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Giftinjektion – die humane Alternative?

Formulierung der Kernforderungen und Grundsätze, Diskussion über die Ausweitung auf weitere Ziele

Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon BorisK » 11. Nov 2009, 08:36

Aus gegebenem anlass "Sniper mit Giftspritze exekutiert
Der Sniper tötete mit Schüssen aus dem Kofferraum eines Chevrolets und zielte auf das Sicherheitsgefühl der USA. Jetzt rächte sich der Staat mit der Giftspritze. http://www.focus.de/panorama/welt/tid-1 ... 53070.html "


Hier meine Frage:

Finden ihr die Todesstrafe okay?


Wenn ich mir das so durchlese: http://www.initiative-gegen-die-todesst ... ektion.htm dann find ich das schon grausam, z.B.

"Robyn Lee Parks, Oklahoma, 10. März 1992
Robyn Lee Parks zeigte eine Überreaktion auf die Chemikalien. Zwei Minuten nach der Injektion begannen die Muskeln seines Kiefers, Halses und Unterleibes fast eine Minute lang zu krampfen. Parks keuchte und schien zu ersticken, bis er 11 Minuten nach Verabreichung der Chemikalien starb. Ein Reporter beschrieb die Hinrichtung als "erschreckend und hässlich"."

Aber ich finde die Todesstrafe bei manchen Straftaten okay wie z.B. Mord oder Misshandlung von Kindern.

Sagt mal was dazu...

Was ich erschrekend finde ist ->

Es wird immer wieder die Frage gestellt, wie schmerzlos die Tötung mit der Giftspritze tatsächlich ist. Das Betäubungsmittel Thiopental wirkt sehr schnell, aber auch nur für verhältnismäßig kurze Zeit (5–15 Minuten), sodass die Gefahr besteht, dass der Verurteilte wieder zu Bewusstsein kommt und durch die Wirkung der nachfolgenden überdosierten Medikamente qualvoll stirbt. Tierärzte setzen aus solchen Gründen beim Einschläfern von Tieren langwirkende Barbiturate ein. Zum Teil kann der Bolus von Thiopental dazu führen, dass die Person zwar äußerlich bewusstlos erscheint, aber trotzdem bei vollem Bewusstsein ist. In diesem Fall würde die Person bei vollem Bewusstsein sowohl die Lähmung ihrer Atemmuskulatur erleben sowie die herzschlagsenkende Wirkung des Kaliumchlorids, dessen Injektion in den Blutkreislauf allein sehr schmerzhaft ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Letale_Injektion
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon Sensemann » 11. Nov 2009, 09:01

Nach Politische Grundsatzfragen verschoben

Ich bin generell gegen die Todesstrafe weil man es wahrscheinlich nie verhindern kann das unschuldige hingerichtet werden.

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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon paulchen » 11. Nov 2009, 11:01

in Rußland läuft zum 1ten Januar das Moratrorium für Exekutionen aus.
Danach gibts evtl die Wiedereinführung der Todesstrafe, es hängt unter anderem
an Tschetschenien. Ausgerechnet der Muslimstaat (mit den vielen Problemen)
hatte die Todesstrafe die ganzen Jahre blockiert.
Es wird sich nun zeigen wer der zivilisiertere Staat ist, die RU oder die USA.
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon Michael Ebner » 11. Nov 2009, 12:02

Sensemann hat geschrieben:Ich bin generell gegen die Todesstrafe weil man es wahrscheinlich nie verhindern kann das unschuldige hingerichtet werden.


+1

Und das Hinrichtungsverfahren muss aus diesem Grund auch gar nicht diskutiert werden.
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon Dennis » 12. Nov 2009, 03:34

BorisK hat geschrieben:Finden ihr die Todesstrafe okay?


Das interessiert doch eigentlich nicht, da die Todesstrafe im Grundgesetz schon gegen Artikel 1 Absatz 1 verstoßen würde und eine Änderung des Grundgesetzes durch die Ewigkeitsgarantie des Grundgesetzes geschützt wäre, insofern:

"Piraten finden Todesstrafe nix okay, da gar nix okay mit Grundgesetz"

Schlüssig, wie ich finde... :mrgreen: (...ich mag diesen grünen Smilie irgendwie, er ist mir direkt sympathisch, wollt ich nur mal nebenbei so sagen...)
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon aloa5 » 12. Nov 2009, 08:24

Michael Ebner hat geschrieben:
Sensemann hat geschrieben:Ich bin generell gegen die Todesstrafe weil man es wahrscheinlich nie verhindern kann das unschuldige hingerichtet werden.


+1

Und das Hinrichtungsverfahren muss aus diesem Grund auch gar nicht diskutiert werden.

Ebenfalls +1 inklusive der Anmerkung das es auch dann nicht in Ordnung wäre wenn man sich immer ganz sicher sein könnte.

Jemanden zu töten der wehrlos und unschädlich gemacht wurde dient entweder dem "sparen von Kosten" was ja wohl perfide wäre oder der Befriedigung eines niederen Triebes - der Rache. Beides sind wohl keine Staatsziele. "Abschreckung" kann man als Grund wohl widerlegen und müsste schon eindeutig äußerst hohe Wirkungsgrade erreichen um es anführen zu können (z.B. >90% weniger Morde).

Ad acta legen ;)

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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon BorisK » 12. Nov 2009, 08:41

Aber wenn jemand 10 morde begeht aus lust am töten, warum soll er selber nicht getötet werden?
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon aloa5 » 12. Nov 2009, 14:01

BorisK hat geschrieben:Aber wenn jemand 10 morde begeht aus lust am töten, warum soll er selber nicht getötet werden?

Gegenfrage: warum sollte er getötet werden wenn er doch lebenslang gefangen (inkl. Sicherungsverwahrung auf Lebenszeit: also lebenslänglich im wörtlichen Sinne) ist und damit unschädlich gemacht wurde?

Bleiben als mögliche Antworten:
- Rache (niederer Instinkt)
- Kostenersparnis (mithin ebenfalls ein niederer Instinkt wenn es gegen das Recht auf Leben ausgespielt wird)
- Abschreckung (ineffektiv; u.a. auch in dem von Dir genannten Fall, dem "Lustmord" als auch bei Affektmorden etc. nicht relevant)


Damit bleibt kein relevanter Grund übrig welcher den sich moralisch überlegen gebenderen Einsperrern einen Grund liefern jemanden der unschädlich gemacht wurde zu töten.

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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon BorisK » 12. Nov 2009, 14:13

(inkl. Sicherungsverwahrung auf Lebenszeit: also lebenslänglich im wörtlichen Sinne)


Es gibt genug beispiele wo man sieht das sowas nicht klappt? Lebenslänglich und trotzdem kommt er irgendwann raus...?!
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon Natas » 12. Nov 2009, 14:18

aloa5 hat geschrieben:
Michael Ebner hat geschrieben:
Sensemann hat geschrieben:Ich bin generell gegen die Todesstrafe weil man es wahrscheinlich nie verhindern kann das unschuldige hingerichtet werden.


+1

Und das Hinrichtungsverfahren muss aus diesem Grund auch gar nicht diskutiert werden.

Ebenfalls +1 inklusive der Anmerkung das es auch dann nicht in Ordnung wäre wenn man sich immer ganz sicher sein könnte.

Jemanden zu töten der wehrlos und unschädlich gemacht wurde dient entweder dem "sparen von Kosten" was ja wohl perfide wäre oder der Befriedigung eines niederen Triebes - der Rache. Beides sind wohl keine Staatsziele. "Abschreckung" kann man als Grund wohl widerlegen und müsste schon eindeutig äußerst hohe Wirkungsgrade erreichen um es anführen zu können (z.B. >90% weniger Morde).

Ad acta legen ;)

Grüße
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In den USA kostet die Todesstrafe mehr als ein Lebenslanges Einsperren.

Rache ist der Hauptgrund der Justiz ;)

Das Gerichtswesen wurden erschaffen, um die Rache zu entpersonalisieren (also quasi Selbstjustiz abzuschaffen) und somit den Rachekreislauf zu durchbrechen, der durch Selbstjustiz entsteht (Mitglied von stamm a tötet jmd von Stamm B, Stamm B tötet Mitglied von Stamm A, Stamm A rottet Stamm B aus usw.).

Richtig ist: Die abschreckende Wirkung von Strafen lässt sich nur bedingt durch eine Verschärfung der Strafe erhöhen. Zu mal bei den Straftaten, bei denen die Todesstrafe getötet wird, keine Abschreckung helfen düfte: Triebtäter, die quasi keine Wahl haben und Mörder (meist Mord im Affekt, also keine Kalkulierung, ob mir die Strafe zu hoch ist, wenn ich die Tat begehe).
Dort wo die Todesstrafe abschreckende Wirkung haben könnte (z.B. ladendiebstahl), wäre sie gesellschaftlich nicht aktzeptiert ;)

Aber solange die Gefahr besteht, einen unschuldigen zu töten ... gegen Todesstrafe.
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon Natas » 12. Nov 2009, 14:22

BorisK hat geschrieben:(inkl. Sicherungsverwahrung auf Lebenszeit: also lebenslänglich im wörtlichen Sinne)


Es gibt genug beispiele wo man sieht das sowas nicht klappt? Lebenslänglich und trotzdem kommt er irgendwann raus...?!


Lebenslänglich heißt, bei guter Führung kann er nach 15 oder 25 Jahren frühstens entlassen werden.

Das die anschließender sicherheitsverwahrung (bei z.B. psyschisch gestörten Triebtätern) nicht immer klappt, liegt in der Ausführung dieser Sicherheitsverwahrung, macht aber das Konzept an sich nicht schlecht.
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon BorisK » 12. Nov 2009, 14:25

Okay, er kommt nach 25 jahren raus, und ist kein "psyschisch gestörter Triebtäter" ... Dann ist er wieder unter uns, und kann wieder was anstellen?
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon aloa5 » 12. Nov 2009, 14:32

BorisK hat geschrieben:(inkl. Sicherungsverwahrung auf Lebenszeit: also lebenslänglich im wörtlichen Sinne)


Es gibt genug beispiele wo man sieht das sowas nicht klappt? Lebenslänglich und trotzdem kommt er irgendwann raus...?!

Es wurde letztens wieder jemand entlastet der seine Kinder gar nicht samt Haus verbrannt hat. Er kann es jedoch nicht mehr honorieren.

Damit beweist Dein Beispiel nämlich so viel wie meines nur das der Staat Fehler macht. Das kann man bei einem kleinen Knöllchen von 10 Euro tolerieren und ggfs. auch revidieren. Nachdem man jemanden getötet hat sollte das jedoch reichlich schwer fallen.

Wäre der Staat fehlerlos, dann würde mein Argument nicht greifen - Deines aber auch nicht.

natas hat geschrieben:Das Gerichtswesen wurden erschaffen, um die Rache zu entpersonalisieren

Jein. Zumindest teilweise steht auch ein Erziehungsgedanke dahinter. Der Rache als solchem geht der Erziehungsgedanke jedoch i.d.R. ab (im Falle der Todesstrafe immer).


Als brandaktueller OT-Beitrag sei die Jugendkriminalität und die derzeitige Bundesregierung noch genannt:
http://blog.beck.de/2009/11/01/falsche- ... reinbarung

(Ich denke Prof. Dr. Bernd v. Heintschel-Heinegg wird nichts gegen ein Fullquote seines Blogeintrages haben :) )
Die sozialdemokratischen Justizminister und Senatoren der Länder Berlin, Bremen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben am 28.10.2009 in einer gemeinsamen Erklärung Kritik an der Koalitionsvereinbarung im Bereich Justiz geübt.

Unter anderem wird kritisiert, dass auf die drängenden Probleme im Bereich der Jugendkriminalität die Koalition die Lösung in Instrumenten suche, die von Wissenschaft und Praxis als untauglich angesehen würden. Wer glaube, mit der Erhöhung der Höchststrafe für Mord bei Jugendlichen auf 15 Jahre Straftaten verhindern zu können, verkenne die Realität. Wichtig sei vielmehr die Fokussierung auf den Aspekt der Prävention, um weitere Straftaten zu verhindern. Das erreiche man aber nicht durch die stetig wiederkehrende Forderungen nach schärferen Strafen. Die Instrumente, die das derzeitige Jugendstrafrecht biete, seien gut und ausreichend.

Im Bereich des Jugendstrafrechts ist es aus meiner Sicht richtig, noch viel mehr als bisher (sprich: differenzierter, wenn nicht sogar individualisiert) im präventiven Bereich anzusetzen. Aber das eine tun, heißt nicht unbedingt das andere zu lassen. Nachdem wissenschaftlich wohl weitgehend anerkannt ist, dass Freiheitsstrafen über 10 Jahre mit Blick auf den Erziehungsgedanken "nichts bringen", würde bei Feiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren allerdings der Sicherungsgedanke durchschlagen und es müsste der bisher zentrale Gedanke des Jugendstrafrechts überdacht werden.


Ich verweise dabei auf meine Erwiderung in dem dortigen Blog.

Ich halte ein Primat des Erziehungscharacters der Justiz für eine gute Sache.


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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon Natas » 12. Nov 2009, 14:35

BorisK hat geschrieben:Okay, er kommt nach 25 jahren raus, und ist kein "psyschisch gestörter Triebtäter" ... Dann ist er wieder unter uns, und kann wieder was anstellen?


Wenn er rauskommt, gehen die zuständigen Stellen davon aus, dass er keine Taten mehr begeht, also resozialisert ist. Wenn davon ausgegangen wird, dass er wieder eine Tat begehen wird, sobald er draußen ist, gibt es keine vorzeitige Entlassung oder eben Sicherheitsverwahrung.

Die Regeln sind da schon sehr gut. Das es in der Ausführung nicht immer klappt, ist ne andere Sache.

Und jmd der aus Lust 10 Leute tötet ist nun mal ein psyschisch gestörter Triebtäter, da greift die Sicherheitsverwahrung.
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Re: Giftinjektion – die humane Alternative?

Beitragvon aloa5 » 12. Nov 2009, 14:47

BorisK hat geschrieben:Okay, er kommt nach 25 jahren raus, und ist kein "psyschisch gestörter Triebtäter" ... Dann ist er wieder unter uns, und kann wieder was anstellen?

Entweder der Staat kann etwas einwandfrei feststellen, dann geschieht das nicht -- oder er kann nichts einwandfrei feststellen dann kann er auch keine Todesstrafe für etwas verhängen dessen er sich ebensowenig sicher sein kann wie über die Resozialisierungsfähigkeit eines Menschen.

Und über allem steht der höhere moralische Anspruch des ausführenden einer Bestrafung. Den verliert jemand der die Todesstrafe ausführt.
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