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Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Alles über Natur- und Umweltschutz, Klimaveränderung und Klimaschutz

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Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon ERMpirat » 29. Aug 2009, 20:35

Nachdem hier im Forum über so gut wie jedes hippe umweltpolitische Thema debattiert wurde, zeichnet sich meiner Meinung nach ab, dass dies nicht der Weg zu einer selbständigen, piratigen Umweltpolitik ist. Von daher brauchen wir eine konkrete Basis, eine politische Grundlage, die es uns ermöglicht, die Piratenidee mit einer umweltgerechten Wirtschaftsweise zu verbinden. Etwas, dass unserem gemeinsamen Nenner entspricht, denn nur so können wir dieses von den Grünen dominierte Politikfeld uns selbst erschließen und in der Öffentlichkeit als eigenständig präsentieren. Dabei handelt es sich um die Idee, Umweltgüter jedweder Art als Gemeingüter (commons) zu betrachten, mitsamt allen Implikationen für Nutzung, Organisation und gesellschaftliche Teilhabe.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich möchte keinesfalls die gesellschaftlich notwendigen Debatten in diesem Forum kritisieren. Aber dienen diese neben dem (positiv zu bewertenden) Meinungsaustausch auch der grundsätzlichen Bestimmung, was bei den Piraten „grün“ heißt oder in Zukunft heißen soll? Die meisten Threads in diesem Forum bedienen ein und dasselbe Schema und übersehen dabei die zu entwickelnden politischen Grundlagen der Piraten: Meist stellt jemand eine neue, zukunftsweisende Technologie vor und es wird deren Pro und Contra vielfach ohne konkreten und realen Bezug diskutiert; oder eine aktuelle umweltpolitische Debatte wird aufgegriffen, um anschließend erneut ein Für und Wider auszutauschen, damit man sich persönlich politisch positionieren kann.

Natürlich werden auf diesem Weg auch neue, interessante Punkte zur Sprache gebracht, die die Umweltpolitik in diesem Land nach vorne bringen können (Desertec, Autarke Häuser, Gegen CO2-Abscheidung). Aber diese Ideen stehen für sich, sie werden nur sehr selten im gesamtgesellschaftlichen Kontext und, was im Moment noch wichtiger ist, im Zusammenhang mit der Piratenidee betrachtet und angewandt. Was nützt uns das, wenn es im Anschluss an diese Diskussion darum gehen müsste, ein Umweltprogramm für die Piratenpartei zu schreiben und dies den restlichen Piraten näher zu bringen?

Als dieses Forum ins Leben gerufen wurde, stand die Idee im Raum, dass wir uns zunächst als Piraten das nötige Wissen aneignen sollten, um bei aktuelle umweltpolitischen Debatten mitreden zu können. So weit, so gut. Allerdings wird durch das bloße „Mitreden“ kein politischer Blumentopf gewonnen. Wir müssen als Piraten das Umweltthema neu besetzen, genauso wie wir mit unserem Namen in der Urheberrechtspolitik eine Neudefinition gewagt haben! Und wir müssen uns dabei nicht einmal in unseriöse weil nicht wissenschaftlich hinterlegte Bereiche vorwagen. Da unsere politischen Grundsätze in der Verteidigung von informationellen Gemeingütern (Datenschutzaspekte, Netzneutralität) und im Ausbau der creative commons (Urheberrechtsdebatte) liegen, müssen wir nur auf den Ursprung der Idee der „Commons“ zurückgreifen. Dieser liegt in der materiellen Welt und steht im direkten Zusammenhang zu allen umweltpolitischen Themen unserer Zeit.

Es geht um die commons-basierte Nutzung und Organisation von Umweltgütern und deren gesellschaftliche Ausprägung. Um es gleich vorweg zu sagen und obwohl das eigentlich jedem Piraten klar sein sollte: dabei geht es weder um irgendeine Art des Sozialismus/Kommunismus, noch wird dadurch Privatbesitz ausgeschlossen. Commons-basierte Sichtweisen und Lösungen sind pragmatisch bei allen aktuellen Umweltproblemen anwendbar. Der Ausgangspunkt der Diskussion über diese Idee liegt in den Thesen von Garret Hardin (Tragedy of the Commons, 1968), demzufolge diejenige Organisationform der Güter-/Ressourcennutzung scheitert, die diese Güter bzw. Ressourcen gemeinschaftlich und ohne privatwirtschaftliche oder staatliche Kontrolle bewirtschaftet (zur Verdeutlichung benutzte er das Beispiel der gemeinschaftlichen Weide, die durch die eigennutzorientierten Viehhirten übernutzt wird). Auch wenn es Hardin nie so gefordert hat, richtete sich in der Folge ein Großteil der Umweltpolitik der letzten 30 Jahre nach diesem Postulat und versuchte, Umweltgüter entweder zu verstaatlichen oder (weitaus häufiger) zu privatisieren (und sie somit im preisorientierten Marktsystem handelbar zu machen). Ziel war die effizientere Nutzung und eine Verhinderung der Übernutzung. Dass das längst nicht überall geklappt hat, brauch ich wohl keinem erzählen.

Aus diesem Grund ist dieser Mechanismus seit dem heftig diskutiert worden und es hat sich herausgestellt (insbesondere durch die empirische Forschung von Elinor Ostrom), dass die gemeinschaftliche Nutzung von Umweltgütern der privaten oder staatlichen längst nicht immer unterlegen ist. Im Gegenteil, die commons-orientierte Form der Nutzung und Verteilung von Gemeinschaftsgütern hat sogar eine Menge Vorteile. Diese reichen von der transparenteren und demokratischeren Organisation über die verbesserte Verteilungsgerechtigkeit bis hin zur nachhaltigeren Nutzung der Güter. Für einen Einblick in diese Thematik empfehle ich das kürzlich erschienene Buch von Silke Helfrich, welches auch ganz cc-mäßig im Internet zu finden ist: Wem gehört die Welt?.

Die Idee der „Commons“ enthält Bezüge zu folgenden Umweltthemen (sicher nicht vollständig):

[*]Bodenbesitz (Landwirtschaft), -spekulation, -verschmutzung, -verbrauch (siehe hier)

[*]Grundwasserbesitz, -verschmutzung, -übernutzung (Desertifikation), -verteilung (Landwirtschaft)

[*]Klimawandel (Atmosphäre = Gemeingut), mit allen politischen Implikationen (internationaler Klimaschutz, Ausgleichszahlungen, Energiegewinnung, Verkehr)

[*]Natürliche "Ressourcen" im klassischen Sinne (fossile Brenn- und Rohstoffe, Erze, Minerale, nachwachsende Rohstoffe) und im modernen Sinne (genetisches Material, chemische Elemente, synthetische Lebensformen (siehe hier))

Diese Themen bilden meiner Meinung nach die Basis für eine piratige Umweltpolitik. Durch Betrachtung derselben aus einer Perspektive, die all diese Umweltgüter als ursprünglich im Eigentum einer Gemeinschaft (Familie, Gruppe, Community, Menschheit) betrachtet, können aktuelle Problemstrukturen analysiert und commons-basierte Lösungen gefunden werden. Natürlich wird sich die Piratenpartei nicht selbst in diesem Sinne engagieren, dazu gibt es unzählige Projekt und Vereine (siehe „Die Verfassung der Almende“ von Ostrom). Aber es kann erklärtes Ziel unserer Umweltpolitik sein, commons-basierte Formen der Nutzung, Organisation und Verteilung von Gemeingütern zu fördern! (Analog zu unserer Forderung, Open-Source-Gemeinschaften zu unterstützen)

Ich gehe jetzt absichtlich nicht detaillierter auf dieses Thema und vor allem nicht auf die konkreten Programmpunkte ein, die sich daraus ergeben können, da ich a) diesen Beitrag als Denkanstoß verstehe (und mich deshalb sehr auf die Diskussion freue ;-)) und ich b) auch noch nicht so versiert bin, als dass ich das tun könnte. Aber ich maße mir an, genug darüber zu wissen, dass ich die große Nähe dieser Denkweise zur Piratenidee erkenne, mitsamt den Chancen, die sich daraus für uns auf diesem Politikfeld ergeben. Eine commons-basierte Umweltpolitik ist ideal, da (analog zu benni):

1.Sie weltanschauliche Vielfalt ermöglicht (wir Piraten sind eine sehr heterogene Gruppe, aber uns eint der Glaube an commons-orientierten Lösungen)

2.Sie in der Tendenz gesamtgesellschaftlich einsetzbar ist (und nicht nur umweltpolitisch)

3.Sie eine vielfältige Anwendbarkeit für viele existierende soziale Bewegungen und Spielraum für neu entstehende bietet (diese Denkweise findet in letzter Zeit viele Anhänger und wir fänden damit Anknüpfungspunkte; die bereits angesprochene Silke Helfrich mit ihrem CommonsBlog, oder auch die Autoren von Keimform sind hier gute Beispiele, vom angloamerikanischen Raum ganz zu schweigen)

4.Sie die Suche nach Antworten auf die multiplen Krisen unserer Zeit möglich macht (siehe Punkt 2)


Für eine commons-basierte Umweltpolitik bei den Piraten!

Was haltet Ihr davon?
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon Galaxia » 29. Aug 2009, 20:41

Grundsätze finden sich hier, im Änderungsvorschlag für ein Umweltprogramm der Piraten. (Welches nicht den einzigsten Vorschlag dafür darstellt.)
viewtopic.php?f=77&t=5217
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon TheK » 29. Aug 2009, 22:40

Ich hab hier auch schon allerlei zusammengefegt, was irgendwo mal auftauchte: http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:T ... eltpolitik

Ein paar Grundsätze zeichnen sich im Grunde schon ab:
- keine Rückschritte zu Gunsten der Wirtschaft
- Soweit irgendwie möglich, Umweltschutz durch Aufklärung und Förderung besserer Alternativen (das Problem der billigen Kaufpreise...)
- Verbote nur, wo voriges nicht umsetzbar oder wirkungslos (bitte mit Prüfung, warum)
- keine Verbote der Sorte "Tempolimit, weil dann weniger Leistung, weil dann weniger Gewicht, weil dann weniger Verbrauch, weil dann weniger CO2", sondern direkt sagen "weniger CO2 bitte!".

In konkreten Punkten sehe ich vor allem bei 2 Fragen Streitpotential:
1. was schneller weg; AKWs oder Kohle
2. das Glühlampenverbot (für mich ein Fall, wo der Bereich "Aufklärung" grandios versagt hat)
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon Galaxia » 30. Aug 2009, 01:00

TheK hat geschrieben:In konkreten Punkten sehe ich vor allem bei 2 Fragen Streitpotential:
1. was schneller weg; AKWs oder Kohle

Kohle ist etwa 85 x so potent bei der Freisetzung von Co-2, als Atomstrom.
Zudem gibt es Klima Katastrophen Szenarien, die durchaus Atomstrom rechtfertigen. Leider stossen Atomreaktoren immer wieder an Grenzen und müssen abgeschaltet werden - dann wenn der Bedarf am größten ist - in Hitzeperioden. Dann ist oft das Kühlwasser (Fluß) zu warm.

Daher find ich kurz-mittelfristig etwa 20% Atomstrom am Deutschen Energiemix als "ok" - solange wie kein Ersatz durch regenerative Energien besteht. Endlager Lösungen sind leider mehr als bemängelnswert, siehe Asse und Grundwasser Kontaminierung.

Der "Next Step" sollte sein, eine "AG Umwelt" oder "AG Energie & Infrastruktur" zu gründen um die Weichen für die Umstellung auf Erneuerbare Energien und Alternative Antriebe zum Verbrennungsmotor zu stellen.
Zudem betritt man hier Wirtschaftlichen Boden, was ja im Wahlkampf Aktuell SPD, Union & Grüne aufgreifen, um einen neuen nachhaltigen Konjunkturmotor zu etablieren.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon mcbierle » 30. Aug 2009, 02:12

Galaxia hat geschrieben:Daher find ich kurz-mittelfristig etwa 20% Atomstrom am Deutschen Energiemix als "ok" - solange wie kein Ersatz durch regenerative Energien besteht. Endlager Lösungen sind leider mehr als bemängelnswert, siehe Asse und Grundwasser Kontaminierung.


Asse sollte nicht als aktuelles beispiel herangezogen werden. Das ding ist alt und wurde schlecht durchgeführt.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon Galaxia » 30. Aug 2009, 02:29

mcbierle hat geschrieben:Asse sollte nicht als aktuelles beispiel herangezogen werden. Das ding ist alt und wurde schlecht durchgeführt.

Es gibt soweit ich weiss in Deutschland aber nur dieses und Gorleben.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon mcbierle » 30. Aug 2009, 03:32

Kompliziöse sache. :D
Gorleben ist ja als lager für stark wärme entwickelnden müll gedacht. Asse hingegen würde ich als verunglückten versuch ansehen. Das was in asse lagert würde zum größten teil nach konrad kommen, mitsamt den neuen konditionierungs voraussetzungen. Insofern würde ich etwas abstand nehmen von asse als "vorzeigebeispiel" für den umgang mit dem müll. Zudem ist asse hauptsächlich mit müll aus forschung und medizin gefüllt.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon jwiechers » 30. Aug 2009, 05:08

mcbierle hat geschrieben:Kompliziöse sache. :D
Gorleben ist ja als lager für stark wärme entwickelnden müll gedacht. Asse hingegen würde ich als verunglückten versuch ansehen. Das was in asse lagert würde zum größten teil nach konrad kommen, mitsamt den neuen konditionierungs voraussetzungen. Insofern würde ich etwas abstand nehmen von asse als "vorzeigebeispiel" für den umgang mit dem müll. Zudem ist asse hauptsächlich mit müll aus forschung und medizin gefüllt.


Naja, der Großteil allen Kernmaterials ist aus Medizin, Industrie und Forschung wenn man nur die Menge an Kernbrennstoffen betrachtet und die verstrahlten Bauteile und weitere "Nebensächlichkeiten" (ein nicht ganz passendes Wort, aber man verzeihe mir, es ist früh) vernachlässigt (was insofern zulässig wäre, als das diese Dinge das größere (Kubikmeter), radiotoxikologisch aber eher kleinere (Strahlenbelastung) Problem sind. Die Menge an Kernbrennstoff die eingelagert werden muss ist winzig. Ich habe das in einem anderen Beitrag hier im Forum kürzlich dargestellt: Die Menge an Kernbrennstoff, die nach der Erzeugung von etwa 1.25 Milliarden gWh (der Menge an Strom, den die schweizer Kernkraftwerke in 50 Jahren ungefähr generiert haben werden) eingelagert werden muss beträgt nicht mal 7000 Kubikmeter - und das bezieht das Recycling und Brüterreaktoren nicht mal mit ein. Zum Zeitpunkt, als ich den Beitrag schrieb hatte ich keine Daten für Deutschland zur Hand, diese kann ich hier nun allerdings kurz erwähnen: Bei uns werden es etwa 300.000 Kubikmeter bis 2040 sein - von denen insgesamt 64% aus der Energiewirtschaft stammen - und etwa 17.000 Kubikmeter Brennstäbe sein werden - bei einer Energieproduktion, wenn wir von einer planmäßigen Abschaltung ausgehen, von etwa fünf Milliarden gWh (überschlagsrechnung aus Daten des BMU, aufgerundet von 4980 tWh).


Was die Idee einer "Commons"-basierten Umweltpolitik angeht muss man genau hinschauen, wann und wo solch eine Idee Sinn macht - und inwieweit sie als Vorstoß eines einzelnen Staates tatsächlich verwertbar ist. Ich bin an sich immer noch der Meinung, dass Garret Hardin ein grundsätzliches spieltheoretisches Problem offengelegt hat - und wir davon ausgehen müssen, dass sich Menschen ohne externe Zwänge eher selbstoptimierend verhalten, insbesondere wenn die Chance auf Sanktion klein ist. Das Buch von Silke Helfrich werde ich mir allerdings mal ansehen.
Thus Aristotle laid it down that a heavy object falls faster than a light one does. The important thing about this idea is not that he was wrong, but that it never occurred to Aristotle to check it. - Albert Szent-Györgyi de Nagyrápolt
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon ERMpirat » 30. Aug 2009, 13:02

jwiechers hat geschrieben: Was die Idee einer "Commons"-basierten Umweltpolitik angeht muss man genau hinschauen, wann und wo solch eine Idee Sinn macht - und inwieweit sie als Vorstoß eines einzelnen Staates tatsächlich verwertbar ist. Ich bin an sich immer noch der Meinung, dass Garret Hardin ein grundsätzliches spieltheoretisches Problem offengelegt hat - und wir davon ausgehen müssen, dass sich Menschen ohne externe Zwänge eher selbstoptimierend verhalten, insbesondere wenn die Chance auf Sanktion klein ist. Das Buch von Silke Helfrich werde ich mir allerdings mal ansehen.


Genau das ist ja der Punkt! Garret Hardin hat mit seiner Viehalmende ein Beispiel benutzt, wo dem selbstoptimierenden Verhalten der einzelnen Hirten Vorschub geleistet wird und zwar durch die Abwesenheit jeglicher Regeln zwischen den Almendenutzern. Diese Situation beschreibt also eher ein Niemandsland, als das, was seitdem unter dem Begriff "Gemeingut" wissenschaftlich untersucht wurde. Und diese Gemeingüter zeichnen sich gerade dadurch aus, dass es Regeln gibt, die ein Ausnutzen durch andere Almendenutzer verhindern bzw. sanktionieren (meist über soziale Formen, aber auch durch wirtschaftlichen Ausschluss). Diese Regeln basieren entweder auf Traditionen, wie etwa bei den unzähligen Kooperativen in den ländlichen Regionen unserer Welt, oder sie entstehen aus einem freien Zusammenschluss von Bürgern, die ihre Rechte als Gemeineigentümer nutzen und gegen Eingriffe von außen schützen.

Und da sehe ich die Piratenpartei in einer guten Position, denn der Schutz und der Ausbau von Gemeingütern liegt ja gerade in unserer Natur. Was können wir also fordern (bzw. umsetzen, sobald wir an der Macht sind ;-))?

a) Anerkennung solcher Zusammenschlüsse als legitime Form der Verwaltung von (Gemein-)gütern. Dabei geht es insbesondere um die rechtliche Gleichstellung solcher Organisationsformen gegenüber privaten Interessen. Sollten letztere vorschlagen, dass sie sich besser um das Gemeingut kümmern bzw. es nutzen können, dann müssen sie direkt mit den Rechteinhabern verhandeln und Lösung finden, anstatt wie bisher die lokale Verwaltung um eine Genehmigung zu bitten, die diese nach bürokratischen und undemokratischen Verfahren erteilt. Aktuelles Beispiel: Wenn Vattenfall in Südbrandenburg rund um Cottbus plant, weitere drei Braunkohlegruben zu öffnen, um die Versorgung ihrer Kraftwerke noch bis weit in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts hinein zu sichern, sollten sie sich direkt mit den Anwohnern auseinandersetzen müssen und mit ihnen verhandeln, da diesen das Gemeingut "Braunkohle" unter ihren Füßen ursprünglich gehört. Stattdessen sind nach heutigem Recht einzig und allein verpflichtet, die Genehmigung der Verwaltung einzuholen (Stadt Cottbus)

b) finanzielle und verwaltungstechnische Unterstützung für die Gründung solcher Gemeinschaften. Die Gründung eines gemeinnützigen Vereins ist meist in dem Moment passé, in dem die Gemeinschaft versucht, von der Nutzung ihres Gemeinguts zu leben (da finanzielle Interessen bisher nicht gemeinnützig sind). Beispiel: Vor einem Jahr habe ich innerhalb einer Studenteninitiative an der TU Cottbus versucht, eine Vereinsgründung (mit Gemeinnützigkeit) für unser Projekt einer Bürgersolaranlage auf den Unidächern zu erreichen. Wir wollte auf diese Weise Spender anlocken, die dieses Projekt unterstützt hätten. Obwohl wir keinerlei finanzielles Interesse an diesem Projekt hatten (wir haben es nur geplant und dafür geworben), wurde uns die Gemeinnützigkeit nicht erteilt, da wir das Geld der Bürger für die Solaranlage verwaltet hätten. (Das Beispiel stellt jetzt nicht unbedingt die Nutzung eines Gemeinguts dar, aber dieselben Probleme tauchen auch bei Commons-Gemeinschaften auf)
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon TheK » 31. Aug 2009, 00:14

Eh, können wir _hier_ bei den Grundsätzen bleiben und die AKW-Diskussion im eigenen Thread lassen? :)

Einen guten Abgrenzungspunkt zu den Grünen sehe ich noch in der Umweltpolitik: Technik kann oft Umweltprobleme lösen, deswegen ist solche nicht per se schlecht - nur muss sie eben einen anständigen Wirkungsgrad haben.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon jwiechers » 31. Aug 2009, 02:22

TheK hat geschrieben:Eh, können wir _hier_ bei den Grundsätzen bleiben und die AKW-Diskussion im eigenen Thread lassen? :)

Einen guten Abgrenzungspunkt zu den Grünen sehe ich noch in der Umweltpolitik: Technik kann oft Umweltprobleme lösen, deswegen ist solche nicht per se schlecht - nur muss sie eben einen anständigen Wirkungsgrad haben.


Aye, verzeih, ich hatte die Daten nur gerad in dem Moment vor der Nase liegen weil ich an einem Versuchsaufbau gearbeitet habe. :-D

Einen guten Abgrenzungspunkt zu den Grünen sehe ich noch in der Umweltpolitik: Technik kann oft Umweltprobleme lösen, deswegen ist solche nicht per se schlecht - nur muss sie eben einen anständigen Wirkungsgrad haben.


Vollste Zustimmung.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon Ximeon » 1. Sep 2009, 13:03

ERMpirat hat geschrieben:Die Idee der „Commons“ enthält Bezüge zu folgenden Umweltthemen (sicher nicht vollständig):
  • Bodenbesitz (Landwirtschaft), -spekulation, -verschmutzung, -verbrauch (siehe hier)
  • Grundwasserbesitz, -verschmutzung, -übernutzung (Desertifikation), -verteilung (Landwirtschaft)
  • Klimawandel (Atmosphäre = Gemeingut), mit allen politischen Implikationen (internationaler Klimaschutz, Ausgleichszahlungen, Energiegewinnung, Verkehr)
  • Natürliche "Ressourcen" im klassischen Sinne (fossile Brenn- und Rohstoffe, Erze, Minerale, nachwachsende Rohstoffe) und im modernen Sinne (genetisches Material, chemische Elemente, synthetische Lebensformen (siehe hier))
[...]

Für eine commons-basierte Umweltpolitik bei den Piraten!

Was haltet Ihr davon?


Die Idee einer Umweltpolitik basierend auf dem Schlagwort Commons hört sich zugegebenermaßen ganz gut an, wenn das auch nichts wirklich Neues ist, wenn man von dem Begriff Allmende schon gehört hat.
Es könnte ein Fortschritt sein, die negativen Folgen der bisherigen Lebensweisen und Politik sowie die daraus entstandenen (Umwelt-)Probleme als Allgemeingut im Sinne einer zusammen zu Lösenden Aufgabe zu betrachten.

Auf Umweltpolitik bezogen hat die Idee der Commons aber diverse grundlegende Unerträglichkeiten (Aufzählung unvollständig):
  • Was ist mit der Verantwortung? Sollten Verursacher (im Falle der AKW z.B.) nicht zur Verantwortung gezogen werden? Umweltpolitik als Commons neigt hingegen noch mehr als die bisherige Politik dazu, die Schäden und die Kosten für die Beseitigung der Schäden (bzw. Lösung umweltpolitischer Probleme) einseitig zu sozialisieren, sprich: der Steuerzahler darf richten, was Konzerne und der Staat verbockt haben. Das kann nicht die Lösung sein.
  • Begreift man in einer Commons-basierten Umweltpolitik nicht nur die Lasten und Probleme als Allgemeingut, sondern auch die natürlichen Ressourcen, hat man das Problem, dass man entweder den Zugang bzw. die Nutzung sehr engmaschig regulieren muss, um eine faire bzw. angemessene Verteilung (auch im Sinne einer Umweltpolitik) zu gewährleisten oder aber dass es zur Hamsterei kommt und die natürlichen Ressourcen sehr hoch belastet sind - dann wäre von einer Umweltpolitik wirklich nicht zu sprechen.Zu diesen Probleme siehe diese Dissertation
  • Welche natürlichen Ressourcen sollten Allgemeingut werden? Auch Boden? Was macht denn dann der Landwirt? Wem gehören die angebauten Feldfrüchte?
Alles in allem halte ich es allgemein schon für schwierig, das commons-Konzept der digitalen und virtuellen Welt auf reale, materielle Güter zu übertragen. Das Ganze dann im Sinne einer Umweltpolitik zu übertragen, ist mMn nochmal eine Dimension schwieriger.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon wolfgang » 2. Sep 2009, 21:42

ERMpirat schrieb:
"Wir müssen als Piraten das Umweltthema neu besetzen, genauso wie wir mit unserem Namen in der Urheberrechtspolitik eine Neudefinition gewagt haben!"

Das ist das was ich auch empfehle. Die Piraten brauchen die "grüne" Ideologie nicht. Alles was die bis jetzt gebracht haben, ist doch, genau betrachtet, irgendwie abwegig (Flaschenpfand, Biodiesel aus Palmöl usw.)
Die Piraten sollten doch genau prüfen, was die"Grünen" uns vorlügen. Man muß ja nicht alles gleich glauben, aber eine Prüfung durch "unabhängige" Wissenschaftler wäre doch wohl angesagt.

Was meint ihr denn dazu?

http://www.youtube.com/watch?v=amTWO2l3rJk
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon Galaxia » 3. Sep 2009, 00:58

wolfgang hat geschrieben:Die Piraten sollten doch genau prüfen, was die"Grünen" uns vorlügen. Man muß ja nicht alles gleich glauben, aber eine Prüfung durch "unabhängige" Wissenschaftler wäre doch wohl angesagt.

Was meint ihr denn dazu?

http://www.youtube.com/watch?v=amTWO2l3rJk

Dumm nur, das dein Film nicht WIssenschaftlich fundiert ist. Du belügst so indirekt, dich Selbst und Andere.
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Re: Grundsätze einer Umweltpolitik der Piraten

Beitragvon wolfgang » 3. Sep 2009, 20:40

Galaxia hat geschrieben:
wolfgang hat geschrieben:Die Piraten sollten doch genau prüfen, was die"Grünen" uns vorlügen. Man muß ja nicht alles gleich glauben, aber eine Prüfung durch "unabhängige" Wissenschaftler wäre doch wohl angesagt.

Was meint ihr denn dazu?

http://www.youtube.com/watch?v=amTWO2l3rJk

Dumm nur, das dein Film nicht WIssenschaftlich fundiert ist. Du belügst so indirekt, dich Selbst und Andere.


Warum belüge ich mich selbst?
Du hast deine Meinung und ich meine. Ich habe doch nur vorgeschlagen, unsere Meinung, so verschieden sie auch ist, von unabhängigen Wissenschaftlern überprüfen zu lassen.
Das was die Grünen bisher geleistet haben (Flaschenpfand, Windmühlen, Biodiesel aus Palmöl usw.), ist ja wirklich nicht gerade umwerfend.
Oder ist deine Meinung schon eine Ersatzreligion?
Der Leithammel der am lautesten lügen kann, hat die größte Herde.
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