Aggression und Selbstmitleid. Wenn alle Wünsche selbst der größten Fanatiker erfüllt wären und ab morgen früh wieder Frauen ihre Männer als Herren und Gebieter anerkennen würden, Deutschland muselfrei wäre und Homosexuelle ihre "Widerlichkeiten" nur in ihren eigenen vier Wänden austauschen würden, wären diese Leute vermutlich immer noch todunglücklich und voller Zorn auf Gott und die Welt.
Das zweite Problem, das sich aus dieser Forenradikalisierung ergibt, ist das zunehmende Verschwinden der gemäßigten, der konsens- und lösungsorientierten Männerrechtler. Wie ich schon beschrieben habe, haben sich diese Leute immer mehr aus solchen Internetforen zurückgezogen. Das verwundert nicht. Denn während man als radikaler Männerrechtler im Schutz einer hochaggressiven, anonymen Meute vor Attacken sicher ist, muss sich jeder nicht-radikale Männerrechtler darüber im Klaren, dass ihn beide Seiten zugleich anfallen werden: Auf der einen Seite springen Isi, Vinci und Silberfuchs zähnefletschend auf und ab und wollen einen auf Biegen und Brechen "überführen", auch zu "den Bösen" zu gehören, auf der anderen Seite steigern sich die Radikalmaskulisten in immer schärfere Angriffe hinein. Das Resultat ist absehbar und völlig logisch: Die Gemäßigten werden sich immer weiter frustriert und entnervt aus der Debatte zurückziehen, bis auf beiden Seiten nur noch die Hardliner übrigbleiben und jeder die Vorurteile von "den Feministinnen" und "den Maskulisten" bestätigt bekommt.
"Vevi", neben "gobelin" und mir einer der Vertreter der Gemäßigtenfraktion hat auf seiner Benutzerseite -
http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:VeVi – seine eigenen Frustrationen sehr anschaulich dargestellt:
--- Ich habe mich seinerzeit bei pappa.com angemeldet, weil ich als Vater eines Kindes, dessen Eltern sich trennten und das sich nun im Sektenumfeld befindet, Hilfe gesucht habe. Damals schrieben eine Menge guter Menschen (m/w) mit. Später musste ich mich immer mehr mit Hardlinern und Schwachmaten auseinander setzen und habe irgendwann die Notbremse gezogen. Auch wenn ich viele Menschen ob ihres Schicksals dort verstehe, konnte ich manches nicht mehr nachvollziehen. "Schlampen", "Geschlitzte" usw.usf. ist einfach nicht mein Vokabular. - Das teilweise dahinter stehende Gedankentum auch nicht.
Dann ging ich, um anderen "Neuankömmlingen" zu helfen, in die Vaternothilfe.de. Aber auch hier waren es die Krakeeler und im Hintergrund-Strippenzieher, die dieses an sich gut gemeinte Projekt kaputt gemacht haben. Nun denn, manche scheinen mit dem, was sie hinter sich haben, nicht zurecht zu kommen. - Aber manche sehen ihre eigenen Anteile auch nicht, bzw. toben eigene Persönlichkeitsstörungen an anderen aus. Und es sind meistens die Krakeeler, die "gewinnen".
Danach bin ich ins Familienhandbuch.de gegangen, um für ein gemeinsames Verständnis zu werben. Und siehe da, vorsichtig angegangen und sukzessive die Situation der Männer in diesem Lande dargestellt, hat sich einiges getan dort. Viele männer- bzw. väterrelevante Themen sind den meisten gar nicht bekannt (und mir ging es auch mal so). Aber auch hier Krakeelerinnen und, das haben manche Sorte Frauen und Männer halt besser drauf, Stichlerinnen mit aller Negation der Tatsachen, haben die Überhand gewonnen. Ich denke, jeder hat da seine persönliche Sollbruchstelle.
Trotzdem, meinen Dank an die Männer, Frauen und Admins dort, die heute (so sie noch dabei sind) entschiedener auftreten, als noch vor ein/zwei Jahren.
Ich sehe Frauen nicht als Feinde, warum auch? Wir sind Menschen und sollten menschlich miteinander umgehen. Das geht nur, wenn man die Sorgen und Nöte der anderen Seite verstehen lernt. Und es ist das System (Staat, F-Klasse-orientierte, Medien und die damit einhergehende herrschende Meinung), das beide Seiten aufeinander hetzt.
Wir laufen in eine Polarisierungsfalle - davon bin ich überzeugt - und deswegen bin ich Pirat geworden. Weil ich in dieser Partei die einzige Chance sehe, diesem GM-Wahnsinn zumindest punktuell und meinungsbildend ein Ende zu setzen. ---
Leider versuchen auch hier im Forum der Piratenpartei die Polarisierer ihre Linie auf Teufel komm raus durchzusetzen. Und die Moderatoren bekommen es bislang nicht hin, die beständigen persönlichen Angriffe auf mich von Isi, Vinci und mittlerweile auch Silberfuchs zu unterbinden. Vielleicht sind die ja wirklich glücklich, wenn auch der letzte gesprächsorientierte Männerrechtler aus dem Weg geräumt ist, weil dann endlich ihr Feindbild wieder stimmt und jeder mit einer anderen Meinung einfach "böse" ist. So wie es umgekehrt den Radikalmaskulisten mit den Feministinnen geht. Insofern überlege auch ich immer mehr, ob ich ihnen diesen Sieg nicht einfach mal gönnen sollte. Die nicht abreißende Kette von immer neuen persönlichen Angriffen, Unterstellungen und Verdächtigungen nimmt mir allmählich die letzte Lust, mich hier weiter einzubringen. (Ja, ich weiß: "Das ist doch der Sinn der Sache, du Dussel.") Sollen sich doch diejenigen zerfleischen, die das so gerne wollen.
Herzliche Grüße
Arne