JoeTurbo hat geschrieben: Nicht "Volk" -->"Bevölkerung"
Der Begriff Bevölkerung wird als Bezeichnung für die menschliche Population innerhalb geographischer Grenzen verwendet und unterscheidet sich von abstammungsbezogenen Gruppierungen wie Stamm, Volk und Ethnie.
Da es sich im Vorfeld um den politischen Kontext drehte, bezog sich das Wort "Volk" in meinem "Wörterbuch" auf den Einsatz in der politischen Diskussion auf nationaler Ebene. Da ist der Begriff "Volk" problematisch, da er nicht sachlich eingesetzt, ja sogar romantisiert wird. Wie du selbst sagst ist der Begriff "Volk" abstammungsbezogen. Sprichst du also vom "deutschen Volk" oder auch nur "dem Volk", so grenzt du einen ganz erheblichen Teil der deutschen Bevölkerung aus. Du grenzt viele Menschen mit deutschem Pass aus. Und viele die es gewagt haben einen nicht-zentraleuropäischen Vorfahren in ihrem Stammbaum zu haben.
JoeTurbo hat geschrieben:
Wir haben 1989 und befinden uns in der DDR. Der Begriff »Volk« ist verboten, weil politisch inkorrekt. Die Massen skandieren: »Wir sind eine Bevölkerung!« Die Führung antwortet: »Ja, und?«
Sie hätten wohl eher "Wir sind DIE Bevölkerung!" gerufen. Wäre der Begriff "Volk" in der DDR verboten gewesen, dann hätte die Führung dieses Wort auch nicht benutzt und ein anderes Wort für die Herrschaftslegitimation gewählt, dass die Protestierenden ebenso leicht gegen die Staatsführung einsetzen hätten können.
JoeTurbo hat geschrieben:Die Bevölkerung der Erde ist eben nicht ein Volk.
Gehörst du überhaupt zu einem Volk? Oder ich? Also ich glaub nicht, ich hab teilweise französische Vorfahren. So ganz zum deutschen Volk kann ich dann ja nicht gehören. Eher zur deutschen Bevölkerung, oder etwa nicht? DAS Volk als solches existiert gar nicht mehr. Ja, da spielt eine politische Steuerung im Bezug auf Wortbedeutung auch eine Rolle. Aber die ist von uns gewollt. Denn irgendein schlauer Mensch kam mal auf die Idee, dass alle Menschen gleich sein sollten. Ein paar andere schlaue Menschen hatten sich sogar mal gedacht, dass die Würde des Menschen unantastbar sein sollte. Unsere westliche Philosophie und damit unser gesamtes Weltbild betrachtet den Menschen als Mensch, der zwar eine staatliche Zugehörigkeit besitzt, aber nicht mehr über seine völkische Abstammung definiert, oder gar gerichtet wird.
Daher frage ich dich: Was soll das, wenn jemand in der Öffentlichkeit vom "Volk" spricht? Wen meint man damit? Was bezweckt man damit? In meinen Ohren knüpft man damit an eine in die Jahre gekommene Ideologie an, die in erster Linie eine ganze Menge Tod und Elend über die Welt gebracht hat.
JoeTurbo hat geschrieben:Political Correctness schränkt die freie Meinungsäußerung in ihrer Aussage nicht ein, höchstens in ihrer Wortwahl.
Neusprech bezeichnet die vom herrschenden Regime vorgeschriebene, künstlich veränderte Sprache. Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken.
Du übersiehst zwei erhebliche Unterschiede zwischen Newspeak und Political Correctness
1. Newspeak grenzt die Anzahl der Wörter grundsätzlich ein, erst dadurch wird der Verlust an Bedeutungsspektrum problematisch. Ein Verlust an Bedeutungsspektrum im Allgemeinen ist nichts schlechtes, sondern sogar wünschenswert, sofern bei der Vernachlässigung eines Begriffs neue Worte zur Verfügung stehen, die in ihrer Gesamtheit das Bedeutungsspektrum des ursprünglichen Begriffs umfassen, jedoch für sich selbst genommen viel differenzierter sind. Eine exaktere Sprache ist etwas anderes, als eine durch Spracheinschränkung erzwungene Gedankenmanipulation. Ja, PC grenzt auch die Wortwahl ein, aber nur dort, wo es treffendere Termini gibt. Unsere Sprache (auch die politische) wird nicht "verschlankt" sie ist in ihrer Wortvielfalt geradezu erblüht um nicht zu sagen "wucherte aus".
2. Newspeak ist gesetzlich verordnet. Political Correctness ist kein Diktat von "oben". PC entstand weil mit Worten polemisch und unsachlich umgegangen wurde und wird, womit sich Menschen beleidigt oder angegriffen fühlten, was oft nicht einmal beabsichtigt war / ist. Diese Menschen setzten sich dafür ein, dass sie eben nicht mehr als z.B. "Nigger" bezeichnet wurden. PC ist in dem Fall eher eine basisdemokratische Etikette.
PC ist zudem keine allgemein gültige Sprachregelung sondern betrifft vorrangig das öffentliche Auftreten. Und sie ist auch nicht zwingend verbindlich. Du kannst nach wie vor reden, wie du willst, die Worte gibt's immer noch. Du musst nur damit rechnen, dass du irgendjemand an den Schlips trittst, wenn du Worte falsch oder unbedacht einsetzt. PC dient als Leitfaden für Leute, die in ihrem Redeeifer anderen auf die Füße treten ohne es zu wollen. Und manchmal auch als Empfehlung für Leute, die bewusst andere beleidigen wollen, ohne dabei polemisch zu werden.
JoeTurbo hat geschrieben:Mir fällt negativ auf, wie ungebildet und unbelesen ausgerechnet hier manche auftreten.
Mir fällt negativ auf, wie schnell hier Leute glauben über meinen Bildungsstand oder meine Belesenheit Bescheid zu wissen, ohne mich zu kennen.