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Ich bin Frau! Na und!

Moderator: Lokale Moderatoren

Re: Ich bin Frau! Na und!

Beitragvon stueck » 4. Nov 2009, 11:46

Ich sehe da wenig tragfähige Begründungen und auch keine Aussagen, welche Probleme welche politischen Konsequenzen haben. Wenn wir persönliche Erfahrungen zum Masstab machen, müsste ich sagen, dass ich Wessi bin, nie in einem Kindergarten war, nie in einer Ganztagesschule und ich deswegen kein schlechter oder unsozialer Mensch bin. Ich habe, obwohl ich unglaublicherweise nicht vom Staat oder einer Ideologie miterzogen oder überwacht wurde Zusammenhalt, Respekt und teilen gelernt. Es war eine tolle Zeit, die schönste Kindheit, die man sich denken kann. Eine Freiheit, für die man sich heute rechtfertigen muss, so wie für andere Freiheiten. Mir ist schon klar, dass nicht jeder Bullerbü-Kind sein kann, aber müssen wir denn immer persönliche Lebenswege verteidigen, weil wir uns dafür angegriffen fühlen?

Da du das "Ossi" bestonst: In diesen Bundesländern gibt es nach wie vor eine sehr ausgreifende Ganztagesbetreuung auch für kleine Kinder. Im Westen in vielen Regionen mittlerweile ebenfalls. Weisst du, was das kostet? Nicht die Eltern, sondern an Zuschüssen? Nicht nur die Eltern müssen sich die Frage stellen, ob sich eine externe Betreuung "lohnt" und sinnvoll ist, sondern auch der Staat. Natürlich wollen wir alles gleichzeitig: Für jeden Elternteil einen hinreichend bezahlten Job, einen guten und preisgünstigen Betreuungsplatz in der Nähe, später hohe Rente... mir erscheint das aber wie die Arbeit an einem riesigen gesellschaftlichen Umbau (andere würden Utopie dazu sagen), nicht ein AG Frauen - Thema.
stueck
 

Re: Ich bin Frau! Na und!

Beitragvon TheKat » 4. Nov 2009, 12:22

stueck hat geschrieben:Ich sehe da wenig tragfähige Begründungen und auch keine Aussagen, welche Probleme welche politischen Konsequenzen haben. Wenn wir persönliche Erfahrungen zum Masstab machen, müsste ich sagen, dass ich Wessi bin, nie in einem Kindergarten war, nie in einer Ganztagesschule und ich deswegen kein schlechter oder unsozialer Mensch bin. Ich habe, obwohl ich unglaublicherweise nicht vom Staat oder einer Ideologie miterzogen oder überwacht wurde Zusammenhalt, Respekt und teilen gelernt. Es war eine tolle Zeit, die schönste Kindheit, die man sich denken kann. Eine Freiheit, für die man sich heute rechtfertigen muss, so wie für andere Freiheiten. Mir ist schon klar, dass nicht jeder Bullerbü-Kind sein kann, aber müssen wir denn immer persönliche Lebenswege verteidigen, weil wir uns dafür angegriffen fühlen?

Ist schon klar, daß man sich angegriffen fühlt, wenn man nur einen Teil meines Komments zugrunde legt.

*schmunzel*
Warum fühlst Du Dich denn angegriffen und musst Dich rechtfertigen, wenn ich erzähle, das man in meiner Kindheit (von der ich erzählt habe), die nun mal im Osten war, als Eltern arbeiten musste und dementsprechende Betreuungsmöglichkeiten gab. Es ging in meinem Komment weder um Idiologie noch um Überwachung etc. Weder um einen Vergleich Wessi´s - Ossi´s.... Und auch nicht um die Erziehungssachen.... Es sollte auch kein Masstab sein, was besser oder schlechter ist.... Oder Oder Oder!

Es ging um die Darstellung meiner Kindheit in der DDR, weil sich Kinder eben nur mit Arbeit finanzieren lassen. Arbeiten kann man aber nur gehen, wenn man auch Möglichkeiten hat, seine Kinder betreuen zu lassen. Das war in der DDR so und ist heute auch so (mehr denn je). Wenn es zu wenig Kinder gibt, muss man überlegen WARUM! Woran liegt es? Was kann man ändern?

Egal, wo man heute hin schaut. Skandinavien, Frankreich, ehem. Osten u.u.u. Wenn man bezüglich Geburtenzahlen diese Länder (Regionen) zugrunde legt, sind diese uns um Längen voraus! Es geht doch in erster Linie darum, was man ändern sollte und im nächsten Step die Überlegung, wie man es finanziell umsetzen kann (Beispiel mit Betriebskindergärten etc. wurde ja teilweise wo anders schon angesprochen)
Es ist bedenklich, dass vielen das Denken vergeht, sobald wir ihnen zu denken geben
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Re: Ich bin Frau! Na und!

Beitragvon VeVi » 4. Nov 2009, 12:50

TheKat hat geschrieben:.... Egal, wo man heute hin schaut. Skandinavien, Frankreich, ehem. Osten u.u.u. Wenn man bezüglich Geburtenzahlen diese Länder (Regionen) zugrunde legt, sind diese uns um Längen voraus! Es geht doch in erster Linie darum, was man ändern sollte und im nächsten Step die Überlegung, wie man es finanziell umsetzen kann (Beispiel mit Betriebskindergärten etc. wurde ja teilweise wo anders schon angesprochen)

Ergänzend (und etwas O.T.) dazu haben diese Länder aber auch noch ein gänzlich anderes Familienrecht (so überhaupt) als hierzulande.

- Frankreich bietet z.B. ausdrücklich die Option 50:50 Betreuung
- Skandinavier fassen sich an den Kopf, wenn Sie die unterhaltsrechtlichen Leitlinien in Deutschland sehen
- usw.usf. (Belgien z.B.)

Nur D-Land benötigt 1000 Seiten Rechtssprechung (Familie) dazu, nebst Querverbindungen zum BGB, Grundgesetz, Sozialgesetzgebung und was weiß ich noch.
Man muss schon ziemlich verrückt sein, wenn man diesbezüglich in D noch an Kinderwunsch denkt, vor allem als Mann, der ja meistens arbeiten gehen muss, weil die Frau wie du schon geschrieben hast, u.a. garnicht die Möglichkeit findet.

Ich bin Mann! Na und! ;-)
VeVi
 

Re: Ich bin Frau! Na und!

Beitragvon stueck » 4. Nov 2009, 13:04

TheKat hat geschrieben:Warum fühlst Du Dich denn angegriffen und musst Dich rechtfertigen

Das hast du leider falsch aufgefasst - ich rechtfertige mich nicht (wofür auch?), sondern möchte die Ebene persönlicher, individueller Erfahrungen von der allgemeinen politischen Ebene abgrenzen. Ich kanns dir auch noch deutlicher sagen: Wenn jemand ein Rausch mit 14 nicht geschadet hat und er das nicht als Problem ansieht, heisst das für den Staat und die Gesellschaft nicht, man könnte den Alkoholverkauf für alle Kinder freigeben.

TheKat hat geschrieben:Egal, wo man heute hin schaut. Skandinavien, Frankreich, ehem. Osten u.u.u. Wenn man bezüglich Geburtenzahlen diese Länder (Regionen) zugrunde legt, sind diese uns um Längen voraus!

Aha. Das sind auch Irland und die USA, wo staatlich subventionierte Kinderbetreuung kaum existiert. Der "ehem. Osten" hat übrigens katastrophal niedrige Geburtenraten, auch kein gutes Beispiel. Scheint wohl doch noch mehr nötig zu sein. Betreuung zum seligmachenden Fetisch zu machen langt nicht.
stueck
 

Re: Ich bin Frau! Na und!

Beitragvon Themis » 12. Dez 2009, 15:01

TheKat hat geschrieben:„Warum muss ich mich rechtfertigen, dass ich mit 36 weder verheiratet bin, noch Kinder habe?“ (persönliche Erfahrung)

„Warum muss eine Mutter sich rechtfertigen, dass Sie Ihr Kind nicht in den Kindergarten geben möchte, weil Sie aus Leib und Seele MAMA ist?“
(Frau aus meinem Umfeld)

„Gleichberechtigung im Job! Aufstiegs-Chancen! Fehlanzeige! Gleiche Arbeit, mehr Verantwortung und dafür weniger Geld! Mit welchem Recht?“ (persönliche Erfahrung 10 Jahre lang)

„Warum wird die Tätigkeit als Hausfrau/Mutter in vielen Bereichen immer noch nicht anerkannt (privat wie gesellschaftlich)?“

„Wieso sind heutzutage 70% der Sozialhilfeempfänger über 65 Frauen?“

Hallo Kat,

diese Fragen sind wahrscheinlich nicht ernst gemeint, oder?
Zwar will ich nicht in Frage stellen, dass es einem Menschen selber überlassen bleibt, ob er sich vermehrt oder nicht, abern wenn alle oder auch nur zu viele das tun, dann bröckelt die Gesellschaft und zerfällt. Wenn Du das willst, hast Du eine gültige Rechtfertigung. Wenn nicht, musst Du Deine Motivation erläutern, dass müsstest Du doch auch, wenn Du 8 oder mehr Kinder hättest. Alles was von der Norm abweicht, wird Erklärungsbedarf nach sich ziehen.
Ich muss mich auch immer erklären, dabei war es noch nicht einmal meine Entscheidung, stumm zu sein.

Zu der Sache mit der Arbeit: Es kommt immer darauf an, was Du machst. Ich bin Dipl.-Dokumentarin bei der EU und kann nicht behaupten, dass es unterschiedliche Einstufungen gibt. Egal, ob es sich um Männer oder Frauen handelt, alle machen das Gleiche und werden gleich eingestuft.

Wenn Du aufsteigen willst, musst Du Dich überproportional engagieren und das ist für mich nichts. Ich möchte noch Kinder haben und die Zeit zu Hause mit den Kindern genießen.


Die Antwort auf alle Deine Fragen lautet: Weil die Gesellschaft noch nicht so weit ist, und die richtige Frage wäre, was kann ich tun, um das zu ändern? Du beklagt zurecht den Istzustand, aber wo ist Dein Entwurf für eine Änderung?
Grüße aus Brüssel

Eure Themis

„Ungerechtigkeit ist relativ leicht zu ertragen, Gerechtigkeit tut weh.”
(G.E.Lessing, Minna von Barnhelm)
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Re: Ich bin Frau! Na und!

Beitragvon TST » 14. Dez 2009, 11:26

TheKat hat geschrieben:„Warum muss ich mich rechtfertigen, dass ich mit 36 weder verheiratet bin, noch Kinder habe?“ (persönliche Erfahrung)


Warum muss ich als Mann mich vor praktisch jeder Frau rechtfertigen, dass ich den Hausmann mache und die Frau das nötige Einkommen erwirtschaftet?

TheKat hat geschrieben:„Warum muss eine Mutter sich rechtfertigen, dass Sie Ihr Kind nicht in den Kindergarten geben möchte, weil Sie aus Leib und Seele MAMA ist?“
(Frau aus meinem Umfeld)


Warum soll die Allgemeinheit finanzieren, dass man nicht Arbeiten will?

TheKat hat geschrieben:„Gleichberechtigung im Job! Aufstiegs-Chancen! Fehlanzeige! Gleiche Arbeit, mehr Verantwortung und dafür weniger Geld! Mit welchem Recht?“ (persönliche Erfahrung 10 Jahre lang)


Subjektiv hat praktisch jeder das Gefühl nicht fair behandelt zu werden. Dies tut allerdings der objektiven Realität keinen Abbruch, dass Frauen sogar massiv bevorteilt werden in ganz Westeuropa und Nordamerika. So ist es z.B. so, dass Frauen 15 mal schneller befördert werden als Männer. Dies wurde nicht nur von Männern festgestellt, sondern auch von einer Frau und bekennenden Feministin (Frau Prof. Sonja Bischoff: http://www.amazon.de/Wer-f%C3%BChrt-die ... 346&sr=8-1 ). Lese ihren Artikel: http://www.zeit.de/2005/10/W_Topmanagement


TheKat hat geschrieben:„Warum wird die Tätigkeit als Hausfrau/Mutter in vielen Bereichen immer noch nicht anerkannt (privat wie gesellschaftlich)?“


Warum sollte es das auch?
Es ist ein Privatvergnügen. Das hat man mit sich und seinem Partner auszumachen.

Ganz abgesehen davon teile ich auch nicht die Einschätzung das Hausfrauen und insbesondere Mütter sonderlich schlecht weg kommen in Deutschland. Eigentlich sogar das genaue Gegenteil. Es gibt einen wahren Mutterkult. Einen Mutterkult der gezielt auch die Väter ausgrenzt.
(Nur die Mütter sind die Einzigen, welche Kinder erziehen können. etc. pp.)
Übrigens führt dieser Mutterkult auch zur Rabenmutterdiskussion. Siehe deine Frage 1.


TheKat hat geschrieben:„Wieso sind heutzutage 70% der Sozialhilfeempfänger über 65 Frauen?“
[/quote]

Weil ihre Männer vorher schon gestorben sind. Warum sind über 80% aller Obdachlosen Männer?
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